Burg l Diese eine Tour durch Reesen wird ein Pkw-Fahrer wohl sein Leben lang nicht vergessen: Als er in die Ortschaft ungebremst einfährt, blitzt es rechter Hand. Abzüglich der Toleranzwerte stehen wenig später 97 km/h auf dem Bußgeldbescheid. Der Mann ist mit 47 Sachen zuviel durch das Dorf gefahren. Hat er vielleicht geträumt? Wie auch immer ... Möglicherweise gibt er dazu im Anhörungsverfahren dazu Auskunft. Auch ein Lkw-Fahrer hatte es kürzlich besonders eilig und wollte nicht auf die Bremse drücken – bis die Digitaltechnik für das Erinnerungsfoto bei 83 km/h auslöste.

„Die Zahlen lügen nicht. Die 97 km/h sind unser absoluter Spitzenwert, der bislang gemessen wurde“, sagt Torsten Schulz, zuständiger Sachgebietsleiter in der Stadtverwaltung. Der erwähnte Pkw-Fahrer jedenfalls wird seinen Führerschein vorübergehend abgeben müssen.

1150 Verstöße

Dieser Fall ist nach den ersten Blitzer-Monaten in Reesen aber die Ausnahme, ergibt eine erste Statistik vom 8. August bis 15. Oktober. Demnach wurden in diesem Zeitraum knapp 1150 Verstöße erfasst. Der überwiegende Teil der Autofahrer hat das zulässige Tempo von 50 km/h um sechs bis 15 km/h überschritten. Etwa 20 rasten mit mehr als 30 km/h zuviel in die Ortschaft hinein.

So werden die meisten Autofahrer, die erwischt wurden, mit einem Verwarn- oder Bußgeld davonkommen. „Viel wichtiger ist aber auch die erzieherische Wirkung“, sagt Schulz. „Es geht nicht um Abzocke, sondern darum, dass durch Reesen in dem vorgegebenen Tempo gefahren werden soll. Der Ort ist durch den Verkehr auf der Bundesstraße 1 besonders stark frequentiert“, begründet er. Auf jeden Fall habe sich der Blitzer schnell herumgesprochen. Das bestätigt auch Ortsbürgermeister Otto Voigt. „Mit dem stationären Gerät wurde erreicht, dass die meisten Fahrzeuge zumindest aus Richtung Burg langsamer fahren. Somit können auch Fußgänger die Straße etwas gefahrloser überqueren.“ Voigt macht keinen Hehl daraus, dass die Einwohner am liebsten eine „richtige Querungshilfe“ hätten, die aber mit aufwendigen bürokratischen Vorbereitungen verbunden sei und deshalb wohl „so schnell nicht kommen wird“. Aus diesem Grund sei das Messgerät schon mal ein wichtiger Schritt zu mehr Verkehrssicherheit. Auch deshalb, „weil immer mehr Lkw die Bundesstraße nutzen“.

Messwagen

Geschwindigkeitskontrollen stehen aber nicht nur in Reesen auf der Tagesordnung, sondern auch mit Hilfe eines Messwagens, den die Stadt erworben hat, an vielen neuralgischen Punkten. „So wird der Blitzer-Wagen beispielsweise vor Schulen, Kinder- oder Senioreneinrichtungen aufgestellt“, sagt Schulz. Ein Schwerpunkt sei die August-Bebel-Straße in Burg Richtung Krankenhaus mit der Kita „Bambi“. Auf diesem Abschnitt dürfen maximal 30 km/h gefahren werden, der Alltag sehe allerdings oft anders aus. Autofahrer müssten also ständig damit rechnen, dort ins Visier der Ordnungshüter zu geraten.

Mit Inbetriebnahme der Blitzertechnik in diesem Sommer organisiert die Stadt nach fünfjähriger Pause wieder Tempokontrollen in Eigenregie. Für rund 130 000 Euro konnten über einen Leasingvertrag, der drei Jahre laufen soll, Fahrzeug und moderne Digitaltechnik angeschafft werden. Die Reesener Anlage ist die einzige ihrer Art im Landkreis.