Burg l Das Konzert der Band „Haudegen“ findet nicht am Karfreitag, sondern am 19. April statt. Die Stadtverwaltung hatte die Veranstaltung per Verfügung verboten. Ein Widerspruch von Stadthallen-Pächterin Janin Niele blieb bis Mittwochabend erfolglos.

Verfügung erlassen

„Wir haben mit der Band gemeinsam die Entscheidung getroffen, das Konzert zu verlegen. Ein 20-köpfiges Team aus Berlin war bereits zum Aufbauen vor Ort, wir konnten nicht länger warten“, sagt Niele.

Der ursprünglich geplante Karfreitag ist einer der „stillen Tagen“. Das heißt, wie am Volkstrauertag, am Buß- und Bettag, am Totensonntag und an Heiligabend sind auch an Karfreitag „Veranstaltungen in Räumen mit Schankbetrieb“ laut Gesetz untersagt.

Im Volksmund wird das als „Tanzverbot“ bezeichnet.

Das nahm Stadthallen-Pächterin Janin Niele wörtlich und sagte am Dienstag auf Volksstimme-Nachfrage: „Konzerte sind nicht verboten, nur Partys.“

In der Burger Stadtverwaltung sieht die Rechtsauffassung anders aus: Fachbereichsleiter Jens Vogler sagt: „Die Stadt Burg will das Konzert nicht verhindern, sondern muss für die Einhaltung von Gesetzen sorgen.“ Das Gesetz zum Tanzverbot verantwortet das Land Sachsen-Anhalt. Ein Rockkonzert an Karfreitag habe es laut Vogler in Burg noch nie gegeben. Als man in der vergangenen Woche davon erfahren habe, hätte man mit Frau Niele gesprochen und dann eine ordnungsbehördliche Verfügung erlassen.

Gegen die hat Niele Widerspruch beim Verwaltungsgericht in Magdeburg eingelegt. Weil hier bis Mittwochabend keine Entscheidung fiel, wich man auf den Ersatztermin aus. Die Karten behalten ihre Gültigkeit.

Jens Vogler von der Stadt sagt: „Es können an 360 Tagen im Jahr Rockkonzerte stattfinden.“ Man müsse religiös geprägten Menschen nicht mit einem Allerweltskonzert am höchsten christlichen Feiertag, der an die Kreuzigung von Jesus erinnert, vor den Kopf stoßen.

Ähnliche Veranstaltungen in der Region gibt es kaum. In der Magdeburger Feuerwache gibt es zwar Livegesang, allerdings im Rahmen einer Ausstellung, bei der Fotografien von Matthias Pavel gezeigt werden, der Magdeburger Musiker abbildet. In Staßfurt wird das Musical „Hair“ aufgeführt.

Tanzverbot gilt

Um ein Rockkonzert im Veranstaltungskalender zu finden, muss man Sachsen-Anhalt verlassen und wird zum Beispiel im hessischen Wetzlar fündig, wo am Karfreitag Bonnie Tyler auftritt.

Allerdings hatte es auch hier Beschwerden gegeben. Stadt und Veranstalter fanden schließlich einen Kompromiss. Die Rocksängerin darf auftreten, eine solche Veranstaltung am Karfreitag solle aber eine Ausnahme bleiben.

In Burg kritisiert die Stadtverwaltung die fehlende Kommunikation. „Frau Niele spricht mit uns nur Veranstaltungen für die Stadt, zum Beispiel Sitzungen des Stadtrats, ab“, erklärt Vogler. Ansonsten obliege der Plan ihr als Pächterin. Dass man bei so einem ungewöhnlichen Termin bei der Stadt nachfragt, ob es Schwierigkeiten gibt, wäre allerdings unabdingbar gewesen. „Dann hätten wir viel früher kommunizieren können, dass es rechtliche Probleme gibt.“