Burg/Genthin l Vor wenigen Tagen flatterte mit den Kontoauszügen den 50.000 Inhabern von Privatgirokunden die Neuigkeit ins Haus. Die Sparkasse verändert zum 1. August die Konditionen. Dabei steigen die Gebühren für Dienstleistungen, allerdings deutlich unterschiedlich von Preismodell zu Preismodell.

Fast alle Angebote betroffen

Eines ist allerdings sicher: Betroffen sind davon fast alle Angebote für Girokonten. Unklar ist noch, wie viele Kunden in welcher Höhe künftig tiefer in die Tasche greifen müssen, sagt Eckart Grundmann von der Sparkasse auf Anfrage der Volksstimme. Das sei allein abhängig vom individuellen Nutzungsverhalten des Kunden, welche Dienstleistungen er wie oft in Anspruch nimmt. Jeder Kunde täte deshalb gut daran, sich mit den konkreten Inhalten der Modelle zu beschäftigen. Die Mitarbeiter würden Kunden beraten, für sich das beste Modell herauszufinden, versichert Grundmann.

Er trat Gerüchten entgegen, wonach das Anziehen der Entgelte mit den Turbulenzen der Nord/LB Anfang des Jahres beziehungsweise mit den laufenden Umstrukturierungen innerhalb der Sparkasse in Zusammenhang steht. Diese waren mit Personalabbau und Einschnitten bei den Öffnungszeiten Ende vergangenen Jahres eingeleitet worden.

Allgemeiner Trend

Ungewöhnlich ist der Schritt des kommunalen Geldinstituts nicht. Mit der aktuellen Entgelterhöhung liegt die Sparkasse Jerichower Land im allgemeinen Trend des bundesdeutschen Bankwesens: Alle Tansaktionen in bar und bei denen Personal im Spiel ist, sind teuer. Das zeigt schon ein erster Blick auf die Preisgestaltung.

Grundmann formuliert das so: „Bei dieser Entgelterhöhung standen für uns die Einzelpreise und damit die Frage, welcher Aufwand welche Dienstleistung in Anspruch nimmt, im Vordergrund.“ Einerseits erweitere sich das Spektrum der Dienstleistungen, zum Beispiel durch neue Techniken wie das mobile Bezahlen mit einer App. Weitere, moderne Leistungen müssten für den Nutzer bezahlbar bleiben.

Andererseits, macht Grundmann klar, erfordere die Flächenpräsenz der Sparkasse – das heißt, der Betrieb von Filialen auch im dünn besiedelten ländlichen Raum – und ein hoher Sicherheitsstandard einen gesicherten finanziellen Spielraum. „Ohne Entgelterhöhungen müssten wir, um dieses Niveau zu halten und weiter zu verbessern, irgendwann Entlassungen vornehmen“, sagt Grundmann klipp und klar.

Ein Drittel Zinsspanne weggebrochen

Vor dem Hintergrund der permanent anhaltenden Niedrigzinsphase gibt Landrat Steffen Burchhardt (SPD) als Vorsitzender des Sparkassen-Verwaltungsrates zu bedenken, dass die Situation aller Finanzinstitute seit der Finanzkrise Jahr für Jahr immer schwieriger werde. „Alle Banken haben seit jeher die aufwendige Kontoführung mit Einnahmen aus anderen Geschäften quersubventioniert.“ Für die Sparkasse Jerichower Land ist laut Grundmann mittlerweile ein Drittel der Zinsspanne weggebrochen.

Aus der Sicht des Landrates sind die aktuellen, seiner Einschätzung nach moderaten Gebührenerhöhungen, deshalb nicht vermeidbar. „Da sowohl die Zinserträge als auch Einnahmen aus Eigenanlagen kontinuierlich gesunken sind, müssen Serviceleistungen künftig stärker aufwandsbezogen berechnet werden“, antwortete er auf Anfrage.

Im Einklang mit dem BGH

Die Sparkasse Jerichower Land befindet sich mit ihren jüngsten Preisänderungen im Einklang mit dem Bundesgerichtshof (BGH), der am Dienstag Extrakosten für Dienstleistungen am Schalter für rechtens erklärte, wenn die Höhe der Extragebühr für Zahlungen am Schalter nur die damit tatsächlich entstandenen Kosten abdeckt.

Nicht alle Kunden der Sparkasse akzeptieren die Preiserhöhungen, wenn auch, wie Grundmann sagt, sich die Zahl der Beschwerden unmittelbar bei der Bank in Grenzen halte.

Bernd Mangelsdorf aus Genthin macht aus seiner Verärgerung allerdings keinen Hehl. „Ich kann nicht verstehen, dass es für mich als Kunden immer teurer wird, an mein eigenes Geld heranzukommen. Das ist ein Unding.“ Bekannte zögen durchaus in Erwägung, die Bank zu wechseln. Wenig Verständnis für die Gebührenerhöhung hat auch Bernd Wieland aus Burg. „Das ist zu heftig.“ Angesichts der Tatsache, dass sich in den vergangenen Jahren die Angebote im ländlichen Raum verschlechtert hätten, seien diese Steigerungen nicht nachvollziehbar. So verliere die Sparkasse nur Kunden.

Kritik von Verbraucherzentrale

In einer ersten gemeinsamen Reaktion der Verbraucherzentralen Bremen und Nordrhein-Westfalen auf das BGH-Urteil heißt es: „Wir bedauern das aktuelle Urteil, denn es ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Banken in der aktuellen Phase niedriger Zinsen an den Gebührenschrauben drehen. Wer Geldautomaten nicht nutzen möchte, für den kann es nun deutlich teurer werden. Wir meinen: Hier müssten eigentlich zumindest einige Vorgänge im Monat kostenfrei sein.“

Derzeit verfügt die Sparkasse Jerichower Land über Kundeneinlagen in Höhe von 750 Millionen Euro, davon 700 Millionen Euro von privaten Kunden. Diese Zahl ist nach Auskunft von Eckart Grundmann gestiegen. Derzeit verfüge die Sparkasse über ein sicheres Eigenkapital von 73 Millionen Euro. Es gebe einen positiven Jahresüberschuss. Die Sparkasse im Jerichower Land hält einen Marktanteil von 54 Prozent, der seit 2013 im Anstieg ist.