Burg l Mit einer neunstündigen Arbeitsniederlegung und dem nunmehr dritten Warnstreik haben etwa 50 Beschäftigte der Constellium Extrusions GmbH am Mittwochnachmittag den Druck auf die Geschäftsführung erhöht, den Tarifvertrag in der Elektro- und Metallindustrie anzuerkennen und wieder dem Arbeitgeberverband beizutreten. Mit dem Abschluss, der eine Einmalzahlung von 100 Euro und eine Lohnsteigerung von 4,3 Prozent vorsieht, würden den Mitarbeitern in Burg nun 113 Euro pro Monat vorenthalten, sagte IG Metall-Bevollmächtigter Axel Weber. Er machte deutlich, dass die Gewerkschaft gesprächsbereit, „aber die Sturheit der Arbeitgeber angesichts steigender Gewinne“ nicht akzeptabel sei. „Wir sind hier nicht der billige Jakob“, rief er den Streikenden auf dem Parkplatz des Unternehmens zu und erntete reichlich Applaus.

„So kann es jedenfalls nichts weitergehen“, pflichtete Ingolf Meyer bei, der die rote IG-Metall-Fahne über Stunden fest in der Hand hielt und sich über die „Zusammengehörigkeit der Kollegen“ mächtig freute. Das wäre vor einem Jahr noch nicht möglich gewesen, meinte der Detershagener Ortsbürgermeister und erinnerte, dass der Austritt des Firma aus dem Arbeitgeberverband eine Woche vor Heiligabend im vergangenen Jahr „kein schönes Weihnachtsgeschenk“ war. „Und das, obwohl jeder sein Bestes gibt und Zusatzschichten gefahren werden.“

Auftragsbücher sind voll

Diese Art des Umgangs versteht auch die Betriebsratsvorsitzende Andrea Wedler nicht. „Die Auftragsbücher sind voll, die Qualität stimmt.“ Es gebe keinen Grund so zu tun, als würde der Standort Burg nicht wirtschaftlich arbeiten, sagte die Magdeburgerin. Für sie wie auch andere Mitarbeiter stehe die Richtung fest: „Es wird aus jetziger Sicht zu einem richtigen Streik kommen. Die Verantwortung dafür trägt der Arbeitgeber.“ Diese Art des Arbeitskampfes sei indes eine andere Dimension, machte Gewerkschaftsfunktionär Thomas Müller aus Hannover deutlich. Er sprach Klartext: „Kollegen, es kann auch ekelig werden. Der Arbeitgeber wird mit etlichen Tricks versuchen, das zu verhindern oder den Arbeitskampf direkt zu torpedieren.“ Müller appellierte an die Burger, zusammenzustehen und sich nicht einschüchtern zu lassen. „Wenn dies gelingt, werden wir unsere Ziele letztlich auch durchsetzen können.“

Gegenseitige Unterstützung

Von Vorteil für die Einigkeit sei, dass die Mitarbeiter in den anderen deutschen Standorten Landau (Baden-Württemberg) und Crailsheim (Rheinland-Pfalz) genauso betroffen seien und auch dort der Arbeitgeberverband verlassen wurde. „Wir stehen in Kontakt und unterstützen uns“, sagte Axel Weber, der Grüße aus den beiden Bundesländern übermittelte. Und weil alle Schritte gemeinsam abgestimmt werden, strebe die Gewerkschaft nun für alle drei Standorte auch eine gemeinsame Tarifkommission an, sagte Weber. Michael Magel gehörte gestern auch zu denen, die sich am Warnstreik beteiligten. „Ich glaube, wir sind fest entschlossen, unseren Weg zu gehen.“

Weder in Burg noch in der Konzernzentrale in Paris reagierten die Geschäftsführungen auf Anfragen der Burger Volksstimme.