Burg l „Ich habe mal eine Jagd begleitet und dabei den Todeskampf eines Rehs miterlebt, der dauerte 40 Sekunden“ erzählt Hans Jürgen Rusczyk und schaut dabei nachdenklich auf eine der letzten Aufnahmen von einem seiner langjährigen Begleiter – Keiler Rambo. „Ich habe ihn Rambo getauft, wegen seiner enormen Größe“, erzählt der Tierfilmer.

Der Keiler wurde in den vergangenen Jahren eines seiner liebsten Videomotive, tauchte immer wieder auf, wenn Rusczyk seine Filmausrüstung platzierte. Rambo, der mit seinen massiven Hauern und einem üppigen Gewicht von über 200 Kilogramm beeindruckt und Respekt einflößt. Oder besser: Beeindruckt hat. Denn: Rambo wurde getötet.

Tragischer Tod

„Bei der letzten Drückjagd wurde Rambo erschossen. Erst vor Kurzem. Das hat mich sehr getroffen“, erzählt Rusczyk. Der bekannte Burger Tierfilmer sagt, er könne kein Jäger sein. „Mir tut es weh, wenn ein Schuss fällt“, so Rusczyk.

Tag und Nacht stellte er vier Jahre lang im Burger Erlenbruch seine Wildtierkamera auf, um Bilder von dem ungefähr sieben Jahre alten Keiler zu machen. „Er war ein Einzelgänger, daran habe ich ihn immer erkannt. Natürlich auch an seiner Größe. Manchmal habe ich ihn auch im Schilf gehört“, erinnert sich Rusczyk.

Liebe zu Tieren stammt aus Kindheit

Verständnis für die Jagd habe er nur, wenn es sich um eine Plage handelt, von Tieren, die in der Region eigentlich nicht ansässig seien und nur eingeschleppt wurden, so Rusczyk weiter.

Als er von Rambos Tod hörte, sei es ihm durch Mark und Bein gegangen. „Natürlich habe ich in den vergangenen Jahren eine Beziehung zu ihm aufgebaut, so oft wie ich ihn gesehen habe. Er war ein sehr vorsichtiger Keiler – hat immer Abstand gehalten. Ich denke, er war ein sehr schlaues Tier“, erinnert sich Rusczyk an Rambo zurück.

Keilerfleisch lohnt sich nicht

Der Keiler habe sich zurückgezogen, da er in der Vergangenheit wahrscheinlich schon mehrfach von Jägern angeschossen wurde, mutmaßt Rusczyk. „Dabei kann man das Fleisch vom Keiler gar nicht essen. Das schmeckt nicht. Es geht dabei nur um die Trophäe“, erzählt der Burger.

Er sei als Kind auf dem Bauernhof groß geworden und für die Versorgung der Tiere zuständig gewesen, daher stamme seine Faszination für Tiere, erzählt Rusczyk.

Prägende Erfahrungen

Vor vielen Jahren hatte sich die Möglichkeit ergeben, mit dem berühmten Burger Verhaltensforscher und Tierfilmer Heinz Meynhardt zu filmen. Dies sei eine Erfahrung gewesen, die ihn sehr geprägt hat, erzählt Rusczyk.

Er gründete daher den Verein „Freundeskreis Dr. Heinz Meynhardt“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Erbe des Forschers zu bewahren. Außerdem setzte sich Rusczyk für ein Denkmal in Burg ein, welches die Arbeit von Meynhardt ehrt. „Wir zeigen Filme von Meynhardt in Verbindung mit Vorträgen. Zum Beispiel in Schulen, Kindertagesstätten oder bei Jagdgesellschaften“, erzählt Rusczyk.