Jugendarbeit

Sozialarbeiter geben Einblick in ihre Kooperation mit entkoppelten Jugendlichen

Mit dem Bus der Docking Station, einem gefördertem Projekt, unterstützt das Jugendwerk Rolandmühle entkoppelte Jugendliche aus dem Jerichower Land. Die Sozialarbeiter Anna Beuschold und René Bierbrauer zeigen ihren Arbeitsalltag.

Von Lara Kutsch
Renè Bierbrauer und Anna Beuschold besprechen den nächsten Termin mit den Jugendlichen.
Renè Bierbrauer und Anna Beuschold besprechen den nächsten Termin mit den Jugendlichen. Foto: Nicole Grandt

Genthin/Burg - Einige junge Erwachsene benötigen dringend Hilfe, auch im Jerichower Land. Das weiß auch Sozialpädagoge René Bierbrauer: „Bei den Mädchen und Jungs besteht ein ziemlich großer Unterstützungsbedarf. Unsere Teilnehmer sollen lernen, selbstständig zu leben und Anschluss zu bekommen. Das ist aber meist ein sehr langer Prozess, der dauert und Vertrauen und Beziehungsarbeit erfordert.“  Mit seiner neuen Kollegin Anna Beuschold fährt er zu Jugendlichen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren und bietet Hilfe, wie etwa durch Vermittlung und Begleitung zu Behörden und Beratungsstellen. Denn die jungen Erwachsenen haben nie richtig gelernt, im Leben zurechtzukommen, kommen oft aus schwierigen Familienverhältnissen, sind Schulabbrecher oder bereits verschuldet. Mit der mobilen Docking Station des Teams vom Jugendwerk Rolandmühle, ist das Team flexibel direkt vor Ort, die Hemmschwelle für die Jugendlichen ist so niedriger und der Weg zur Anlaufstelle kürzer. Elf Teilnehmer aus dem Bereich Genthin und 22 aus dem Raum Burg und Gommern nehmen aktuell freiwillig an dem Projekt teil.

Teilnehmern auf Augenhöhe begegnen

Dass René Bierbrauer seine Teilnehmer persönlich sehr am Herzen liegen, merkt man ab der ersten Sekunde, wenn er beginnt, von ihnen zu erzählen: „Das sind alles tolle Menschen, die ich mag und mit denen die Arbeit Spaß macht. Klar, das ist nicht immer Sonnenschein. Aber wenn jemand einen Termin vergisst, darf man das nicht persönlich nehmen.“ Er lenkt den Bus zum ersten Teilnehmer. Phillip aus Genthin begrüßt die beiden Sozialarbeiter. Er hat den Termin nicht vergessen und ist pünktlich. Mit einer Faust begrüßt René Bierbrauer ihn, erkundigt sich, wie es ihm geht und ob er schon in den Briefkasten geschaut hat. Schon solche kleinen Alltagsaktionen sind schwierig für die Teilnehmer, weil sie vergessen werden oder Überwindung kosten. „Wir begegnen den Teilnehmern auf Augenhöhe. Menschlichkeit ist einfach am allerwichtigsten“, sagt Anna Beuschold, die auf dem Beifahrersitz mitfährt. Phillip gibt noch seine obligatorische Unterschrift auf der Liste. Dann geht es weiter zum nächsten Teilnehmer. Das Treffen hat nicht länger als fünf Minuten gedauert. Nur ein kurzes Gespräch, ob alles okay ist. „Dieser Check ist aber einfach wichtig. Es ist notwendig, präsent und für die Leute da zu sein“, erklärt Anna Beuschold.

Die Teilnehmer unterstützen sich untereinander

Als nächstes trifft das Team Tobi und Kai. Fragen wie: „Hast du die Waschmaschine schon angeschlossen? Wie läuft es mit der Krankenversicherung? Brauchst du Hilfe bei der Bewerbung?“ werden gestellt. „Als Sozialpädagoge ist es wichtig neugierig zu sein“, erzählt Anna Beuschold. Bei den zwei Ansprechpartnern wirken diese neugierigen Fragen aber nie aufgesetzt oder aufdringlich auf die Jugendlichen. Die beiden lachen viel, haben immer einen Witz oder eine Anekdote parat. „Wir machen das nicht als Selbstdarsteller, sondern für die Mädchen und Jungs, wenn sie das auch wollen“, erklärt René Bierbrauer. Die Teilnehmer kennen und unterstützen sich auch untereinander. So ist auch Martin zu seinem Spitznamen Super-Martin gekommen, weil er den anderen Jugendlichen beim Streichen geholfen hat. „Anna muss dir noch ein Cape nähen“, scherzt René Bierbrauer. Kurz darauf fragt er ernst, ob er ihn zu seinem nächsten Zahnarzttermin begleiten soll.

„Es ist wichtig, dass man von der Arbeit zu Hause abschalten kann, sonst geht man kaputt. Aber ich denke mir immer: Jeder Tag ist ein neuer Tag und manchmal fängt man eben von vorne an. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“, erzählt Anna Beuschold. Der letzte Besuch ist bei Flori und Beata. Der Traum des jungen Pärchens ist es, ihren Schulabschluss nachzuholen. Die beiden sind fest davon überzeugt, dass sie das schaffen können. Genauso wie Anna Beuschold und René Bierbrauer.

Wer ebenfalls Unterstützung benötigt oder geeignete Teilnehmer kennt, kann sich telefonisch an die 03921 7 28 78 38 wenden oder per Mail unter dockingstation@rolandmuehle-burg.de.

Der Bus ist nicht nur zum fahren geeignet, sondern auch, um sich mit den Jugendlichen in Ruhe hinzusetzen und über Sorgen und Probleme zu sprechen.
Der Bus ist nicht nur zum fahren geeignet, sondern auch, um sich mit den Jugendlichen in Ruhe hinzusetzen und über Sorgen und Probleme zu sprechen.
Foto: Nicole Grandt