Burg l Lesen, Schreiben, Rechnen – Sozialarbeit? Wenn es nach den 14 Schulsozialarbeitern im Landkreis geht, heißt die Antwort: Ja! Denn die pädagogische Arbeit endet an Schulen oft nicht mit dem Pausengong. Familiäre Probleme, Gewalt, Mobbing, Drogensucht – auch damit sind die Lehrkräfte im Arbeitsalltag häufig konfrontiert. Hier setzt seit 2009 die Schulsozialarbeit im Jerichower Land an. Diese Unterstützung droht jedoch wegzufallen.

Zuschuss endet 2020

„Aktuell wurde zwar eine neue Förderperiode von 2018 bis 2020 bewilligt“, erklärt Bianca Reinhardt, Assistentin in der Netzwerkstelle AKKU, ein Kooperationsprojekt zwischen dem Jugendwerk Rolandmühle und dem Cornelius-Werk. Doch danach endet die Finanzierung über das ESF-Programm „Schulerfolg sichern“. Die Schulsozialarbeiter im Landkreis Jerichower Land wollen das nicht hinnehmen.

„Wie sollen ohne ausgebildetete Schulsozialarbeiter Konflikte nach der Pause besprochen werden? Die nehmen die Kinder und Jugendlichen sonst mit in den Unterricht. Wer soll Projekte initiieren? Was ist mit den Kindern, die einen besonderen Bedarf haben, Stichwort Inklusion?“, fragt Nico Pfeil, Schulsozialarbeiter an der „Ludwig Uhland“-Grundschule in Genthin.

Die meisten Lehrer seien jetzt schon mehr als ausgelastet, Zeit für die seelische Betreuung der Kinder und Jugendlichen bleibe da kaum. Die Schulsozialarbeit müsse deshalb ein fester Bestandteil des Schulsystems werden. „Wir wollen raus aus dem Projekt-Status“, betont Susanne Krause von der Sekundarschule „Am Baumschulenweg“ in Genthin.

Bedarf ungebrochen

Aber – wo und wie setzen die Pädagogen an? Welche Projekte organisieren und betreuen sie überhaupt im Landkreis? Die Volksstimme will es genauer wissen. Deshalb begleitet die Redaktion ab Mitte Oktober die Pädagogen im Jerichower Land bei ihrer Arbeit.

Denn der Bedarf der Schulen sei ungebrochen, so Bianca Reinhardt, die bewilligten 14 Stellen deckten nur rund 35 Prozent der Schulen im Jerichower Land ab, im Vergleich zu anderen Regionen sei der Landkreis damit eher dünn besetzt.

Um grundsätzlich eine Förderung für Schulsozialarbeit zu erhalten, muss jede Schule zum Schuljahresbeginn ein Konzept erarbeiten, das nach einem Punktesystem bewertet wird. „17 Schulen haben sich insgesamt beworben“, weiß Birgit Voigt vom Cornelius-Werk. Davon seien drei Bewerbungen derzeit noch offen. Der Bedarf dürfte jedoch höher sein. Allein die Konzipierung bedeutet zeitlichen und bürokratischen Mehraufwand für die Schulleitungen.

Bei den jetzt bewilligten Anträgen handelt es sich größtenteils um diejenigen Schulen, die schon bei der vorherigen Förderperiode von 2015 bis 2018 bedacht wurden. Damit soll zumindest die Kontinuität an den bereits zuvor geförderten Schulen gesichert sein.

Redakteure begleiten Pädagogen

Sind die Schulsozialarbeiter an einer Schule die „Neuen“, treffen sie oft auf Vorurteile. „Wir müssen uns einarbeiten“, erklärt Sophie Kelm von der Grundschule „Stadtmitte“ in Genthin, „jede Schule ist besonders.“ Und das Vertrauen der Schüler zu gewinnen, ist Grundvoraussetzung für ihre Arbeit – und auch das der Eltern. „Die Kinder sind meistens offener“, weiß Doreen Boßmann. „Am Anfang muss man sich erst einmal nur anbieten, zeigen, dass man für die Schüler da ist.“ Und wer das eigentlich ist, zeigt die Volksstimme ab Mitte Oktober: Dann zückt die Redaktion den Rotstift und besucht Doreen Boßmann in der Förderschule für Lernbehinderte in Burg.