Burg l Gut ein Dutzend Interessierter versammelte sich am 20. August am Spielplatz an der Holzstraße. Der war Ausgangspunkt für einen knapp zwei Kilometer langen Rundgang durch den Stadtteil. Die AWO widmet sich Burg-Nord in einem Quartiersprojekt. Anfang des Monats sammelte Projektmitarbeiterin Josephine Tetzner in einer Gesprächsrunde mit Anwohnern erste Eindrücke. Nun sollte Burg-Nord noch näher betrachtet werden.

Sie hatte eine große Karte dabei, auf der mit blauen Punkten die Stellen markiert werden konnten, die besonders schön und lebenswert erscheinen, mit roten die Ecken, an denen Verbesserungen angezeigt sind. Ein Punkt, auf den sie aufmerksam machte, war der große Wendehammer mit der angrenzenden Grünfläche an der Johann-Mühlpfort-Straße. „Hier ist doch so viel Platz, den muss man doch nutzen“, meinte sie. Ihre Idee einer Hundefreilaufwiese stieß nicht auf viel Gegenliebe, aber eine Anwohnerin könnte sich vorstellen, dass sich dort eine Senioren-Gymnastikgruppe trifft.

Nutzung von Grünflächen

Überhaupt Grünflächen, Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD), der sich den Spaziergängern angeschlossen hatte, merkte an, dass die Grünflächen zwischen den Blöcken nicht gut genug genutzt würden, um für Aufenthaltsqualität zu sorgen. „Muss man denn wirklich Parkplätze vor den Häusern haben oder wären Spielplätze nicht schöner“, fragte er in die Runde. Zu der gehörte auch Heino Näth, Vorstand der Burger Wohnungsbaugenossenschaft, die ein Kooperationspartner der AWO in diesem Projekt ist. „Ich werde eher nach den Parkplätzen als nach Spielplätzen gefragt“, sagte er.

Bilder

Der Stadtteil sei überaltert, stellte Rehbaum fest. Um einen besseren Generationenmix zu erreichen, müssten aber auch Angebote für Jüngere und junge Familien vorgehalten werden. Ohne die Senioren zu vergessen. „Wir haben zwar nicht das Geld, um es zu ändern, aber man muss schon sagen, dass viele Bürgersteige nicht rollator- und rollstuhlgerecht sind“, kritisierte er.

Es ging nicht nur um Spiel-, sondern auch um Sitzplätze. „Man könnte noch einige Bänke aufstellen“, fand die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Karina Cleve. Gut könnte sie sich die an einer der Bücherboxen vorstellen, dann hätte man auch Zeit, sich die Bücher in Ruhe anzusehen, oder auf einer der zahlreichen Grünflächen.

Reichhaltige Einkaufsmöglichkeiten

Es wurden aber auch einige blaue Punkte für die positiven Orte verteilt. Dazu gehörten die reichhaltigen Einkaufsmöglichkeiten und der nahegelegene Weinberg mit seiner Gartenanlage und den kulturellen Veranstaltungen im Sommer.

Für Josephine Tetzner ist das Projekt auch ein Kennenlernen des Stadtteils. Bald wird sie aber auch zur Nachbarschaft gehören. Im Herbst plant die AWO ein Stadtteilbüro in der Wilhelm-Kuhr-Straße zu eröffnen.

Hoffnung auf Anwohnerbeteiligung

„Es war ein gelungener Auftakt für eine erste Bestandsaufnahme der Wünsche und Bedarfe der Menschen vor Ort. Das eigene Zuhause und die Nachbarschaft sind für das Wohlbefinden der Menschen von großer Bedeutung“, fasste Steffi Schünemann, Vorstandsmitglied der AWO Sachsen-Anhalt, zusammen. Einzig bei der Zusammensetzung der Spaziergänger könnte noch ein Wunsch offen sein. Vier Verwaltungsmitarbeitern und drei Vertretern der AWO standen lediglich drei Anwohner gegenüber. Doch Josephine Tetzner strahlt Optimismus aus. „Wir stehen erst am Anfang und wir werden Ende August, Anfang September noch mit anderen Formaten die Ideen der Anwohner sammeln“, kündigte sie an.