Burg l Die Brüder Dietrich und Jürgen Munk aus dem brandenburgischen Kleinmachnow stießen eher zufällig auf die Burger Altstadt. Ihr ursprüngliches Ziel war die Landesgartenschau. Weil aber auf den Flyern gleichzeitig für das Kerngebiet geworben wird, standen beide nach einer ausgiebigen Tour auf dem Berliner Torturm – und waren begeistert. „Wir hätten nicht gedacht, dass Burg so eine schöne und sanierte Altstadt hat.“ Solche Urteile fällen viele Auswärtige, die zwischen dem Turm-Ensemble im Norden, der Hainstraße und Flickschupark schlendern. „Die meisten sind begeistert von dem, was alles geschaffen wurde“, bestätigt auch Karin Zimmer vom Heimatverein Burg. Sie führt selbst Gäste durch Burg und erfährt stets „eine große Aufgeschlossenheit“.

Auch wenn noch manche Lücken und Ruinen das Bild prägen: „Ohne ein umfangreiches Stadtsanierungsprogramm wären viele Teile zerfallen und Burg würde viel trister und grauer aussehen“, resümiert Bernhard Ruth, Pressesprecher der Stadtverwaltung, der die Anfänge des Neuaufbaus nach der politischen Wende 1990 miterlebt und begleitet hat.

Ausgangslage desaströs

Dabei war die Ausgangslage mehr als desaströs. Das ergab eine Untersuchung, die die damalige Stadtverordnetenversammlung im November 1990 in Auftrag gegeben hatte, um die Altstadt wieder auf Vordermann bringen zu können: Das Sanierungsgebiet umfasste seinerzeit 2630 Wohnungen, davon 13 Prozent ohne jegliche Sanitärausstattung, 77 Prozent mit Kohleheizung. Knapp 40 Prozent der Gebäude wiesen derart erhebliche Mängel auf, dass sie vom Verfall bedroht waren. Die bauliche Situation in der Altstadt war so prekär, dass 1991 ein Sofortsicherungsprogramm aufgelegt wurde. Da aller Anfang oftmals klein beginnt, wurde in Burg als erstes öffentliches Sanierungsprojekt die Bustasche an der Berliner Straße erneuert. „Das ist aus heutiger Sicher eher unspektakulär, aber damals war es etwas Besonderes, was große Aufmerksamkeit auf sich zog“, resümiert Ruth. Der erste private Modernisierungsvertrag wurde dann mit Uhrmachermeister Schulz für die Sanierung des Gebäudes Magdeburger Straße 9 als Wohn- und Geschäftshaus geschlossen. „Dies war ein wichtiges Signal auch für private Investoren, dass es sich wieder lohnt, in den historischen Stadtteil zu investieren“, so der Stadt-Sprecher. Inzwischen sind knapp 400 Modernisierungsverträge geschlossen worden. Mehr als 80 Prozent der heute noch existierenden Altbauten wurden seit 1991 voll- oder teilmodernisiert. Dafür flossen bislang rund 50 Millionen Euro in die Altstadt.

Mit positiven Auswirkungen: Die Altstadt ist inzwischen der beliebteste Wohnstandort in Burg. Das haben Haushaltsbefragungen in den Jahren 2003 und 2009 ergaben. „Es wohnen mehr Familien in der Altstadt als an anderer Stelle in der Stadt. Dies ist eine der wichtigsten Erfolge unserer Sanierungsbemühungen“, schätzt Ruth ein. Dass die Nachfrage nach Wohnraum ungebremst ist, weiß auch Wolfgang Meyer. Der Burger hat sein Elternhaus in der Deichstraße saniert und drei schicke Wohnungen geschaffen. Kaum hatte er mit dem ersten Hammerschlag begonnen, standen bereits die ersten Interessenten auf der Matte.

Ein Ende der Arbeiten in der Stadt ist jedoch nicht in Sicht. Das Bau-Potenzial ist noch immer groß. „Es geht jetzt nur deutlich langsamer voran, als noch vor zehn, 15 Jahren“, erläutert Ruth.