Burg l Das Mikro blinkt rot auf. Ab jetzt zählt jedes Wort, jedes Geräusch, jeder Versprecher. Am Ende wird alles auf der Aufnahme zu hören sein. Die Burger Rolandschüler haben für einen Tag das Schülerdasein an den Nagel gehängt und sind unter die Sprecher gegangen. Das Projekt „Hörspiel in der Schule“ des Norddeutschen Rundfunks (NDR) war in der Schule zu Gast.

Entstanden ist am Ende des Tages eine vierminütiger Auszug aus dem Hörspiel „Watchdog“ von Sabine Stein, in dem es um Mobbing in der Schule geht. Ob strenger Lehrer oder motziger Schüler – die Neuntklässler mussten in verschiedene Rollen schlüpfen. „Das Mikrofon nimmt jede Gefühlsregung mit auf. Es kommt auch auf schauspielerische Leistungen an“, erklärt Alexander Gerhard, Produzent des Hörspiels.

Kein alltägliches Plaudern

Dabei unterscheidet sich das Sprechen für eine solche Produktion vom alltäglichen Plaudern. Mit dem Mikrofon vorm Gesicht spricht eine Schülerin ihren Text. Im Anschluss atmet sie erleichtert auf – keine Versprecher. Produzent Alexander Gerhard schmunzelt und sagt: „Das war schon gut, du musst aber deutlich langsamer sprechen.“ Das Sprechen müsse sich immer ein wenig zu langsam anfühlen, dann sei es perfekt für die Aufnahme.

Seit vier Jahren reist das Produktionsteam durch Schulen und bringt den Jugendlichen die Faszination Hörspiel nahe. Doch wie kommt der NDR nach Sachsen-Anhalt? Das hat Lehrerin Carolin Koch in die Wege geleitet. „Ich habe morgens Radio gehört und von dieser Aktion erfahren. Ich fand die Idee toll und wir haben uns beworben“, sagt sie.

Insgesamt 500 Schulen bewarben sich für das Hörspielprojekt. Der Zuschlag ging per Los nach Burg – erst dann fiel den Machern auf, dass die Burger Schule nicht wirklich im Verbreitungsgebiet des NDR liegt. Trotzdem ist das Team angereist – gewonnen ist eben gewonnen.

Anspruchsvolles Genre

Was verbinden die Schüler mit Hörspielen? Fast jeder der Jugendlichen hat eine Verbindung – und sei es die Kassette „Die drei ???“ aus Kindertagen. Ziel des Projektes ist es, Jugendliche für das traditionsreiche und oft anspruchsvolle Radiogenre interessieren. Außerdem möchte das Team den Schülern vermitteln, dass man für ein Hörspiel nicht Unmengen an Technik oder Ausstattung braucht.

Nach den Aufnahmen mit den Schülern zog sich Produzent Alexander Gerhard für zwei Stunden zurück, um aus den einzelnen Aufnahmen ein komplettes Hörspiel zu schneiden. Mittags konnten die Schüler dann das Ergebnis hören – ihr erstes, eigenes Hörspiel.

„Es ist mal ein ganz anderer Schultag“, sagt Marie-Sophie Jeschke, die im Hörspiel die Rolle einer motzenden Schülerin übernimmt. „Man muss sich erst einmal in die Person hineinversetzen, die man spricht“, sagt sie. Am Anfang sei sie angespannt gewesen, doch das hätte sich gelegt.

Lob für Kreativität

Lehrerin Carolin Koch ist begeistert von ihren Schülern: „Ich denke, sie haben sich sehr gut geschlagen.“ Auch das NDR-Produktionsteam lobte die Kreativität der Burger Schüler und die schnelle Umsetzung der Tipps. Doch die Schüler können nicht nur stolz auf das entstanden Stück sein, sondern auch dafür, dass sie die erste Schule sind, die die NDR-Karte gen Süden erweitert hat.

Das Hörspiel der Burger Schüler ist demnächst hier im Internet verfügbar.