Burg l „Frau Wendefeuer, du kommst auch wirklich wieder?“ – das wollten die Hortkinder als allererstes wissen, als Liane Wendefeuer ihren Urlaub angekündigt hatte. „Als ich dann wieder da war und mit dem Auto vor dem Haus parken wollte, kamen sie alle angerannt. Dabei war ich nur zwei Wochen weg“, erzählt die Hortleiterin sichtlich bewegt.

Herzliche Stimmung

Es ist die herzliche stimmung, die den Kinderhort der Rolandmühle zu einem ganz besonderen Ort macht, findet Liane Wendefeuer – für ganz besondere Kinder. Der Hort betreut die Schülerinnen und Schüler der Förderschulen für lernbehinderte und für geistig behinderte Kinder in Burg. In manchen Fällen kommen sie auch aus anderen Orten , denn der Kinderhort sei in dieser Form in Sachsen-Anhalt einzigartig, so Wendefeuer. „Wir haben das Programm im Hort so konzipiert, dass die Kinder entscheiden können, was sie machen wollen.“

Jeden Tag gibt es zwei Angebote für die Kleinen. „Dann können sie entscheiden, wozu sie lieber Lust haben“, erklärt Juliane Kern. Von Tanz über Fußball bis zu Entspannungsübungen ist hier alles dabei, was den Kleinen Spaß macht. Denn jeden Montag ist Kinderrunde, dann planen die Kinder zusammen mit den Erzieherinnen das Wochenprogramm. „Die Kinder sollen sich hier frei entfalten können“, betont Juliane Kern. „Für mich ist das Individuelle ausschlaggebend. Hier ist jeder Tag auf seine ganz eigene Art besonders.“

Empathie und Rücksicht

Seit Juni 2018 betreut sie doe Kinder im Hort der Rolandmühle, in den Ferien schon ab 8 Uhr, zu regulären Schulzeiten ab 13 Uhr. Fester Bestandteil des Alltags im Hort ist auch das gemeinsame Essen. „Damit vermitteln wir den Kindern feste Struktur und trainieren auch ihr Sozialverhalten“, erklärt Liane Wendefeuer. Sie ist seit 2015 Leiterin in der Einrichtung. „Zu sehen, wie die Kinder sich hier positiv entwickeln, gibt mir richtig viel Kraft“, betont Wendefeuer. Auch das mache ihre Arbeit in den hellen Räumlichkeiten im Soziokulturellen Zentrum so einzigartig.

Dort spielen seit zehn Jahren die Kinder, mal mehr, mal weniger wild –wer sich gegenseitig anrempelt, muss sich entschuldigen. Rücksichtsvolles und empathisches Verhalten sind beides große Bausteine des Konzeptes der Einrichtung. Diese ist am 1. November 2008 auf Initiative der Eltern von Kindern mit geistiger und emotionaler Beeinträchtigung gestartet worden. „Damals war dieser Hort der einzige seiner Art“, erinnert sich Liande Wendefeuer. Und trotz inklusiven und integrativen Ansätzen in anderen Horten im Jerichower Land, ist er bis dato der einzige, der explizit auf Förderkinder ausgerichtet ist.

Bedarf ist da

Der Bedarf ist nach wie vor da, wenn nicht größer. Die derzeit 17 Kinder lasten den Hort voll aus. Dafür ist die Atmosphäre umso familiärer, weiß Liande Wendefeuer. „Teamfähigkeit ist hier das A und O, wir unterstützen uns gegenseitig. Jeder muss sich wohlfühlen.“ Egal ob Kinder oder Erzieherin.