Schweinitz l Drei Sauen streifen zwischen den Bäumen auf dem gut fünf Hektar großen Areal umher. Dass da auf einmal eine Horde Jäger mit aufgeregten Jagdhunden erscheint, lässt die großen Wildschweine völlig kalt. Die Tiere kennen das eigentlich gar nicht anders. Auch als ein „Deutsch Kurzhaar“ im Gatter von der Leine gelassen wird und die nach Futter stöbernden Sauen umkreist, lassen sich die Schwarzkittel gar nicht stören.“

Sauen verfolgen Hund

Erst als kurz darauf ein „Kleiner Münsterländer“ ins Gatter gelassen wird, wird es den Wildschweinen kurzzeitig zu bunt. Zu dritt preschen die Sauen auf den braun-weißen Jagdhund zu, brechen die Verfolgung aber schnell wieder ab. „Die unerschrockene Sau ist die Zukunft“, formuliert es Klaus Kempka, der das Treiben im Gatter beobachtet. Kempka ist Mitglied im Arbeitskreis Schwarzwildgatter.

„Aufgeregt sind nicht die Sauen, sondern die Hunde und ihre Hundeführer“, sagt Gattermeister Wilhelm Tappert. Denn während die drei kastrierten Keiler wissen, dass von den Hunden und deren menschlichen Begleitern keine Gefahr ausgeht, sehen manche der Jagdhunde zum ersten Mal ein Wildschwein. Und die Herrchen und Frauchen bangen, ob der Hund die hier abzulegende Stöberprüfung besteht und mit heilem Fell das Wildschweingatter auch wieder verlässt.

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Hunde an Wild heranführen

„Unsere Aufgabe ist es, Jagdhunde an Schwarzwild heranzuführen. Die Hunde sollen erkennen, dass die Wildschweine den Hunden gegenüber ein überlegener Gegner sind“, erklärt Wilhelm Tappert. Die Jagdhunde sollen das Wild stellen, verbellen und in Bewegung bringen. „Fassen wollen wir nicht“, fügt Tappert hinzu.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss mit den Hunden geübt werden. Am lebenden Objekt sozusagen.

Tappert versichert, dass solche Wildschweingatter strengen Leitlinien unterliegen. Sie wurden in Abstimmung mit Tierschutzverbänden und Tiermedizinern erarbeitet. Bei der „Kompetenzgruppe Schwarzwildgatter“, die für alle 18 Gatter in ganz Deutschland Leitlinien als Arbeitsgrundlage erstellt hat, wirkte die Schweinitzer Arbeitsgruppe mit.

Zehn Jahre Wildschweingatter

Nachdem das Schweinitzer Wildschweingatter im Winter 2008 eingerichtet und mit den ersten Sauen bestückt worden war, konnte im Mai 2009 die erste Brauchbarkeitsprüfung durchgeführt werden. Der Betrieb der Einrichtung verlief dann eher unbemerkt von der Öffentlichkeit. Das änderte sich in der Nacht zum 5. November 2013. Unbekannte stiegen in das Gatter und töteten die vier Sauen. „Zwei wurden im Gatter belassen, zwei wurden gewildert. Ein schwarzer Tag für unser Gatter“, sagt Wilhelm Tappert. Es wurden drei neue Wildschweine im Gatter eingestellt, mit denen bis heute gearbeitet wird.

Erfolgreiches Jahr

„Auch das Jahr 2018 war wieder erfolgreich für uns“, fasst Tappert zusammen: 320 Hunde haben im Gatter gearbeitet. Damit haben in den zehn Jahren des Bestehens insgesamt 2723 Hunde gearbeitet. In den zehn Jahren wurden 73 Brauchbarkeitsprüfungen mit 355 Jagdhunden durchgeführt. „Das Ergebnis konnte nur durch die aktive Unterstützung und Mitarbeit vieler guter Freunde und Helfer erreicht werden“, sagt der Gattermeister beim kleinen Neujahrsempfang am vergangenen Sonntag. Viele der Freunde und Helfer sind an diesem Vormittag nach Schweinitz gekommen.