Hobeck l Wie heißt es doch so schön beim Aschenputtel: „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.“ Nun, in der Taubenzucht ist es eher andersherum: Die Tiere mit den meisten Erfolgsaussichten bei den Rassegeflügelschauen kommen erstmal nicht in den Topf. Stattdessen werden sie aussortiert, gehegt und gepflegt, dann stolz einer fachkundigen Öffentlichkeit gezeigt.

Einer, der schon seit langem nicht mehr nur auf Kreis- und Ortsschauen ausstellt, ist Bernd Sanftenberg aus Hobeck. Seit Jahren hat er sich auf eine besondere Taubenrasse spezialisiert, die Schweizer Tauben. Am meisten haben es ihm die „Luzerner Einfarbigen weiß“ und die „Luzerner Weißschwanz schwarz“ angetan.

Regeln für "perfekte Taube"

Derzeit erfolgt in seinen Volieren in Hobeck die Selektion für die im Jahr 2019 anstehenden Schauen. Tiere mit Schönheitsfehlern, bei denen die Jury keine Gnade kennen würde, kommen gar nicht erst in die engere Auswahl. Bis zum Oktober, nach der Mauser, wird eine weitere Auswahl getroffen. Am Ende werden es durchschnittlich zehn bis 15 Tiere sein, die Sanftenberg pro Ausstellung zeigt.

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Mit dem Zusammenführen ausgewählter Elterntiere kann der Züchter schon früh, also vor dem Ei, Einfluss auf die Eigenschaften der Nachkommen nehmen. Wie „die perfekte Taube“ auszusehen hat, geht aus den Richtlinien hervor, die meist von Sondervereinen festgelegt werden und bei den Ausstellungen von der Jury gefordert werden.

Züchter erkennt gute Tiere

Bernd Sanftenberg bringt eine kleine Nestschale. Darin liegen zwei kleine Küken für eine Schau im Januar. Ob diese Tierchen einmal Luzerner Einfarbigen weiß oder Luzerner Weißschwanz schwarz sein werden, vermag der Laie in diesem Zustand noch nicht zu erkennen. Der Züchter kann hingegen schon nach gut drei Wochen am „Kiesel“ erkennen, ob das Tier für eine Schau geeignet sein könnte. Der Kiesel ist der Ansatz der späteren Spitzkappe, welche charakteristisch für Schweizer Tauben ist.

Im Jahr 2018 hat der Hobecker zahlreiche Preise einheimsen können. „Bördesieger“ bei der Bördelandschau ist er zum Beispiel geworden. „Dorthin wurde ich eingeladen, obwohl ich ihnen schon öfter Pokale weggeschnappt habe“, schmunzelt der Zuchtfreund. Landesmeister wurde er auf der MiRaMa in Magdeburg und Bundessieger bei der Bundesschau in Leipzig. Auch bei der Schau des Ortsvereines Hobeck holte er sich den Vereinsmeister. Den letzten Titel des Jahres 2018 gab es erst im Jahr 2019: Champion ist er geworden bei der Hauptsonderschau des „Schweizer-Tauben-Verbandes“. „Die Auswertung erfolgt dort immer erst spät“, erklärt Bernd Sanftenberg, nämlich bei der Jahreshauptversammlung des Verbandes.

Liebe zur Taubenzucht

Spannend ist, wie Bernd Sanftenberg zu seiner Lieblingsrasse gefunden hat. Die Liebe zur Taubenzucht hatte der Hobecker früh vom Vater geerbt. „Irgendwann hat mich gestört, dass alle die gleiche Rasse züchten“, erinnert sich Sanftenberg an die 1980er-Jahre. Ausgiebiges Blättern in einschlägigen Katalogen folgte. Und hier entdeckte Sanftenberg die „Spitzkappen“ für sich.

Doch wie kam man als DDR-Bürger an Schweizer Tauben heran? „Mit geschmuggeltem Zuchtmaterial aus der Schweiz“, verrät Sanftenberg. Tausch wurde übrigens in beide Richtungen praktiziert, denn auch die hiesigen Zuchtfreunde hatten gutes Zuchtmaterial zu bieten.

Seit 1986 Mitglied im Verein

Bereits 1952 gründeten Liebhaber der Schweizer Tauben in Erfurt die Sonderzuchtgemeinschaft (SZG) Schweizer Tauben in der damaligen DDR. 1986 wurde auch Bernd Sanftenberg Vereinsmitglied.

Bekanntlich hat sich der deutsch-schweizer Grenzverkehr erheblich vereinfacht. Bernd Sanftenberg und Gattin Petra haben mit den Jahren Freundschaften zu Familien in der Eidgenossenschaft mit gleichem Hobby aufgebaut.

Schweizer Armee setzt Brieftauben ein

Interessant ist, wie die Schweizer Armee ihre bis Ende der 1990er Jahre eingesetzten Brieftauben laut Dienstvorschrift definierte: „Selbstreproduzierende Kleinflugkörper auf biologischer Basis mit festprogrammierter automatischer Rückkehr aus beliebigen Richtungen und Distanzen“.