Hohenziatz/Gommern l Beim „Getting Tough Race“ in Rudolstadt – dem laut Veranstalter „härtesten Hindernisrennen Europas“ – stürzten sich Christan Raab (39) aus Hohenziatz und Marko Heinrich (34) aus Gommern Anfang Dezember 2018 zusammen mit 3000 anderen Teilnehmern zuerst in einen 4 Grad kalten Wassergraben, krabbelten dann einen Schlammhügel hinauf, platschten wieder in einen Wassergraben, robbten unter Stacheldrahtverschlägen durch und überwanden auf den folgenden 24 Kilometern eine alte NVA-Kampfbahn, schleppten drei Kilometer lang alte Autoreifen mit sich herum. Und das alles nur für Ruhm, Ehre und eine Handvoll Medaillen. Zum mittlerweile fünften Mal beteiligten sich die beiden Sportsfreunde an dem „Getting Tough“-Lauf, dessen Übersetzung ins Deutsche nichts anderes bedeutet, als die Aufforderung „Werde Härter“.

Mentale Grenzen

Man will an seine mentalen und körperlichen Grenzen gehen. Meistens melden sich die mentalen Grenzen zuerst: „Natürlich fragt man sich irgendwann während des Wettkampfes, ‚warum tu ich mir das alles eigentlich an‘, aber wir wollen ja die Medaillen“, erklärt Christian Raab den Ansporn der beiden Läufer.

In diesem Jahr landeten die beiden Sportler aus dem Jerichower Land im vorderen Mittelfeld. Fürs Ankommen gab es eine Medaille, die golden glänzt, ohne wirklich Gold zu sein. Eine weitere Medaille – die „Veteranenmedaille“ in Schwarz – durften sich Raab und Heinrich umhängen, weil sie den Wettkampf zum fünften Mal bestritten. Eine zusätzliche – rote – Medaille erlief sich Marko Heinrich für seine Teilnahme am „Sprint@night“, einer Kurzversion des Hindernisrennens, welche am Vorabend des eigentlichen Rennens in Rudolstadt ausgerichtet wird. Bei dem Sprintlauf werden in kürzester Zeit etwa 30 Hindernisse überwunden.

Leidenschaft für's Extreme

Angefangen hat die Leidenschaft der zwei Extrem-Läufer bei einem vergleichsweise harmlosen Hindernislauf vor gut zehn Jahren auf dem Nürburgring. Zusammen mit 12.000 Startern ging es ins Gelände, damals noch mit anderen Freunden aus dem Jerichower Land. Übrig geblieben sind von dieser Wettkampftruppe im Laufe der Zeit nur Raab und Heinrich. Und die Rennen wurden härter. Höhepunkt war die Teilnahme am „Tough Guy“-Rennen in England.

Dieses seit über 30 Jahren bei Birmingham ausgetragene Rennen ist die „Mutter aller Hindernisrennen“, mit bis zu 200 halsbrecherischen Hindernissen. Es sind zum Teil Hindernisse, die in Deutschland so vielleicht gar nicht zugelassen wären, vermuten Heinrich und Raab. Etwa das Gleithindernis mit dem unter Strom stehenden Oberdraht, oder die splittrigen Holzbalken im Schlammtümpel, unter denen man durchtauchen muss...

Eher spontan entschieden sich die zwei vor etwa einem halben Jahr zur Teilnahme. Zu Trainingszwecken statteten sie dafür in den Wintermonaten dem Brocken Kurzbesuche ab. Hochlaufen, Suppe fassen, runterrennen. Härter werden, eben!

Auszeit für die Familie

Zu Gunsten der Familien wollen die beiden jetzt erst einmal eine Pause einlegen. Im Hause Heinrich dürfte der soeben eingetroffene Nachwuchs Papa Marko ohnehin auf Trab halten. Christian Raab will aber wenigstens beim kommenden Berlin-Marathon antreten. Und vielleicht juckt es die beiden irgendwann ja wieder, noch härter zu werden.