Burg l Für einen kurzen Moment hebt er ab. Er reißt seine Arme nach oben, das Skateboard schwebt unter ihm weiter. Passgenau über der Stange finden seine Füße wieder zum Brett – wie von einem Magneten angezogen. Der Trick ist gestanden, Skater Lucien Schröder triumphiert innerlich. Hier im Goethepark ist die neue Heimat einer Jugendkultur entstanden, die in Burg besonders ist. Um diese bekannt zu machen, haben die jungen Sportler in Eigenregie ein Programm auf die Beine gestellt.

Ab Ende April, wenn die Landesgartenschau (Laga) ihre Tore für Besucher öffnet, wird es auf der Skateranlage Wettbewerbe und Workshops geben – für Profis, aber auch Anfänger auf den Brettern. Die Skateranlage ist, eingebettet zwischen historischem Wasserspeicher und dem belebten Bahnhof, ein Anlaufpunkt für die jugendlichen Besucher. Genau diese konnten ihrem Hobby in Burg knapp zwei Jahre nicht mehr nachgehen – zumindest nicht offiziell.

Dreck und Vandalismus

Rückblick: Die „alte Heimat“ der Skater befand sich seit 2005 im Burger Flickschupark, auf dem Gelände des Burger Ballspielclubs 08 (BBC). Jahrzehntelang gab es Probleme. Dreck, Vandalismus, Sachbeschädigung – der BBC beschwerte sich über die Verwüstungen seines Geländes. Nach zehn Jahren zog der Verein die Konsequenzen.

Im April 2016 bauten die Sportler die fünf Elemente, sogenannte Obstacles, über Nacht ab. Die Skater standen wieder auf der Straße. Die Jugendlichen wendeten sich an die Stadt. Diese prüfte mehrere Orte auf ihre Lärmtauglichkeit. Schon vor der Entscheidung beschwerten sich Einwohner. „Man wollte uns einfach nirgendwo haben“, sagte Lucien Schröder im Jahr 2016.

Eine Lösung wurde im Zuge der Planungen zur Landesgartenschau gefunden. Insgesamt 420 Quadratmeter räumten die Planer der Jugendkultur ein, 150.000 Euro gaben sie für den Erhalt dieser aus. Und auch wenn das Laga-Gelände für Besucher noch nicht zugänglich ist, durften die Skater in Absprache mit den Mitarbeitern, ihre Anlage nun bereits unter die Rollen nehmen.

Erkennungsmerkmal Skateboard

„Ich würde behaupten, es ist eine der besten Anlagen Sachsen-Anhalts“, schätzt Lucien Schröder heute, zwei Jahre nach dem Abbau der alten Anlage. Die kindlichen Züge sind einem Bart gewichen, die Kleidung ist locker, um den Hals baumeln große Kopfhörer. Erkennungsmerkmal Nummer 1: Das Skateboard – in der Hand, am Rucksack, unter den Füßen.

Um die neue Anlage und die Burger Jugendkultur wieder anzutreiben, haben die Burger Skater, eine Gruppe aus etwa 30 Personen, einige Veranstaltungen auf die Beine gestellt. In Zusammenarbeit mit den Profis des Skateladens „Never Enough“, die den Burgern auch während des ewig währenden Streits zur Seite standen, werden sie Wettbewerbe für Profis veranstalten, aber auch Workshops für Anfänger und Interessierte, die einfach nur das Gefühl der Rollen unter den Füßen spüren möchten. „Die Anfänger sollten mindestens sieben Jahre alt sein. Noch oben gibt es keine Altersbegrenzung“, sagt Lucien Schröder und schmunzelt.

Die Vorbereitung und Ideenfindung begann im September vergangenen Jahres. Dabei stand den Skater die Streetworkerin Katja Treffky von der Rolandmühle zur Seite – wie auch in den vergangenen Jahren. „Sie haben Klinken geputzt und diverse Spendengelder erhalten“, sagt sie.

Kostenlose Events

Mit den Organisatoren der Laga haben die jungen Erwachsenen ebenfalls gesprochen. Ergebnis: Teilnehmer der Workshops und Wettbewerbe erhalten nach Anmeldung freien Eintritt. Denn der Skatepark ist Teil der Laga – die Sportler müssten Eintritt zahlen. „Wir haben Schüler und Studenten dabei, die nicht so viel Geld in der Tasche haben. Es war uns wichtig, dass sie bei unseren Events kostenlos teilnehmen können“, erläutert Lucien Schröder.

Für die Skater die Veranstaltungen mehr als nur ein Freizeitvergnügen. Es ist ein Zeichen an die Stadt. „Wir sind nicht die Skater, die irgendwo herumlungern und alles zerstören. Es ist uns wichtig, das zu zeigen“, sagt der 21-jährige Lucien, der für alle Skater spricht.