Möser l Der Hass auf Tiere hört in der Gemeinde Möser nicht auf. Nachdem im vergangenen Jahr mehrere Hunde durch Giftköder getötet oder schwer verletzt wurden, trifft es nun Katzen. Statt Giftködern sind es Geschosse, die den Tieren Schaden zufügen.

Tatort: der Kirchweg in Möser, in unmittelbarer Umgebung der Mehrfamilienhäuser. Hier ist auch Nicole Bajohr mit ihren drei Katzen seit sieben Jahren zu Hause. „Bisher gab es nie Probleme mit meinen Katzen. Ich habe auch mit niemandem Ärger und komme mit allen gut aus. Ich weiß mir einfach nicht mehr zu helfen“, erzählt die 45-Jährige.

Zwei Fälle

Für sie begann der Albtraum am 17. April. „Mein Kater Charly Brown wurde damals in den Kopf geschossen. Das Projektil ist in der Schädeldecke stecken geblieben und musste vom Tierarzt operativ entfernt werden. Meine Charly ist seit dem nicht mehr derselbe“, berichte Bajohr.

Nachdem der Schock über soviel Hass auf Tiere überwunden war, erstattete sie eine erste Anzeige bei der Polizei. Dabei wollte es Bajohr aber nicht belassen. Sie fertigte Flugblätter an, verteilte diese in der Nachbarschaft. „Ich wollte den Täter einschüchtern, ihn direkt ansprechen und zugleich habe ich auf wachsame Nachbarn gehofft“, erzählt sie weiter. Auf dem Flugblatt stand: „Bitte bedenken Sie, dass es hier auch Kinder gibt, und jemand läuft mit einer Waffe hier herum.“

Täter schlägt erneut zu

Genutzt hat das allerdings nichts. Vor fünf Tagen schlug der Täter erneut zu. Diesmal erwischte es die zweijährige Katze „Pina“ am Oberschenkel.

Auch Pina gehört Nicole Bajohr, die sich jetzt um ihre drei Katzen sorgt. „Der Tierarzt hat einen glatten Durchschuss vom Oberschenkel zum Unterschenkel festgestellt“, berichtet Bajohr und erzählt weiter: „Pina hatte bisher einen Lieblingsplatz, der war an oder unter meinem Auto. Seit sie angeschossen wurde, meidet sie diesen Platz, bleibt in meiner Nähe und das, obwohl sie von klein an immer dort gelegen hat.“ Bajohr, die Pina um 7.30 Uhr mit einer frisch blutenden Wunde auf ihrer Terrasse gefunden hatte, schlägt nun Alarm: „Ich kann meine Katzen doch nicht von heute auf morgen einsperren. Das sind sie gar nicht gewohnt. Sie sind schon immer draußen unterwegs, kommen nur zum Schlafen in die Wohnung. Ich muss sie raus lassen, kann dann nur beobachten und hoffen“, meint sie verzweifelt.

Dass die Katzen allesamt sterilisiert und kastriert sind, wüssten alle im Umfeld – außer vielleicht neu Zugezogene.

Verstoß gegen Tierschutzgesetz

Der zuständige Regionalbereichsbeamte, Polizeihauptmeister Steffen Zarschler, der die Anzeigen aufgenommen hat, erklärte auf Nachfrage: „Laut Gesetz handelt es sich bei den Taten um eine Sachbeschädigung, weil Tiere als Sache ansehen werden. Ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und andere Straftaten könnten hier aber dazu kommen.“

Für die Katzenbesitzerin kommt es aber nicht auf die rechtliche Einordnung der Taten an, sondern darauf, dass ihre Katzen weiterhin draußen umherstreifen können, ohne Gefahr laufen zu müssen, angeschossen oder tödlich verletzt zu werden.

Ein in dem Bereich bekanntes Fuchsproblem schließt die Polizei als Ursache zumindest aus. „Ein Fuchs und eine Katze sind doch deutlich unterscheidbar“, heißt es dazu von Zarschler.

Die Polizei jedenfalls hat Spuren gesichert und Aufnahmen gefertigt, die nun dabei helfen sollen, den Standort des Schützen zu ermitteln. Ob noch weitere Katzen oder andere Tiere Opfer des Schützen wurden – dazu gibt es bisher keine Hinweise.

Für Bajohr aber bleiben die Ungewissheit und die Tierarztkosten, die belaufen sich mittlerweile auf rund 250 Euro.