Rosian l Im Frühjahr 1989 sollte in der kleinen Dorfkirche von Rosian eine Goldene Hochzeit gefeiert werden. „Wie das in kleinen Orten so ist, hatten die Leute sich gesagt, wir helfen uns selbst, die Kirche ist ja nicht mehr so ganz schick, streichen wir mal die Wände.“ Mit dieser kleinen Geschichte umriss am Sonnabend der Loburger Pfarrer Georg Struz den Beginn eines umfassenden Sanierungsgeschehens, welches bis heute nicht ganz abgeschlossen ist.

Weil so viel Kreidefarbe an den Wänden des Altarraumes war, wollten damals die ehrenamtlichen Maler die dicke Schicht abwaschen. „Und auf einmal wurden die fleißigen Rosianer angeschaut von Gestalten, die unter der Farbschicht zu finden waren“, so Georg Struz weiter. Es waren die in roten Linien gefassten Antlitze von Aposteln. Daraufhin wurden Fachleute hinzugezogen. Die bestätigten die Besonderheit des Fundes.

Bildprogramm des Altars wiederholt sich an Wa

Die Wandmalerei stammt etwa aus dem Jahr 1520. „Bei den Malereien wurde das Bilderprogramm des Altars wiederholt“, führt Struz aus. Es stelle sich die Frage, ob der Altar für die Kirche angefertigt wurde, oder der Altar aus einer anderen Kirche – die sich der Reformation angeschlossen hatte – nach Rosian gebracht worden sei. Dies sei heute kaum zu beantworten, so Pfarrer Struz. „Wahrscheinlich war der Altar vor der Wandmalerei da.“

Bilder

Den Malereien bescheinigen Experten große künstlerische Qualität. „Auf keinen Fall war das ein lokaler Künstler, sondern jemand, der sein Handwerk verstand. Es gibt Verbindungen zum Magdeburger Dom. Vielleicht wurde ein Künstler, der auch am Magdeburger Dom gearbeitet hatte, nach Rosian geschickt“, nennt Struz die Vermutung von Experten.

Große künstlerische Qualität

Die Kirche zu Rosian besaß über Jahrhunderte eine hervorgehobene Bedeutung. Bischof Konrad II von Magdeburg hatte 1274 verfügt, dass dem Domstift vermehrt Einnahmen zukommen müssen. In der Aufzählung der dem Kapitel gehörenden Pfarreien und Propsteien wird auch Rosian (Resegane) erwähnt.

Sowohl der Flügelaltar als auch die Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert sind von einer großen künstlerischen Qualität, die in der Region kaum noch zu finden ist.

Drei Apostel deutlich erkennbar

Gezeigt werden jeweils die Apostel, die gut an ihren Attributen erkennbar sind. Petrus mit Schlüssel, Paulus mit Schwert oder Andreas mit dem Kreuz zum Beispiel.

Bei der feierlichen Vorstellung am Sonnabend gab das Restauratoren-Ehepaar Petra und Udo Drott Einblicke in ihre Arbeit. Mit Skalpell waren mühsam alle Schichten abgekratzt worden, um die Rötelzeichnungen freizulegen. Behutsam wurden verloren gegangene Linien ergänzt, um dem Betrachter einen Eindruck der damaligen Zeichnungen zu vermitteln. Original und die neuen Ergänzungen unterscheiden sich in der Helligkeit des Rottones.

Malereien aus den Jahren 1660 und 1670

„Heute sieht man hier eine Neuschöpfung. Verschiedene alte Gestaltungen sind sichtbar gemacht worden. Was man heute sieht, war früher nie zugleich sichtbar“, sagt Udo Drott zu den versammelten Rosianern in den Sitzbänken.

Einerseits seien die Apostel in der späten Gotik gemalt worden. „Ein ziemlich guter Maler hat in den Kirchenputz die Figuren eingeritzt und mit roter Farbe nachgestaltet.“ Hinzu kommen graue Quadermalereien an den Bögen. Hier lässt eine weitgehend erkennbare Jahreszahl darauf schließen, dass die Malereien zwischen 1660 und 1670 erfolgten.

Kanzel soll 2021 restauriert werden

Einen Rückblick auf die seit Jahren andauernde Sanierungstätigkeit in Rosian gab Geoerg Struz: „Seit 20 Jahren sind wir dabei, diese Kirche zu sanieren und restaurieren. Der Flügelaltar, saniert im Jahr 1999 von Anna Maria Meußling, war der Auftakt. 2006 wurde der Kirchturm instand gesetzt. Die Balken vom Fachwerk waren so morsch, dass man Angst haben musste, dass der Turm einstürzen könnte“, berichtet Pfarrer Struz.

Im Jahr 2010 erfolgte die Dachstuhlsanierung und Neueindeckung des Chores sowie die Erneuerung des Außenputzes dieses Bereiches, 2013 geschah selbiges im Hauptschiff. Im Jahr 2016 wurden wegen der entdeckten Malereien die Wände im Ostchor untersucht. Im Frühjahr 2021 soll die Kanzel aus dem Jahr 1587 restauriert werden.

Kanzel soll 2021 auch restauriert werden

Begeistert zeigte sich am Sonnabend Superintendentin Ute Mertens angesichts der Aposteldarstellungen im Chorraum: „Ich freue mich immer, wenn solche Arbeiten fertiggestellt werden. Ohne die Menschen, die daran glauben, wäre so etwas nicht möglich. Die Aposteldarstellungen erzählen Geschichten, die Apostel predigen mit.“

Für den musikalischen Rahmen sorgten die Loburger Kantorin Thekla Schönfeld (Orgel) und Clemens Hoffmann (Saxophon). Nach gut anderthalb Stunden im kleinen Gotteshaus gab es für die gut 40 erschienenen Rosianer noch die Gelegenheit, sich die Malereien genauer anzusehen und vor der Kirche bei einem Getränk über die Restaurierung zu sprechen.

Die Restaurierung war mit Geldern des evangelischen Kirchenkreises Elbe-Fläming, der evangelischen Kirche Mitteldeutschland sowie Leader- und ELER-Fördergeldern der Europäischen Union realisiert worden. Bauherr ist die evangelische Kirchengemeinde Rosian im Kirchspiel Loburg-Leitzkau.