Königsborn l Mitte Dezember des vergangenen Jahres hatte die Vorsitzende des Elternkuratoriums, Sabrina Staevi, eine Petition an Gemeindebürgermeister Kay Gericke (SPD) übergeben. Darin setzen sich Eltern und per Zeichnung auch die Kinder für ein neues Bad in ihrer Einrichtung ein. Die Sanitäranlagen im alten Trakt der Kindertagesstätte seien „nicht mehr hinnehmbar“, sagte Staevi damals.

Zwei Waschbecken sind dort nicht benutzbar, zwei Toiletten ebenfalls kaputt. Ein Abfluss ist zugemauert worden, weil der Gestank nicht zu ertrgen war. Die Geruchsverschlüsse der Waschbecken sind verkalkt und verkeimt. Ob die veralteten Rohre noch länger halten, dafür kann die zuständige Fachfirma ihre Hand nicht ins Feuer legen.

Petition als einzige Lösung

Kita-Leiterin Fanny Fröschki hatte die Petition unterstützt. „Wir wissen uns einfach nicht mehr anders zu helfen“, sagte Fröschki.

Der Einsatz für neue Sanitäranlagen ging so weit, dass jemand eine anonyme Anzeige beim Jugendamt des Landkreises wegen „Gefährdung des Kindeswohls“ einreichte.

Alter Trakt wird leer gezogen

Der Gemeindeverwaltung sind die schlechten Verhältnisse seit langem bekannt. Ortschaftsrat und Gemeinderat hatten sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit dem Thema befasst. Ein Antrag auf Förderung durch das Programm Stark III wurde vom Land abgelehnt. Für die Jahre 2019 und 2020 plante der Gemeinderat deshalb 650.000 Euro ein, die in zwei Jahresscheiben für die Sanierung der maroden Sanitäranlagen ausgegeben werden sollten. Doch die Kommunalaufsicht beim Landkreis strich den Posten aus dem Haushalt. Nach der anonymen Anzeige wegen Kindeswohlgefährdung drängt nun wiederum auch der Landkreis auf eine zügige Lösung.

Die Gemeinde stellte daraufhin vor wenigen Tagen dem Elternkuratorium und der stellvertretenden Leitung der Kindertagesstätte folgende Lösung vor: Die Kinder, die zur Zeit im nicht modernisierten Trakt der Kindertagesstätte in Königsborn untergebracht sind, werden künftig im Hort in Gerwisch betreut. Hier gebe es Kapazitäten und die Sanitäranlagen seien in Ordnung. Der alte Trakt der Kita wird leer gezogen.

Suche nach einem Kompromiss

Evelin Milling vom Elternkuratorium hatte schon Ende des Jahres angedeutet, dass es „die Eltern auf die Barrikaden treiben“ würde, wenn die Kinder in einer anderen Ortschaft untergebracht werden sollten. In der nicht öffentlichen Besprechung zwischen Elternkuratorium, Gemeinde und Kita-Leitung soll der Unmut gegen diese Lösung noch einmal deutlich geäußert worden sein. Gleichzeitig suchten die Beteiligten nach einem Kompromiss, der nach Angaben von Kay Gericke gemeinsam gefunden wurde.

Nunmehr soll der unsanierte Trakt der Kita zum 1. Februar dieses Jahres geschlossen werden. Für die dort betreuten Kinder sollen Betreuungsmöglichkeiten innerhalb der Kita Königsborn geschaffen werden. Dazu werden unter anderem ein Schlafraum und ein Speiseraum zu Gruppenräumen umfunktioniert. An den Sanitäranlagen sind kleinere Veränderungen notwendig, die die Gemeindeverwaltung vornehmen wird. Darüber hinaus muss die Betriebserlaubnis der Einrichtung geändert werden.

Ersatzneubau im Fokus

„Damit ist das Ende des alten Traktes besiegelt“, betonte Gericke nun. In diesen Teil der Kindertagesstätte Königsborn werde nicht mehr investiert. Priorität solle ein Ersatzneubau für die Kita „Storchennest“ in Biederitz haben. Für Kinder, die zusätzlich in die Kindertagesstätte Königsborn kommen sollen, werde künftig geschaut, wo es in anderen Ortschaften Kapazitäten gibt.

Auf Anregung von Gemeinderätin Karla Michalski (CDU) will die Gemeindeverwaltung ein Konzept zur Kinderbetreuung in der Gemeinde Biederitz erstellen. Hierin sollen die vorhandenen Kapazitäten betrachtet, Sanierungsbedarf festgestellt und der künftige Betreuungsbedarf anhand von Zuzugs- und Geburtenzahlen geschätzt werden. Der Konzeptentwurf soll in den Ausschüssen und im Gemeindrat beraten werden. Daraus soll sich dann der Handlungsbedarf der Gemeinde für die Betreuung von Kindern in Kindertagesstätten ableiten.

Die Geburtenzahlen in Biederitz haben sich in den vergangenen Jahren auf rund 80 pro Jahr eingependelt. In acht Kindertagesstätten werden zur Zeit rund 750 Kinder betreut.