Schienenersatzverkehr zwischen Biederitz und Magdeburg sorgt für Unmut

„Es fährt ein Zug nach nirgendwo“ heißt es in einem Schlager. Sogar über einen solchen Zug würden sich viele Pendler freuen, denn der Schienenersatzverkehr zwischen Biederitz und Magdeburg ist problematisch.

Von Nicole Grandt
Constance Wollenweber schaut irritriert auf den Fahrplan des Schienenersatzverkehrs. Wie andere Passagiere ist sie mit der Lösung der Bahn nicht zufrieden.
Constance Wollenweber schaut irritriert auf den Fahrplan des Schienenersatzverkehrs. Wie andere Passagiere ist sie mit der Lösung der Bahn nicht zufrieden. Foto: Nicole Grandt

Biederitz - „Wissen Sie, wo ich jetzt hin muss und welcher Bus der richtige ist, wenn ich nach Magdeburg will?“ Constance Wollenweber schaut fragend. Die junge Frau lebt und arbeitet in Magdeburg, ist aber regelmäßig zu Besuch bei ihren Eltern in Biederitz. „Wir haben heute zusammen Kaffee getrunken, das war schön. Aber der Weg nach Biederitz und zurück ist momentan alles andere als einfach.“

Der Zugverkehr zwischen Magdeburg und Biederitz ist momentan zum Erliegen gekommen. Grund dafür sind umfassende Sanierungsarbeiten an der Herrenkrugbrücke. Diese werden noch bis zum September andauern. Wer in dieser Zeit nach Magdeburg will oder muss, kann den Schienenersatzverkehr nutzen, den die Bahn eingerichtet hat. Wirklich zufrieden sind damit aber viele Passagiere nicht. „Ich finde die Fahrpläne unübersichtlich, und es ist hier in Biederitz auch nicht wirklich gut markiert, zu welcher Bushaltestelle man zu welchem Bus muss. In Magdeburg ist das am Hauptbahnhof noch relativ leicht, aber hier eher nicht. Wenn man sich hier nicht auskennt, ist man ziemlich verloren“, kritisiert Constance Wollenweber.

Volle Busse zu den Stoßzeiten

Dem stimmt Thomas Bergmann zu. Er pendelt täglich zwischen Biederitz und Magdeburg, da er in der Landeshauptstadt arbeitet. „Normalerweise klappt das mit dem Zug ja ziemlich gut, und ich nutze ihn auch gern. So spare ich mir auch die Parkplatzsuche und ich arbeite nicht weit vom Bahnhof in Magdeburg entfernt“, erklärt er. Seitdem der Schienenersatzverkehr eingesetzt wurde, ist er aber weniger zufrieden. „Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um zu verstehen, wie genau ich jetzt nach Magdeburg komme. Außerdem sind die Busse zu den Stoßzeiten sehr voll. Ich bin froh, dass ich heute früher Feierabend machen konnte, denn morgens und am frühen Abend wird es wirklich sehr eng. Ich habe da auch ein ungutes Gefühl im Magen, mit so vielen Menschen in einem Bus zu sein, die Corona-Pandemie ist schließlich noch nicht vorbei.“

Nicht zufriedenstellend für Berufspendler

So sieht es auch Kerstin Schulze, die sich per E-Mail an die Volksstimme wandte. „Zu den Berufszeiten ist es mit dem Einsatz von einem Bus für die Anzahl der Passagiere aus einem kompletten Zug viel zu wenig. Der Bus ist überfüllt, und nicht alle Leute kommen mit. Zu Corona-Zeiten, wo überall Abstand gehalten werden soll, ist das unmöglich. Auch der Zubringerbus nach Biederitz wird von der Bahn nicht abgewartet, und man sieht nur noch die Rücklichter.  Für Berufspendler eine unzufriedenstellende Situation, die ja noch bis Ende September anhalten soll“, ärgert sie sich.

Deutsche Bahn AG setzt mehr Busse ein

Wie schätzt die Bahn die Situation ein? Ist man sich dort der Problematik bewusst? „Wir haben auf die Kapazitätsprobleme reagiert, die Busanzahl für die Leistungen im Berufsverkehr vergangenen Donnerstag angepasst und insgesamt acht Verbindungen zwischen Magdeburg und Biederitz mit einem zweiten Bus ergänzt“, erklärt Jörg Bönisch, Pressesprecher für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen der Deutschen Bahn AG. „Es werden Busse eingesetzt, die im Normalfall mindestens 50 Personen befördern können. Aufgrund der Pandemie haben wir mit maximal 30 Personen pro Bus geplant. Wir haben als Grundlage für die Bemessung der Buskapazitäten die aktuellen Besetzungszahlen der Züge zu Grunde gelegt. Jedoch war vorab nicht absehbar, welche Reiseverbindungen wie stark genutzt werden. Neben den Expressbussen Burg–Magdeburg und dem Pendel Magdeburg–Biederitz gibt es darüber hinaus auch die Möglichkeit, einen eingerichteten Umleiterverkehr zwischen Berlin und Magdeburg über Stendal zu nutzen.“

Sind die Passagiere mit diesen Maßnahmen zufrieden? „Wenn das bis September so weiter geht, fahre ich dann doch lieber wieder mit dem Auto zur Arbeit“, sagt Thomas Bergmann.

Ein Bus fährt vor, der die Passagiere nach Magdeburg bringt.
Ein Bus fährt vor, der die Passagiere nach Magdeburg bringt.
Foto: Nicole Grandt