Schweinitz l Tatsächlich konnte die Schweinitzer Schützengilde bei ihrer jüngsten Jahreshauptversammlung 16 neue Mitglieder begrüßen. Das sei Rekord in der Geschichte des 1990 gegründeten Vereins, so Egbert Köhler bei der Sitzung am vergangenen Freitagabend. Damit steigt die Mitgliederzahl der Gilde auf 162 Männer und Frauen.

Jedoch kommt nur ein Bruchteil der Mitglieder aus dem namensgebenden Ort: „Sieben oder acht Schützen kommen aus Schweinitz selbst, die anderen leben verstreut in ganz Deutschland“, sagt Köhler und zählt auf: Rheinland, polnische Grenze, Thüringen, Niedersachsen. Sogar aus Österreich kommen Mitglieder. „Meistens sind das Leute aus der Gegend, die es beruflich woandershin verschlagen hat, aber oft mal nach Hause kommen“, so der Gildepräsident weiter.

Problematisch bei solch einer Vereinsstruktur: es gibt wenig typische Vereinsaktivitäten, man trifft sich zur Jahreshauptversammlung oder mal sonntags auf dem Schießplatz. „Wir leben aber damit und pflegen dafür eine gute Zusammenarbeit mit den Vereinen in Schweinitz“, sagt Köhler mit Blick auf das gemeinsame Dorf- und Schützenfest im Sommer oder die Teilnahme am Schweinitzer Weihnachtsmarkt. Der Gildechef regte an, dem Schützenfest mit neuen Ideen zusätzlichen „Pepp“ zu verleihen.

„Die großen Unfälle passieren mit nicht zugelassenen Waffen. Von privat geführten Waffen der Jäger und Sportschützen geht keine Gefahr aus.“

Egbert Köhler, Gildepräsident

Die hohe Mitgliederzahl erklärt Egbert Köhler mit dem umfangreichen Angebot an Schießdisziplinen auf dem zwischen Loburg und Schweinitz gelegenen Schießplatz.

Und noch eine Besonderheit ergibt sich laut Köhler aus der hohen Mitgliederzahl der Gilde: „Der Kreisschützenverband wird seine Satzung ändern müssen, wenn wir nicht mit ein paar Kandidaten zur Deligiertenversammlung des Kreisschützentages kommen. Denn 50 Prozent müssen dort anwesend sein, und 50 Prozent der Mitglieder stellt fast allein die Schweinitzer Gilde.“ Nach dem Wechsel ins Jerichower Land seien die Schützen im Landkreis noch nicht richtig zusammengewachsen, befand Köhler.

Als Gast hatte man sich für den Abend den Magdeburger Oberstaatsanwalt Dr. Horst W. Nopens eingeladen, der viel über das Waffenrecht, insbesondere die anstehenden Neuerungen bei Erwerb und Aufbewahrung von Schusswaffen berichten konnte.

Thematisiert wurde bei der Versammlung das Waffengesetz immer wieder. „Die Gesetze werden jährlich strenger und somit auch die Anforderung an den Waffenbesitz. Ob das nun an Amokläufen, anderen Vorfällen oder am aktuellen Asylverfahren liegt, weiß der Deibel“, umriss Egbert Köhler die aktuelle Diskussion um die Verschärfung des Waffenrechtes: „Die großen Unfälle passieren mit nicht zugelassenen Waffen. Von privatgeführten Waffen der Jäger und Sportschützen geht keine Gefahr aus“, ist sich der Gildepräsident sicher. Mit Blick auf die Landtagswahl im März sagte er: „Schaut euch die Ziele der Parteien an. Wer private Waffen verbieten will, hat keine Ahnung, was für Auflagen wir jetzt schon haben.“

Nach Angaben des Landesschützenverbandes (LSV) Sachsen-Anhalt gibt es derzeit 18 012 Mitglieder im Bundesland. Gegenüber dem Jahr 2015 seien das sieben Mitglieder mehr, sagt LSV-Geschäftsführer Heiko Weidner.

Eine deutliche Steigerung der Mitgliederzahlen in den Schützenvereinen in jüngerer Zeit könne er nicht bestätigen, aktuelle Zahlen zu Neueintritten lagen ihm gestern nicht vor. „Man kann von jährlich etwa 1000 Austritten und ebenso vielen Neueintritten sprechen“, so Weidner.

Er kenne die Diskussionen, etwa in Sachsen, in denen überlegt werde, ob die derzeitige innenpolitische Situation, die Flüchtlingskrise und die Unzufriedenheit im Land mit einer steigenden Mitgliederschaft in Schützenvereinen einhergehen könnten.

Feststellbar sei ein Mitgliederzuwachs in den Ballungszentren. Auch Weidner erinnert an den langen Weg zur eigenen Waffe.

Voraussetzung für den Besitz einer Waffe sind unter anderem die Mitgliedschaft in einem vom Verband anerkannten schießsportlichen Verein und der Nachweis, dass dem Schießsport mindestens ein Jahr regelmäßig nachgegangen wurde. Auch die Zuverlässigkeit muss gegeben sein. Wie genau man es hiermit bei der Schützengilde „St. Hubertus“ in Schweinitz nimmt, bewies Schatzmeister Dr. Gunnar Brehme in seinen Ausführungen: Man wolle zuverlässige Schützen und diese Zuverlässigkeit müsse sich auch bei der Beitragszahlung zeigen. Kommt es hier zu Unverlässigkeiten, droht der Ausschluss aus dem Verein.