Burg l Bis Anfang des Jahres 2018 haben sich die Gartenfreunde im Süden der Stadt wohl gefühlt. Nicht nur, weil der Name der Anlage schon den Sonnenschein versprach, sondern die Welt auch schlicht in Ordnung war. Jetzt aber gibt es nur Fragen und dunkle Wolken, die sich nicht verziehen wollen. Über Nacht wurde der Weg zur Anlage von der Zibbeklebener Straße aus gesperrt.

Betonplatten verhindern die Anfahrt am westlichen Rand der Schrebergärten. Das hat für die Pächter, darunter mehrere Rentner im betagten Alter, gravierende Folgen: Sie können nur zu Fuß oder allenfalls mit dem Fahrrad zu den Gärten gelangen, nicht aber mehr mit dem Auto, um beispielsweise Grünschnitt oder andere Gegenstände zu beladen. „Die Gründe für diese Aktion sind uns völlig unverständlich“, schüttelt Detlef Krüger wie die übrigen Gartenfreunde den Kopf. Auch er hat bislang in seiner rund 600 Quadratmeter großen Parzelle Erholung gefunden.

Bisher durch Pfosten getrennt

Der bisherige Weg grenzt an einer Grünfläche, die jetzt einem Burger Agrarunternehmen gehört. Bisher hatten die Kleingärtner den Weg, der auch in Burger Karten eingezeichnet ist, mit Pfosten ordentlich zum Feld abgetrennt. „Das war über Jahrzehnte so und auch zu tiefsten DDR-Zeiten“, sagt Krüger. Niemand hatte sich daran gestört. Für eine Fläche, die als Parkplatz am nördlichen Ende genutzt wurde, zahlten die Gärtner Pacht. Das Agarunternehmen kündigte diese Fläche und zahlte die Pacht zurück. „Und dann wurden Fakten geschaffen und der Weg dicht gemacht“, sagt ein Pächter. Gisela Stumbries, die mit ihrem Mann seit Jahrzehnten den Garten bewirtschaftet, ist entsetzt. „Warum hat der Betrieb nicht mit uns gesprochen?“

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Die Folgen dieser Aktion sind für die Gartenfreunde jetzt schon akut. „Eine Familie hatte Interesse, eine Fläche zu pachten. Als sie von der Situation erfuhren, haben sie abgelehnt. Das kann man niemandem verdenken“, sagt Krüger. Da sich unter den Mitgliedern der Sparte viele Ältere befinden, befürchtet auch der Kreisverband der Gartenfreunde Burg, dass in Zukunft viele „notgedrungen aufgeben müssen“, sagt Vorstandsmitglied und Fachberater Lutz Blankenburg. Für Präsidentin Jutta Sohl ist die Lage „nicht hinnehmbar. Das ist kein Umgang miteinander. Wir kämpfen für unsere Mitglieder. Die Anwälte sind dran.“

Keine Reaktion auf E-Mail

Auch die Stadtverwaltung beobachte die Situation, sagt Pressesprecher Bernhard Ruth auf Nachfrage. „Sollte sich die Sperrung so zugetragen haben, sehen wir das kritisch. Die Stadtverwaltung prüft die Handlung hinsichtlich des Einsatzes von Rettungsfahrzeugen“, so Ruth. Für die Gartenfreunde steht fest, dass weder ein Notarztwagen noch ein Feuerwehrfahrzeug den Weg über den Acker nehmen kann. Die Frage, weshalb der Weg gesperrt wurde, hat auch das Agrarunternehmen nicht beantwortet. Deren Geschäftsführer ließ eine Anfrage der Redaktion per E-Mail unbeantwortet.

Nach Recherchen der Volksstimme ist die Firma jetzt auch Eigentümer des Weges. Doch rechtfertigt diese Tatsache eine Sperrung dieser Zufahrt? In einem ähnlich gelagerten Fall hat das Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt im Jahr 2010 in einer Feststellungsklage geurteilt, dass ein Notwegerecht gewährleistet werden müsse und Sperrungen derartiger „alter Wege“ nicht zu Lasten der Nutzer vorgenommen werden dürften. Außerdem: Ob der Weg nun gewidmet wurde oder nicht, ist nicht entscheidend, da dies nicht ausdrücklich bekannt gemacht werden musste, sondern auch stillschweigend erfolgen konnte. Im Straßen- und Wegerecht sprechen Juristen von einer so genannten unvordenklichen Verjährung. Das geht aus dem Straßen- und Wegerecht (Straßengesetz Sachsen-Anhalt) hervor.

Mittlerweile macht die Sperrung auch auf der politischen Ebene die Runde. Einige Stadträte wollen dieses Problem auf die Tagesordnung bringen.