Burg l Nein, das Mittelalter hatte wahrlich nicht nur gute Seiten. Es gab die Pest, ständig wurden irgendwelche Kriege geführt und an heutige Bequemlichkeiten wie fließendes Wasser aus der Leitung oder Licht auf Knopfdruck war schon gar nicht zu denken. Und dennoch übt diese Epoche eine große Faszination aus, wie auch die hunderten Besucher des ersten Mittelalterspektakels am Weinberg bewiesen.

Falkenflüsterer in Burg

Dafür sorgte unter anderem der Falkenflüsterer Deimos, der mit drei Greifvögeln präsent war. Den Traum, mit Vögeln zu arbeiten, hegte er schon als Kind. „Ich bin im Oderbruch aufgewachsen, und als ich mit zehn Jahren zum ersten Mal einen Adler sah, war es um mich geschehen“, erzählte er. Seit 25 Jahren ist er nun schon auf Mittelaltermärkten unterwegs, empfindet die Gemeinschaft als große Familie. Auch von der Premiere in Burg ist er angetan. „Ich hätte nicht gedacht, dass das gleich so gut angenommen wird“, meinte er.

Falkner, das ist für ihn nicht einfach Beruf, sondern Berufung. Die Faszination mag daher kommen, dass es das älteste Wildtier im Umfeld des Menschen ist. Tiere von ihm haben schon in Soko Leipzig mitgespielt, auch trat er bei Dieter Bohlens „Supertalent“ an.

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Selbstgedrehte Kerzen

Während der Falkenflüsterer mit der Präsenz auf Mittelaltermärkten seine Brötchen verdient, ist das für die beiden Sozialpädagogen Thi und Gunnar nur ein Hobby. Bei ihnen konnten Kerzen gedreht werden. „Als Material benutzen wir die Mittelwände aus einem Bienenstock, die bestehen aus dem Abfallprodukt Wachs“, erklärte Thi verschmitzt. Er stellte einen schottischen Söldner dar, der für den Krieg zu alt geworden ist – „da muss man sich dann einen anderen Beruf suchen“.

Mittelalter-Kapelle spielt live

Und auch die Musiker der Kapelle „Die Lautlosen“ sind vor allem aus Spaß an der Freude unterwegs. „Nur unser Trommler, der sich ,The Hitman‘ nennt, macht beruflich Musik“, erklärte Frank von Domarus, den alle Papa nennen. Die Musiker, von denen die meisten aus Boizenburg kommen, sind mit Instrumenten, die ans Mittelalter angelehnt sind, unterwegs. „Originale wären zu teuer“, sagte Papa. Sie spielen Gitarre, Dudelsack, eine Reihe von Flöten und die Nydelhape. „Das ist sowas wie das schwedische Nationalinstrument, das auch auf dem 50-Kronen-Schein abgebildet ist“, sagte Ulf der Medicus, der das Instrument famos beherrscht. Zum Repertoire der Gruppe, die im Jahr auf acht bis zehn Märkten in ganz Deutschland zu hören ist, gehören mittelalterliche eigene Arrangements.

Höhepunkt des Jahres

Als „Höhepunkt 2019“ pries die Tourist-Information das Mittelalterspektakel an und diese Einschätzung sah deren Leiter Maximilian Steib im Gespräch mit der Volksstimme absolut gerechtfertigt. „Es ist das erste Mal, dass wir so ein Mittelalterspektakel veranstalten und es ist die einzige Veranstaltung, die sich über zwei Tage erstreckt“, sagte er. Natürlich habe es auch schon vorher mittelalterliche Elemente bei Veranstaltungen in Burg gegeben, aber nicht in der Größenordnung an diesem Platz – „Und welcher Ort würde denn wohl besser passen, als mit dem Weinberg die älteste Stelle Burgs“.