Biederitz l Tote Tiere von der Straße zu holen und gemeinsam mit den Behörden einen Besitzer auszumachen ist nicht gerade ein gängiges Hobby. Es ist viel mehr eine Herzensangelegenheit, die aktuell rund 20 Mitglieder des Tierbergungsteams Sachsen-Anhalt umtreibt.

Aus Liebe zum Tier

Ganz neu dabei ist zum Beispiel Manuela Teich aus Biederitz. Es ist gerade erst ein paar Wochen her, als sie an der B 1 eine tote Katze fand. Da sie nicht sofort anhalten konnte, kehrte sie nach kurzer Zeit mit einem Karton und Handschuhen zurück, wollte das Tier von der Straße holen. „Vielleicht hätte er gerettet werden können, wenn gleich jemand angehalten hätte“, so die 35-Jährige.

Später erfuhr sie, das Pablo, so der Name des Katers, bereits ins Gebüsch gelegt worden war. So entstand der Kontakt zum Tierbergungsteam.

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Alle notwendigen Telefonnummern parat

Ihre Motivation mitzumachen rührt vor allem von der Tierliebe her. „Ich bin Mitglied im Team, da ich es selbst auch nicht ertragen könnte, wenn meinem Hund was zustieße und ich nicht erfahren würde, was mit ihm passiert ist“, so die Besitzerin von Ares, einem Yorkshire-Terrier.

„Mutti“ des Projektes, wie sie sich selbst auf Facebook vorstellt, ist Swetlana März. Sie ist in Bitterfeld-Wolfen, Zörbig, Sandersdorf-Brehna und Raguhn-Jeßnitz unterwegs.

Nicht alle Gegenden abgedeckt

„Die Bürgermeister von Zörbig und Sandersdorf-Brehna kennen mich persönlich. Ich habe alle notwendigen Telefonnummern von den Bauhöfen in meinem Bereich. Auch die Feuerwehr Bitterfeld-Wolfen informiert mich, wenn sie einen Katzen-Totfund vor mir einsammeln“, beschreibt sie die gute Zusammenarbeit mit zuständigen Stellen.

Aktuell befindet sich das Team noch im Aufbau. „Leider sind immer noch einige Gegenden nicht abgedeckt und viele wissen in den neu dazugekommenen Bereichen noch nicht von uns“, so März.

Keine Wilderei, aber Diebstahl

Bei einem geplanten Treffen Ende August in Sandersdorf sollen offene Fragen zur Bergung geklärt werden. Welche Behörden sind noch in Kenntnis zu setzen? Wie könnte eine Zusammenarbeit mit den Veterinärämtern funktioneren?

„Wir wissen auch nicht, ob der gelegentliche Transport durch uns gestattet ist. Ist ja keine Wilderei, weil kein Wildtier, aber möglicherweise Diebstahl. Das müssen wir klären“, sagt März über eine wichtige Grundlage für die rechtlich sichere Bergung durch das ehrenamtliche Team.

Zu klären ist auch, ob im Notfall eine Genehmigung von offizieller Stelle nötig ist. „Ist alles schwierig, da wir kein Verein sind, sondern Privatpersonen.“

Professionelles Know-How

Das Engagement ist in diesem Bereich vielerorts auf Vereinsfüße gestellt. Ein Beispiel für ein deutschlandweit agierendes Netzwerk ist zum Beispiel der Webauftritt des Vereins „Tote Hunde“. Hier ist Nadine Jungtorius Ansprechpartnerin für Sachsen-Anhalt.

Die junge Frau aus dem Salzlandkreis kommt aus einer sehr tierlieben Familie. Ihre Eltern sind im Tierschutz aktiv, teils auch als Pflegestelle im Einsatz. „Daher kenne ich die Angst davor, einen Hund durch Entlaufen zu verlieren“, sagt sie.

Gefahren auf Straße und Gleis

Seit 2003 ist Jungtorius beim Technischen Hilfwerk aktiv und zusätzlich seit 2015 bei der Freiwilligen Feuerwehr. „Ich kenne die Gefahren, die auf Straße, Autobahn und Gleis für die Tiere lauern und habe durch diese Tätigkeit des Öfteren auch lockeren Kontakt mit unseren Behörden vor Ort.“ Beste Voraussetzungen um die Bergung von Totfunden auch fachmännisch zu unterstützen.