Burg l Thomas Lalla blickt auf eine abwechslungsreiche berufliche Geschichte zurück. Und ein wesentlicher Teil dieser ist die Unterstützung von Menschen mit Migrationshintergrund, damit diese im beruflichen Leben Fuß zu fassen. „Ich habe mich stets mit Herzblut darum bemüht, dass auch Menschen in Arbeit kommen, bei denen es im Leben nicht so gut gelaufen ist. Dazu gehören nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund, sondern auch Alleinerziehende oder Menschen, die sonst irgendwelche Problematiken haben“, erklärt der Burger. „Und natürlich habe ich damit auch einige schlechte Erfahrungen gemacht und viel Kritik einstecken müssen. Aber wenn ich jetzt so auf die vergangenen 30 Jahre zurück blicke, dann sind sie Kritiker inzwischen alle verstummt und nicht mehr auf ihren Posten, aber ich bin noch da“, lacht er.

Lalla selbst ist nach Burg migriert – allerdings nicht über Landes- und Kulturgrenzen hinweg. „Ursprünglich komme ich aus Hannover, aber dann hatte ich in Burg eine neue berufliche Herausforderung und habe mich verliebt. Und das hat dann dazu geführt, dass ich in meiner alten Heimatstadt alle Zelte abgebrochen habe und hier einen Neustart gewagt habe.“ Die Herausforderung, an einem neuen Ort komplett neu zu beginnen und sich alles erschließen zu müssen, kann er also nachvollziehen.

Und obwohl er sich schon seit Jahrzehnten engagiert, ist er noch lange nicht müde und ist inzwischen nicht nur Ausbilder und Integrationskoordinator bei der Firma Wiedemann in Burg sondern auch einer der Regionalbotschafter des Netzwerkes Unternehmen integrieren Flüchtlinge.

2500 Unternehmen im Netzwerk aktiv

„In Deutschland sind inzwischen rund 2500 Unternehmen in diesem Netzwerks aktiv“, erklärt er. In Ostdeutschland sind es allerdings noch deutlich weniger, etwa 40. Das will Thomas Lalla ändern und geht aktiv auf Firmen zu, ob sie sich an dem Netzwerk beteiligen wollen. „Die Teilnahme kostet die Unternehmen auch nichts, sie haben dadurch nur Vorteile und erhalten Unterstützung.“ Diese Unterstützung zeigt sich beispielsweise in Beratungen, wie unterschiedliche Kulturen oder Religionen in Firmen miteinander umgehen. Aber auch bei Verständigungsproblemen kann das Netzwerk weiterhelfen. „Es gibt im Prinzip keine Sprache, bei dem wir nicht jemanden finden können, der diese übersetzt. Oder auch, wenn ein Sprachkurs benötigt wird, finden wir eine Lösung“, erklärt er einige Unterstützungsmöglichkeiten. Er könne zwar nicht jede Frage zu Migration oder zu Problemen auf dem Arbeitsmarkt beantworten, aber es fände sich im Netzwerk immer jemand, der die Antwort weiß, ist er überzeugt.

Und diese Hilfestellungen Lallas tragen Früchte. Als Beispiel nennt er Emmanuel Akuma Kalu, der aus Nigeria stammt und in Burg ein neues Leben inklusive Berufstätigkeit aufbauen konnte, nachdem er erhebliche Schwierigkeiten hatte, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Zu diesem pflegt Lalla ein freundschaftliches Verhältnis, half ihm beispielsweise auch, einen Kleingarten in Burg zu bekommen, in den er erst kürzlich eingeladen wurde.

Zufrieden, wenn es klappt

Solche Erfolgsgeschichten wie von Emmanuel sind für mich der Grund, mich immer weiter zu engagieren. Natürlich kann man nicht jedem helfen, und es will auch nicht jeder Hilfe annehmen, aber wenn es funktioniert, dann ist es umso schöner“, freut sich Thomas Lalla.

Mancher Kontakt besteht Jahre

Der Kontakt zu dem Nigerianer besteht schon seit einigen Jahren. „Ich habe ihn beispielsweise zu Ämtern begleitet. Allein wegen Sprachschwierigkeiten kann es dort für Migranten schon mal problematisch werden. Aber wenn wir zusammen da waren, ließen sich eigentlich alle Probleme irgendwie lösen.“

Lalla hat großen Spaß dabei Menschen zu unterstützen und auf ihrem persönlichen oder beruflichen Weg zu begleiten. „Vor allem, wenn wir dann nach und nach die Erfolge sehen können.“ So war es für ihn eine willkommene neue Herausforderung, als er vor wenigen Wochen zu einem der 16 neuen regionalen Botschafter des Netzwerkes Unternehmen integrieren Flüchtlinge in Deutschland ernannt wurde. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie von der Deutschen Industrie und Handelskammer (DIKH).

Job-Datings und Schulbesuche

In seiner Rolle als Regionalbotschafter des Netzwerkes besucht er viele Schulen oder auch so genannte Job-Datings, bei denen sich Firmen auf die Suche nach Azubis machen. „Diese mache ich dann darauf aufmerksam, dass sie auch ruhig jungen Leuten mit Migrationshintergrund eine Chance geben sollen. Denn wir sind langfristig auf zugewanderte Menschen und ihre Qualifikationen und Fähigkeiten angewiesen“, erläutert er.

Wie die DIHK auf ihrer Website informiert, hat sich die Zahl der Unternehmen, die ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen konnten, in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Mehr als 30 Prozent der Betriebe betrifft dies inzwischen. Die Hauptgründe sind, dass keine geeigneten Bewerber gefunden werden konnten, Azubis sich kurzfristig anders entscheiden und den Ausbildungsplatz doch nicht annehmen oder dass bei einigen Betrieben gar keine Bewerbungen eingegangen sind.

Wege finden sich immer

Zusätzlich informiert Lalla diese Firmen über sein Netzwerk und wie dieses ihnen zur Seite stehen könnte, wenn es zu Fragen oder Problemen mit den Azubis kommen sollte. „Es lassen sich dann immer Wege finden, oft müssen sie dann einfach nur aufgezeigt werden.“