Burg l Bedürftig – Was heißt das eigentlich? Im Gespräch mit der Volksstimme sagt Gabi Pospieszny von der Burger Regionalgruppe Netzwerk Leben, was es nicht ausschließlich heißt. „Es geht nicht nur ums Finanzielle“, stellt sie klar. Bedürftig, das können auch junge Mütter sein, die bei der Erziehung Schwierigkeiten, Kinder, die beim Lernen Probleme haben. Ihnen allen will das Netzwerk mit seinen zwölf Aktiven im Jerichower Land helfen. Am Freitagabend geht es im Roland-Gymnasium aber sehr wohl ums Finanzielle, mit dem traditionellen Benefizkonzert soll Geld gesammelt werden. Davon werden wiederum Weihnachtspäckchen gepackt, die am Nikolaustag in 50 Familien für Freude sorgen sollen.

Schirmherrin und Ehrengast ist Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD). „Das Problem ist auch bei uns im Land, auch in Regionen wie dem Jerichower Land groß“, schätzt sie im Interview zwischen Auto und Aula ein. Jedes fünfte, vielleicht jedes vierte Kind dürfte von Armut betroffen sein. Und betroffene Kinder würden betroffene Familien bedeuten.

Gemeinschaft hilft

„Es gibt viele Menschen, die weniger Glück gehabt haben als andere“, meint Landrat Steffen Burchhardt (SPD), „daher sei es toll, dass sich andere ehrenamtlich um sie kümmern, wie es in einer guten Nachbarschaft sein soll. Mit ein wenig Lampenfieber besetzt, geht er die letzten Schritte zu seinem Platz. Auch Susanne Sperling, Sprecherin des Bistums Magdeburg – das Netzwerk Leben ist eine Initiative der Katholischen Kirche – weiß, dass es mehr arme Familien gibt, als oft vermutet wird. „Man sieht sie nur häufig nicht, weil die Scham so groß ist“, wispert sie vor Konzertbeginn.

Bilder

Dann haben erst einmal die positiven Gedanken Oberhand. Den Auftakt bildet das Schlagensemble des Roland-Gymnasiums, das für sein „Djembelaja“ einen Applaus bekommt, der mindestens so laut ist wie vorher die Instrumente. Mit leisen Tönen, aber nicht weniger eindrucksvoll tragen Jule Meyer, Julia Meinecke, Gino Pütter und Christian Hoffmann „Riptide“ vor, bevor wiederum das Schlagwerk des Gymnasiums die Bühne unternimmt.

Musik aus Afrika

Zum Siedepunkt kommt die Stimmung allerdings beim Auftritt des Chores der Theologischen Hochschule Friedensau, der einige Stücke aus Afrika mitgebracht hat. Das Publikum will die internationale Studentengruppe ohne Zugabe gar nicht ziehen lassen, doch der Bus zurück nach Friedensau wartet.

Den hat der Landrat organisiert, wofür Konzert-Mitorganisator Bernd Felscher dankt und ihn zum Grußwort auf die Bühne bittet. „Die Menschen wollen heute keine Reden hören, sondern Musik“, ist Burchhardt überzeugt. Und das hat er sich zu Herzen genommen, trägt eine eben dorthin gehende Version von „One more Light“ der Band „Linkin Park“. Darin heißt es unter anderem: „Wer kümmert sich schon, wenn ein Licht am Himmel der Millionen Sterne ausgeht? Na ja, ich tue es.“

Nicht den Glauben verlieren

Die Pause befreit aus der Nachdenklichkeit. Im zweiten teil des Konzertes zeigt die Bigband der Kreismusikschule ihr ganzes Können und ihr breites Repertoire. Denn Schlusspunkt setzt sie mit „Don‘t stop believin‘„ – „Verlier nicht den Glauben“. Und das ist, religiös oder nicht, die Botschaft des Tages.