Burg/Genthin l Einig sind sich alle Beteiligten nur in einem Punkt: So wie es ist, kann es nicht weitergehen. Aus Gründen von Brandschutzmängeln, zu wenig Personal, zu wenig Besuchern. Bleibt die Frage nach dem Wohin – und dem Wieviel.

Denn: Lange kann das Kreismuseum in seiner derzeitigen Form im Gebäude in der Mützelstraße nicht bleiben. Deutliche Mängel im Brandschutz ziehen dem Landkreis die zeitlichen Daumenschrauben an. Deshalb hatte die Kreisverwaltung ein externes Planungsbüro zur Analyse der derzeitigen Situation und potenziellen Verbesserungsvorschlägen mit ins Boot geholt.

In der letzten Sitzung des Ausschusses für Bildung und Kultur präsentierte Ruudi Beier von „Beier + Wellach Projekte“ das umfassende Ergebnis. Drei Varianten hat das Planungsbüro aus Berlin dafür durchgespielt. Von der Dreiteilung als Jerichower Land Museum, bestehend aus Verwaltung mit Archiv in der Mützelstraße, einem Standort im Kreishaus sowie einem weiteren im Kloster Jerichow, über die Konzeption des Gebäudes in der Mützelstraße als Standort für wissenschaftliches Arbeiten mit Nutzung eines mobilen Museumsbusses bis zur Komplettsanierung des Bestandsgebäudes zur weiteren Nutzung als Kreismuseum.

Kloster oder Kreishaus?

Denn die Qualität der Sammlung sei durchaus hoch, wie Planer Ruudi Beier erklärte. Aber: „Trotzdem sinken die Besucherzahlen.“ Seiner Analyse zufolge sei die Dauerausstellung mit insgesamt 25.000 Ausstellungsstücken zu unübersichtlich, die Möglichkeiten durch die alleinige Besetzung von Antonia Beran im Bereich Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Zusammenstellung von Sonderausstellungen mehr als eingeschränkt.

Deshalb sei neben dem dringenden Bedarf einer weiteren Fachkraft eine „Öffnung“ des Museums nötig. Konkret bedeutet das: Statt einer Dauerausstellung in der Mützelstraße soll das Gebäude als Verwaltungsitz mit Archiv dienen, aus dem dann Sonder- und Wanderausstellungen bestückt werden sollen. Ergänzen soll das Archiv das Kreishaus als öffentlichen Ausstellung- und Veranstaltungsort. Zusätzlich soll die Alte Scheune des Klosters Jerichow als „Infobox“ des Landkreises dienen. Hier könnte der Kreis den Synergieeffekt des bereist touristisch etablierten Klosters mit knapp 30 000 Besuchern im Jahr nutzen.

Mobiler Museumsbus

Aber: Diese Pläne bedürfen in der Umsetzung teilweise mehrerer Jahre und variieren stark in den Kosten. Das Gebäude in der Mützelstraße müsste für eine Weiternutzung saniert werden. Das Planungsbüro schätzt die Kosten auf rund 5,4 Millionen Euro. Für die Nutzung als Verwaltungssitz mit Archiv und Betrieb eines mobilen Museumsbusses rechnet das Vorkonzept mit rund 1,2 Millionen Euro. Das modulare Jerichower Land Museum mit Kreishaus und Nutzung der Alten Scheune schlägt mit knapp zwei Millionen Euro zu Buche.

Landrat Steffen Burchhardt (SPD) favorisiert deshalb in einem ersten Schritt die Umsetzung eines mobilen Museumsbusses, der unter anderem zu geschichtlichen Unterrichtseinheiten die Schulen im Landkreis besucht. „Damit können wir eine Masse an Besuchern mit vertretbarem Aufwand erreichen.“

Auch Museumsleiterin Antonia Beran favorisiert einen Bus – allerdings für die Beförderung potenzieller Besucher hin zum Kreismuseum in der Mützelstraße. Sie orientiert sich dabei am Modell des Theaterbusses des Altmärkischen Theaters. In Form eines Bus-Abos ist die Fahrt zum Theater in zwei Routen inkludiert. „Das könnte ich mir auch gut bei uns vorstellen“, so die Museumsleiterin.

Aufteilung des Museums

Beran persönlich würde die Dauerausstellung gerne beibehalten. Das Feedback der Besucher – festgeschrieben im Besucherbuch – zeige, dass diese auf gute Resonanz stoße. Ob dies rentabel ist, steht aktuell auf einem anderen Blatt. So hatte Planer Ruudi Beier im Ausschuss für Bildung und Kultur mit Blick auf die weiter sinkenden Besucherzahlen und dem gehobenen Anspruch an Museen, den viele Besucher mit sich brächten, noch einmal betont: Eine Dauerausstellung sei in der bestehenden Form nicht rentabel für das Museum.