Biederitz l Es sei heutzutage gewöhnlich so, „dass sich Einrichtungen für pflegebedürftige Senioren in die Wohngemeinschaft von Ortschaften eingliedern“, schreibt Marc Kollmeier, Geschäftsführer des Seniorendomizils im Vechelder Weg, am 20. Juni in einem Post auf Facebook. Das gemeinsame Leben verschiedener Generationen sei in Anbetracht des demografischen Wandels in der Bundesrepublik Deutschland eine wichtige Voraussetzung für das Gefühl der Sicherheit im Alter, schreibt Kollmeier. Und bedauert, dass das „im beschaulichen Ort Biederitz“ anders sei. Aktuell erscheine es, dass wenn die Anwohner „nur einen Bewohner, einen Lieferanten oder einen Mitarbeiter des Hauses sehen, sie sich massiv in ihrer Wohnumgebung gestört fühlen“, so Kollmeier auf Facebook. Die massiven Behauptungen sollen in ihrer Wirkung aus seiner Sicht nur eines erzielen: „keine Senioren mehr in deren Wohnumfeld“.

Der Geschäftsführer des Seniorendomizils schreibt diese Zeilen drei Tage nach der Sitzung des Ortschaftsrates in Biederitz, bei dem Anwohner des Vechelders Weges Vorwürfe und Fragen zur Situation vor Ort vorgetragen hatten. So seien sie in Sorge und ihre Kinder würden sich ängstigen, weil Senioren aus dem Heim teilweise orientierungslos umherirren, sich auf ihre Terrassen setzten.

Anwohner hätten nichts gegen das Heim

Über die Nachbarschaft des Seniorendomzils hätten sie sich gefreut, schreiben rund 21 Anwohner in einem Brief an Gemeindebürgermeister Kay Gericke. Sie seien auch „nicht gegen das Heim“, wie sie beim Ortschaftsrat mehrfach betonen. Die Inbetriebnahme des Heimes im August 2019 habe aber zu „unerwarteten und unvorhersehbaren Veränderungen“ geführt. So habe sich die Verkehrssituation erheblich verändert. Unter anderem im Schichtrhytmus wechselndes Personal, Lieferfirmen, Handwerker, Rettungsdienste, Tagespflege, Besucher und Therapeuten würden das Verkehrsaufkommen deutlich erhöhen. Große Lieferfahrzeuge müssten aufgrund der baulichen Situation im Vechelder Weg über die Bürgersteige fahren. Dabei seien bereits Grundstücksbegrenzungen beschädigt worden. Die Fahrzeuge würden zum Teil deutlich zu schnell fahren und schon frühmorgens und in der Mittagszeit laute Musik in ihren Autos hören. 21 Kinder im Kindergarten und Grundschulalter lebten im Wohngebiet und würden auch zwischen den Grundstück hin- und herwechseln, so die Anwohner. Eine deutlicher Hinweis auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung sowie die Kennzeichnung als Sackgasse seien notwendig. Die Einrichtung einer Spielstraße sei von der Verwaltung abgelehnt worden. Die Parkplatzsituation sei unzureichend, die Parkplätze am Seniorendomizil seien längst von Mitarbeitern und Dienstleistern belegt. Die Anwohner haben zudem Sorge, dass sich die Situation mit dem geplanten Erweiterungsbau eines betreuten Wohnens in diesem Bereich noch weiter verschlechtert.

Als Sprecher der Anwohner wollte André Nollmann von den Biederitzer Ortschaftsräten auf deren Sitzung wissen, wie sie zu den ungeklärten Fragen Stellung nehmen. Außerdem, wann die geplante Verkehrslenkung über die Lostauer Straße realisiert werde, damit Personal und Lieferanten des Seniorendomizils nicht mehr durch das Wohngebiet fahren. Aus Sicht der Anwohner sollte dies auch eine Adressänderung für das Seniorendomizil nach sich ziehen. Das sollte dann postalisch zur Lostauer Straße gehören. Dort sollten die Gehwege ertüchtigt werden, damit Heimbewohner mit eingeschränkter Mobilität dort spazieren gehen können. „Wir wollen die Lebensqualität hier erhalten“, sagte Nollmann den Ortschaftsräten zu den Kritikpunkten der Anwohner.

Senioren und junge Familien zusammebringen

Ortsbürgermeister Carsten Schneider (Aktiv für Bürger) ging zurück zu den Planungen für ein Seniorendomizil und das Wohngebiet im Vechelder Weg. Die Idee sei gewesen, Senioren und junge Familien zusammen zu bringen. Schneider betonte, dass es ohne den Geldgeber, der hier in ein Seniorenheim investierte, das gesamte Wohngebiet nicht geben würde. Den Anwohnern schrieb der Ortsbürgermeister ins Stammbuch: „Jeder, der hier gebaut hat, wusste, wo er baut.“

Ihm sei bewusst, dass viele Anwohner hinter vorgehaltener Hand gehofft hätten, dass es mit dem Seniorendomizil nichts würde, so Schneider. Der Bebauungsplan sei aber eindeutig gewesen.

25 Wohnungen sind geplant

Zu den weiteren Planungen für ein betreutes Wohnen in diesem Gebiet sagte Kerstin Mecke vom Bauamt der Gemeinde Biederitz, sei die Einrichtung von zwei kleinen Baufeldern für insgesamt 25 Wohnungen geplant. Dabei würden auch weitere Parkplätze entstehen, was die Situation entspannen könnte.

Das Ordnungsamt sei den Hinweisen der Anwohner auf Parkverstöße nachgegangen, betonte Mecke, habe aber keine feststellen können. Zur verkehrlichen Erschließung des Wohngebietes in Richtung der Lostauer Straße sagte Mecke, die Verwaltung sei dazu in Gesprächen mit dem Eigentümer des Grundstückes, über das die dann öffentliche Straße führen soll. Hintergrund ist, dass sowohl Wohngebiet als auch Seniorendomizil offiziell bisher nur über den Vechelder Weg zu erreichen sind. Aus Richtung Lostauer Straße existiert lediglich eine nichtöffentliche Baustraße.

Verkehr nicht ausgeschlossen

Zur Vekehrssituation bemerkte Kerstin Mecke, man könne doch nicht jede Straße im Ort zur Sackgasse oder Spielstraße machen. Sie verglich die Situation im Vechelder Weg mit der vielbefahrenen Woltersdorfer Straße. Die Anwohner dort könnten auch nicht einfach sagen, sie wollten jetzt keinen Verkehr mehr.

Ortsrätin Yvonne Wilke sprach sich dafür aus, schnellstens bei einem gesonderten Termin mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen. Diese würden seit September 2019 deutlich machen, dass sie ein Problem haben und nichts sei bisher passiert.