Möckern l Hubert Porske bestätigte, dass bereits seit Anfang 2018 keine Minks (so nennt man die amerikanischen Farm-Nerze) mehr auf dem Gelände gezüchtet und zur Pelzverarbeitung vorbereitet würden. Man wolle das Betriebsgelände aber nicht aufgeben, sondern in Schuss halten und weiterhin behalten. Wie eine wirtschaftliche Nachnutzung aussehen könnte, könne er nicht sagen, so Porske.

Schon jetzt aber würden die Dächer der bisherigen Käfiganlagen für Photovoltaikanlagen genutzt, bestätigt der Geschäftsführer der „Bärwinkel“ GmbH & Co. KG. Auch eine andere, bei Osnabrück gelegene Farm hatte Hubert Porske bereits geschlossen. Schon im Juli 2016 hatte die Volksstimme über das für 2017/2018 angekündigte Aus für die Nerzfarm im Wald bei Grünthal berichtet.

Pelztierzucht schon lange in der Kritik

Die Zucht von Pelztieren und die Bedingungen, unter denen die Tiere gezüchtet werden, stehen schon lange in der öffentlichen Kritik. Seit Jahren hatte sich etwa das „Deutsche Tierschutzbüro“ dafür eingesetzt, dass die Nerzfarm in Grabow als letzte in Sachsen-Anhalt geschlossen wird. Immer wieder habe man Bild an der Nerzfarm aufgenommen und den Betreiber wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz angezeigt, heißt es in einer jüngst veröffentlichten Presseerklärung: „Niemand soll diese Tierquälerei sehen, darum liegen Pelzfarmen und auch Mastanlagen meist weit außerhalb irgendwo hinter hohen Mauern und Bäumen“, wird darin Jan Peifer zitiert, der Vorstandsvorsitzen-de des Deutschen Tierschutzbüros. Auch habe man vor einigen Jahren Strafanzeige erstattet.

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„In engen Käfigen auf Gitterböden müssen die Wildtiere leben, zu fressen gibt es meist nur Fischabfälle, denn diese sind billig. Nach nur wenigen Monaten werden die jungen Tiere meist vergast, um sie zu töten und dann wird ihnen das Fell abgezogen“, so Peifer,

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Zuchtbetrieb weist Vorwurf der Tierquäle

Die gegen das Unternehmen erhobenen Vorwürfe weist Porske zurück: „Diese selbst ernannten Tierschützer haben ja gar keine andere Wahl, als Horrorgeschichten zu erzählen.“ Porske erklärte, sein Betrieb habe entsprechend den gesetzlichen Vorgaben gearbeitet. Die für seinen Betrieb zuständigen Veterinärbehörden hätten in den vergangenen Jahren „eine gute Arbeit“ gemacht. Der Landkreis Jerichower Land ist Genehmigungs- und Überwachungsbehörde der Nerzfarm „Bärwinkel“ und hat Aufgaben hinsichtlich Baurecht, Umweltrecht, Veterinärrecht und Gewerberecht wahrzunehmen. Das Veterinäramt ist in erster Linie für die Überwachung der Einhaltung des Tierschutzrechts zuständig. Darüber hinaus spielen auch tierseuchen- und futtermittelrechtliche Belange eine Rolle.

Hinsichtlich des Tierschutzes fanden laut Landkreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann jährlich unangekündigte Kontrollen statt. Eine Anfrage der Volksstimme aus dem Jahr 2016, welche Ergebnisse die Kontrollen denn ergeben hätten, beantwortete die Sprecherin damals jedoch nicht.

Pelztierfirmen boomen im Ausland

Zuletzt waren die gesetzlichen Bestimmungen zur Haltung von Zuchtnerzen verschärft worden. Die Änderung der Tierschutznutztierverordnung sah deutlich mehr Platz und Schwimmbecken für die Tiere vor. Auch dies habe dazu geführt, dass die „Bärwinkel-Farm“ bei Grünthal geschlossen worden sei, erklärt Porske. Jan Pfeifer vom „Deutschen Tierschutzbüro“ bestätigt: „Nach der Änderung der Tierschutznutztierverordnung vor einigen Jahren haben viele Pelzfarmen in Deutschland geschlossen.“

Seinen Vermutungen zufolge gibt es nur noch ein bis zwei Pelzfarmen in Deutschland. Vor wenigen Jahren habe man noch mehr als 30 Farmen in Deutschland gezählt. Doch das Schließen der Pelzfarmen in Deutschland hat nicht zur Folge, dass weniger Pelze im Land gekauft werden. „Die Nachfrage an Pelz ist sehr hoch, meist kommen die Felle aus China, Finnland und Polen, dort boomen die Pelzfarmen leider derzeit“, bedauert Tierschützer Jan Peifer.

Bedarf an Pelztieren ist da

Auch Pelztierzüchter Hubert Porske ist sicher, dass die Pelztierzucht weitergeht: „Der Bedarf an Pelztieren ist da und er wird auch weiterhin gedeckt. In anderen Ländern, in denen die Tierschutzgesetze nicht so streng sind, wird das Züchten weitergehen. Ob das im Sinne des Tierschutzes ist, bezweifele ich allerdings“, so Porske gegenüber der Volksstimme. Deutschland sei führend gewesen in der Haltung von Minks.

Ins Licht der Öffentlichkeit geraten war die Nerzfarm bei Grünthal zuletzt im Oktober 2007. Damals hatten Unbekannte in einer Nacht bis zu 15.000 Farm-Nerze frei gelassen. Die Polizei ging damals davon aus, dass die Zuchtnerze von „radikalen Tierschützern“ freigelassen wurden. Der Zaun, der die Farm mitten im Wald umgibt, war gewaltsam geöffnet worden, anschließend auch die in langen Reihen aufgestellten Käfige. 13.600 solcher Käfige befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf der Farm, etwa zwei Drittel davon hatten die Täter geöffnet.