Lostau/Hohenwarthe l „Schon meine Großeltern waren damals Mitglieder im Reit-und Fahrverein“, erzählt Anika Fehse. Dies sei bei dem traditionsreichen Lostauer Reitverein keine Seltenheit, weiß Fehse, die bereits seit zwölf Jahren den Vorsitz des Vereins innehat. „Bei einigen unserer Mitglieder waren die Großeltern Gründungsmitglieder des Vereins. Wir haben vor zwei Jahren unser 90-jähriges Bestehen gefeiert“, erinnert sich Fehse.

Jährliches Fahren beim Turnier

Die Feier zu dem Jubiläum sei auch ihr persönliches Highlight als Vorsitzende des Reitvereins gewesen – neben dem jährlich stattfindenden Turnier. Bei dem Turnier versucht der Verein, alljährlich seine berühmte Quadrille zu reiten oder zu fahren. Eine Quadrille ist eine Spezialform des Formationsreitens oder Fahrens, mit einer durch vier teilbaren Anzahl von Teilnehmern.

Die Teilnehmer Reiten oder Fahren dabei gleichzeitig bestimmte Formationen. Das Ganze passiert auswendig und so bedarf es natürlich auch einem gewissen Training. „Die Quadrille ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal unseres Vereins. Das gibt es hier im Umkreis so kein zweites Mal“, erzählt Anika Fehse.

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Verein stolz auf Tradition

Besonders stolz sei sie darauf, dass diese Tradition schon fast 100 Jahre alt ist und immer noch von dem Verein gepflegt wird, erzählt Fehse. „Wir haben sogar schon einmal alle Generationen in der Quadrille reiten lassen. Also die Kinder, Eltern und Großeltern“, sagt Anika Fehse.

Diese besonderen Formationen kommen bei dem Publikum so gut an, dass sie bereits von anderen Veranstaltungen angefragt wurden. Auftritte an anderen Orten kämen allerdings bisher nicht in Frage, da der Transport zu kompliziert sei. Also müssen Interessierte weiterhin das Turnier vom Lostauer Verein besuchen, um die Quadrille live zu erleben.

Nachwuchsmangel

Doch auch der Reitverein leide an mangelndem Nachwuchs und so wurde aus der gerittenen Quadrille eine gefahrene. „Wenn wir die Quadrille mit Kutschen fahren, dann können mehr Mitglieder teilnehmen. Dadurch, dass einige Teilnehmer nun älter geworden sind, haben wir weniger reitende Mitglieder im Verein.

Meist habe die Quadrille zwölf Gespanne, doch wenn jemand aus dem Verein ausfällt, sei schnell ein Ersatz dabei. „Mitglieder aus anderen Vereinen nehmen auch immer sehr gerne an unserer Quadrille teil“, sagt Anika Fehse.

Reiten als Ausgleich

Das freut die Vereinsvorsitzende ganz besonders, denn ihre Mitgliedschaft im Verein ist mehr, als nur eine Familien-tradition. Sie ist leidenschaftliche Reiterin und nutzt die Zeit mit den Pferden der Familie als Ausgleich zum stressigen Alltag.

Familie Fehse besitzt insgesamt zehn Pferde, die sie in ihren Stallungen untergebracht hat. Dies seien außerdem besondere Pferde, erzählt Fehse. Denn: Die Familie züchtet seit mehreren Jahrzehnten das Sächsisch-Thüringisches Schwere Warmblut.

Gendatenbank fördert Zucht

Eine Pferderasse, die in der Vergangenheit bereits vom Aussterben bedroht war. Deshalb werde die Zucht dieser Pferde über eine Gendatenbank gefördert, berichtet Anika Fehse über die außergewöhnliche Pferderasse in ihrem Stall.

Wie die Familie zu diesen seltenen Pferden kam, weiß Anika Fehse noch allzu gut:„Wir hatten schon immer schwarze Pferde und nach der Wende haben wir geeignete Fahrpferde gesucht. Das Sächsisch-Thüringischen Schwere Warmblut ist meist schwarz oder dunkelbraun und so stießen wir auf diese Rasse – die sehr viele gute Eigenschaften hat.“ Die Familie habe dann damals ein Fohlen aus der Nachbarschaft und später einen Hengst gekauft und so habe sich die Zucht langsam entwickelt, erinnert sich Fehse an die Anfänge.

Entspanntes Freizeitreiten

Die Gespanne, die die Familie bei den aktuellen Turnieren fährt, seien auch alle aus eigenem Nachwuchs. Die Rasse sei bestens für die Kutsche und zum entspannten Freizeitreiten geeignet, erzählt Fehse. „Das sind einfach sehr ausgeglichene Pferde. Sehr ruhig und entspannt, in jeder Situation“, sagt Anika Fehse und blickt dabei stolz in die Stallungen.