Und sie dreht sich doch!

Rathaus Möckern „tickt“ wieder richtig: Moderne Technik treibt historische Uhrzeiger und Glocken an

Lange drehten sich die Zeiger der Möckeraner Rathausuhr keinen Millimeter. Dank einer Spendenaktion verfügt der historische Verwaltungssitz jetzt über eine hochmoderne Zeitansage im Glockenreiter. Und: Es läutet seit gestern sogar wieder.

Von Stephen Zechendorf
Die beiden alten Klangschalen wurde gestern aus dem Dach entfernt. Thomas Scholz und die Stahl-Klnagschale hingen gut gesichert in den Seilen.
Die beiden alten Klangschalen wurde gestern aus dem Dach entfernt. Thomas Scholz und die Stahl-Klnagschale hingen gut gesichert in den Seilen. Foto: Stephen Zechendorf

Möckern - „Heute muss die Glocke werden, frisch Gesellen seid zur Hand.“ So dichtete vor 222 Jahren Friedrich Schiller in seinem „Lied von der Glocke“.

Was da seit gestern aus dem Rathaustürmchen von Möckern erklingt, sind genau genommen keine Glocken, sondern unscheinbare Klangschalen aus Bronze, erklärt Thomas Scholz von der Firma Glockenbau Schmidt.

Die Firma hatte den Auftrag erhalten, die Rathausuhr samt Läutwerk wieder zum Laufen zu bringen. Ein Unterfangen, welches mit einer Restauration des alten, vorhandenen Uhrwerks nicht mehr so einfach zu machen war.

Altes Uhrwerk stammt aus dem Jahr 1895

Das alte Uhrwerk - es steht in einem kleinen Kabuff im Dachgeschoss - stammt aus dem Jahr 1895. Erbaut hat es der Möckeraner Uhrmachermeister Theodor Goebe damals zum Preis von 1145 Mark. Lange wurde es nicht mehr gewartet, mutmaßt Thomas Scholz.

Auf seiner „Zeitreise“ durch das Rathaus hat er sich über wackelige Holzleitern bis ganz nach oben durchgekämpft und unter der Zwiebelturmhaube dann auch die beiden Vorgänger-„Glocken“ entdeckt: zwei alte Stahlgussklangschalen. Sie hingen an der alten Rahmenkonstruktion und wurden über Drahtseile mit einem Hammer angeschlagen. Diese Drahtseile führten bis hinunter zum Uhrwerk.

Auch die stark korrodierten Klangglocken werden nicht wieder reaktiviert. Statt der riesigen Schüsseln wurden zwei deutlich kleinere Bronzeklangschalen im Turm aufgehängt, welche mit Hilfe eines Elektromagneten erklingen.

Entwarnung: Keine Viertelschläge in der Nacht

Dazu gibt es einen Metallkasten im Miniturm, welcher die Zeiger der vier Ziffernblätter antreibt. Der Mini-Computer wird auch regeln, wann die beiden neuen Klangschalen ertönen.

Vorgesehen ist ein Viertelstundenschlag mit der kleineren und heller tönenden Schale, sowie der Stundenschlag mit der größeren und tieferen Klangglocke. Um „viertel nach“ klingt die kleine Schale demnach einmal, um halb zweimal und um „dreiviertel“ dreimal.

Zur Beruhigung für die Anwohner: In den Nachtstunden von 22 Uhr bis 6 Uhr soll der Viertelschlag jedoch ausgeschaltet sein.

Spendenaktion macht Modernisierung möglich

Möglich wurde die Reaktivierung der Rathausuhr nach einem Spendenaufruf des Möckeraner Ortsbürgermeisters Detlef Friedrichs. Der hatte kritisiert, dass die Uhr im Rathaustürmchen seit Jahren gar nicht oder nur unzuverlässig tickte. Gut 12 500 Euro wurden vor etwa einem Jahr veranschlagt, die Hälfte der Kosten wollte die Stadt übernehmen.

Was mit der nicht mehr benötigten historischen Zeitansage geschehen soll, ist noch offen. „Sie würde gut als Anschauungsobjekt im Eingangsbereich taugen“, findet Thomas Scholz. Im Gespräch mit Ortsbürgermeister Detlef Friedrich wird klar: Verschrottet werden das alte Uhrwerk und die alten Klangschalen jedenfalls nicht.

Thomas Scholz zeigt, wie die alte Glockentechnik funktionierte. Rechts im Bild die alten Gewichte für Uhr und Schlagwerk.
Thomas Scholz zeigt, wie die alte Glockentechnik funktionierte. Rechts im Bild die alten Gewichte für Uhr und Schlagwerk.
Foto: S. Zechendorf
 Detlef Friedrich mit Thomas Scholz bei der alten Rathausuhr.
Detlef Friedrich mit Thomas Scholz bei der alten Rathausuhr.
Foto: St. Zechendorf