Burg l „Gut, dass Sie erst jetzt kommen, vor zwei Stunden war hier richtig viel los, da hätte ich keine Zeit gehabt“, begrüßt Schwester Nancy Groth gegen 11 Uhr den Reporter in der Notaufnahme der Helios-Klinik. Sie hat Silvesterdienst, bis 14.30 Uhr. Da ist dann das neue Jahr schon in Sydney angekommen. Zwölf Patienten seien es seit ihrem Dienstbeginn schon gewesen, allerdings keine silvestertypischen. Mit denen werde allerdings noch zu rechnen sein.

„Es gibt Verletzungen und Verbrennungen durch Knaller, auch durch Unachtsamkeiten, so landete im vergangenen Jahr bei einem Kind eine Rakete in der Kapuze“, nennt sie Beispiele. Auch der Alkohol sei die Ursache für viele Fälle in der Notaufnahme, im Zusammenwirken mit Feuerwerkskörpern oder auch allein. „Und die Patienten werden immer jünger“, ist die 40-jährige Burgerin recht besorgt. Zwei Krankenschwestern in der Notaufnahme werden auch über den Jahreswechsel in Bereitschaft sein, ebenso wie die diensthabenden Ärzte der einzelnen Abteilungen. Sollte es zu einem besonders großen Patientenansturm kommen, können noch weitere Reserven mobilisiert werden. So eine heiße Nacht hat Schwester Nancy auch schon erlebt, allerdings nicht Silvester. „Als ich an einem Silvester Nachtdienst hatte, waren es nur zwei Patienten“, erinnert sie sich.

Nach dem Feierabend wird es nicht leise

Gegen 13 Uhr ist die Stimmung bei den drei Verkäuferinnen Cindy Günther-Altenkirch, Heidi Truch und Leonora Sölter gut, die Vorfreude auf den Jahreswechsel groß, der Feierabend naht. „Ich habe mir fest vorgenommen, nicht zu verschlafen“, erzählt Heidi Truch. Das sei ihr schon öfter passiert. Kein Wunder, um 4 Uhr hat ihr Wecker geklingelt, seit 6 hat sie im Laden gearbeitet. Wäre sie im pazifischen Inselstaat Tuvalu, hätte sie es schon ins neue Jahr geschafft.

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Manche Geschäfte haben noch eine, zwei Stunden länger geöffnet. Dann hört das geschäftige Treiben auf. Allerdings nur was das Einkaufen, nicht, was die Raketen betrifft. Immer mehr von ihnen steigen in den Himmel über Burg, immer mehr Knallkörper explodieren. Dabei hat das neue Jahr gerade einmal Papua-Neuguinea erreicht, es ist 15 Uhr.

In der Petrikirche beginnt das mittlerweile schon traditionelle Silvesterkonzert, wie es Ursula Patté vorstellt. Eine Stunde Auszeit sei zu erwarten, bevor es später an Heringssalat und Wiener Würstchen, Luftschlangen und Knaller geht. Geboten wird den Zuhörern in der vollbesetzten Kirche eine Mischung aus Musik von der Gruppe „Zaranja“. Gespielt wird von der Band, die schon Auftritte am Roland-Gymnasium und in den Ihlegärten hatte, unter anderem „Knockin‘ on Heaven’s Door“ oder „Wonderwall“. Von Ursula Patté oder Dominik Patté erzählt wird etwa die Geschichte von Herrn Meier und dem neuen Jahr, in der er dem Jungen Anton erklärt, dass jeder Tag etwas Besonderes, nicht nur der erste Tag des neuen Jahres – „Oder schmecken die Brötchen dann nach Bananen, die Gurken nach Schokolade?“

Um 15 Uhr ist das amüsant-nachdenkliche Silvesterkonzert vorbei und das neue Jahr beginnt in Japan. Zu diesem Zeitpunkt haben die letzten Vorbereitungen für die Silvesterparty im Bowling-Center schon längst angefangen. „Wir stehen seit 8 Uhr in der Küche“, sagt Leiter René Krüger. Zubereitet werden unter anderem Schnitzel, Frikassee und Haxen. Auch in der Stadthalle herrscht reges Treiben in der Küche. „Die Speisen sind bei so einer Feier das Wichtigste, weil sie frisch zubereitet werden“, erklärt Hallenchefin Janin Niele. Während in der Stadthalle alles ein wenig größer ist, setzt man im Bowlingcenter auf den familiären Charakter der Feier, die in diesem Jahr zum siebten Mal stattfindet. „Und viele werden mit der Karte fürs nächste Mal nach Hause gehen“, weiß Krüger.

Countdown in Berlin und Burg

In der Stadthalle werden die Pforten um 18 Uhr geöffnet, zu jenem Zeitpunkt ist es Mitternacht in Vietnam. Im Bowlingcenter ist offizieller Einlass eine Stunde später, ein paar Gäste haben aber schon vorher an den geschmückten Tischen Platz genommen. Mit der Eröffnung beginnt der Sturm aufs Büffet, für die lange Nacht will Kraft getankt werden.

Die wird dann auf der Tanzfläche umgesetzt. Das Center setzt zum fünften Mal hintereinander auf DJ Patrick aus Barleben. In der Stadthalle steht wieder DJ Vulkan an den Reglern. Er ist aber vor allem der Anheizer für die Stars des Abends. Mit Livemusik sorgt die Gruppe „Tänzchentee“ so richtig für Stimmung auf der Tanzfläche. Sie sind auch verantwortlich für den Countdown vor Mitternacht.

Denn das Rückwärtszählen ins neue Jahr gehört nicht nur am Brandenburger Tor in Berlin zu Silvester, sondern auch im Jerichower Land. Und dann beginnt das bunte Treiben am Himmel. Für Krüger ist es immer wieder ein Highlight, wenn er das von einem professionellen Feuerwerker zusammengestellte Spektakel startet. Für Nancy Groth ist die Party bald vorbei. In sechs Stunden beginnt wieder ihr Dienst in der Notaufnahme der Helios-Klinik – vielleicht ohne Silvesterunfälle, aber mit Menschen, die Hilfe brauchen.