Schartau l Ein Stimmzettel weniger wird am Sonntag den Wahlberechtigten in Schartau überreicht. In der Elbgemeinde kann über die Kandidaten für das Europaparlament, den Kreistag und den Stadtrat abgestimmt werden, nicht aber über den Ortschaftsrat. Ein Novum innerhalb der Stadt Burg.

Nachdem nur Wolfgang Seidel und Stefanie Lentge ihre Kandidatur angemeldet hatten, war die gesetzlich vorgeschriebene Mindestzahl von fünf Bewerbern nicht erreicht. Daraufhin beschloss der Stadtwahlausschuss, die Ortschaftsratswahl abzusetzen und die Einwohner noch einmal an die Wahlurnen zu rufen – und zwar am Sonntag, 20. Oktober. „Wir haben diesen Schritt mit der Kommunalaufsicht abgestimmt und hoffen, dass sich bis dahin ausreichend Bewerber finden“, sagt Stadtwahlleiter Bernhard Ruth.

Jüngere sollen übernehmen

Mit nur zwei Bewerbern für den Ortsrat bildet Schartau in der Tat eine Ausnahme. Selbst Amtsinhaber Hans-Horst Borg (CDU) und sein Stellvertreter Marcus Teschner wollten nicht noch einmal ihren Hut in den Ring werfen. „Nach jahrzehntelanger ehrenamtlicher Tätigkeit ist es auch an der Zeit, dass neue und möglicherweise jüngere Gesichter das Ruder übernehmen“, begründet Borg. Für Teschner lebe Demokratie vom Wechsel. „Da sollte es normal sein, dass auch einmal andere Einwohner die Geschicke des Dorfes mitbestimmen und nicht immer die selben.“ Dennoch wollen beide im Ort engagiert bleiben und beispielsweise die Chronik weiter aufarbeiten. „Wir sind nicht aus der Welt. Und ich arbeite daran, den einen oder anderen für den Ortschaftsrat zu begeistern“, sagt Borg.

Das wünscht sich auch Alt-Bürgermeister Peter Köppe. „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich noch Bewerber finden“, sagt der Rentner zur Volksstimme. „Unser Dorf hat sich doch gut entwickelt.“

Mangelnder Zusammenhalt

Allerdings knirscht es auch im Schartauer Gebälk. Nur mit Mühe und vielen Gesprächen konnte in den vergangenen Monaten ein Auseinanderdriften der Feuerwehr verhindert werden. Jüngere und ältere Mitglieder versprachen, mehr miteinander zu reden und Probleme frühzeitiger zu erkennen. Eine ältere Schartauerin sagte am Lesertelefon, dass der „menschliche Zusammenhalt“ auch zwischen den Vereinen zu wünschen übrig lasse „und vieles sehr persönlich genommen wird“.

Nach ersten Gesprächen ist Burgs Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) mittlerweile optimistisch, dass im Herbst ein neuer Ortsrat gewählt werden kann. „Probleme gibt es immer mal wieder. Das sollte aber kein Grund sein, die Selbstbestimmung aufzugeben. Ich helfe auch – wo ich kann.“ Schließlich pflege die Stadt mit allen Dörfern eine enge und kooperative Zusammenarbeit.

Wie vor fünf Jahren

Mit einer Nachwahl knüpft Schartau übrigens an die Zeit vor fünf Jahren an. Auch damals, im Herbst 2014, musste für die Gemeinde ein zusätzlicher Kommunalwahltermin anberaumt werden. Denn von den ohnehin nur fünf Bewerbern wurden lediglich vier in den Rat gewählt. Der fünfte Bewerber, ein Einzelkandidat, blieb vorerst draußen. Seine Stimmen reichten nicht für einen Sitz. Weil aber vier Ortsräte nicht genügen, wurde schließlich ein weiterer Urnengang festgesetzt.