Schartau l „Das ist so gemein.“ Im Tierheim ist eingebrochen worden, 300 Euro fehlen in der Kasse. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein und brauchen jeden Cent “, ärgert sich Leiterin Astrid Finger auch Tage später noch. „In Niedersachsen sollen einige Einrichtungen ungebetenen Besuch gehabt haben, in Sachsen-Anhalt sind wir offenbar die Zweiten.“ Tierheime seien gut vernetzt, wüssten, was anderswo passiere. Die Leiterin: „Ob da vielleicht sogar eine spezialisierte Gruppe unterwegs ist, wissen wir nicht. Es muss sich aber um jemanden handeln, der sich auskennt.“ Das Tierheim in Schartau sei durchgehend besetzt, in besagter Nacht einmal nicht.

Spuren gesichert

Polizeisprecher Falko Grabowski in Burg kennt den Fall. „Die Spuren wurden gesichert, das ganz normale Prozedere.“ Inwieweit diese Spuren aus dem Gebäude ausreichen und die Kollegen in Richtung organisierter Kriminalität ermitteln lassen, sei noch unklar. Momentan gebe es keine Erkenntnisse, dass womöglich sogar eine Bande gezielt in Tierheime einbreche. Auszuschließen sei das aber nicht, die Ermittlungen liefen, sagt Grabowski der Volksstimme.

Finanzieller Kraftakt

Dass bei dem Einbruch keine Tiere zu Schaden kamen, ist für Finger die gute Nachricht. Sie widmet sich nun wieder dem Tagesgeschäft und plant zwei Investitionen, die für den Tierschutzverein Burg und Umgebung, dem Träger der Einrichtung, ein finanzieller Kraftakt sind. Mindestens 10.000 Euro soll ein größeres Gehege kosten, in dem Finger vor allem Wildtiere unterbringen möchte. „Wir bekommen immer wieder einmal Notfälle: verletzte Greifvögel, angeschlagenes Wassergeflügel oder junge Waschbären, auch Rehe bleiben für einige Zeit bei uns.“ Wildtiere zu pflegen und ihnen eine Zukunft zu geben, sei besonders schwierig.

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Das Gehege soll mindestens 20 Meter lang und vier Meter breit sein und sich in drei Volieren teilen lassen. „Es muss engmaschig sein und eine Schleuse haben, damit beim Betreten ja kein Tier türmen kann.“ Eine Fachfirma werde das Gehege bauen. „Noch in diesem Jahr soll das Projekt umgesetzt sein. Vielleicht wird es ja sogar ein Weihnachtsgeschenk“, wünscht sich Finger, die auch Vorsitzende des 1990 gegründeten Vereins mit aktuell 100 Mitgliedern ist.

Quarantäne

Investieren will der Verein auch in die Quarantäne für Großtiere. Spezielle Aufstellboxen sollen angeschafft werden. Was sie kosten, lasse sich noch nicht sagen. In die Kleinställe, ähnlich groß wie Pferdeboxen, sollen große Neuankömmlinge. „Pferd, Rind, Schaf und Schwein bleiben dort einige Zeit, werden vom Veterinär untersucht und später in den Bestand eingeordnet.“ Die acht Angestellten kümmern sich derzeit um 80 Hunde und 70 Katzen sowie um mehr als ein Dutzend Huftiere, die in der nahen Umgebung auf Weiden stehen. „Bei der Quarantäne für Hund, Katze und Kleintiere wie Chinchilla, Ratte und Kaninchen sind wir schon gut.“

Die Tierschützerin befürchtet, dass die neuen Quarantäneboxen schon dieses Jahr häufiger zum Einsatz kommen. „Durch die extreme Trockenheit steht kaum Gras auf den Weiden. Zudem wird vermutlich das Heu knapp, die Preise steigen. Das könnte dazu führen, dass einige Halter ihre Tiere nicht mehr richtig versorgen können oder wollen.“ Aus der Erfahrung heraus rechnet Finger mit Notfällen. Zwischen Behörden und Tierheim gebe einen kurzen Draht, die Zusammenarbeit funktioniere.

Zahlreiche Dauerspender

Verein und Tierheim haben einen Jahresetat von ungefähr einer Viertelmillion Euro und erfüllen die Aufgaben der öffentlichen Hand. Vom Landkreis kommen jährlich 40.000 Euro, von der Stadt Burg 60.000 Euro. Verträge gibt es auch mit den Gemeinden Gommern, Biederitz, Möckern und Möser. Alles fließt in einen Topf. „Wir haben auch zahlreiche kleine Dauerspender und größere Firmen, die uns unterstützen.“ Kommunale Mittel, Spenden, Geld aus Vermittlung und hauseigener Pension für Tiere, deren Besitzer unterwegs sind – Finger zieht einen Strich unter allem und sagt: „Wir sind finanziell gesund. Wir sind eines der wenigen Tierheime, die nicht permanent von der Schließung bedroht sind.“

Mindestens 80 Prozent der aufgenommenen Hunde seien recht unkompliziert, der Rest mache mehr Arbeit. Im Durchschnitt vermitteln die Schartauer im Jahr 250 Hunde, Katzen vielleicht 150. „Das ist insgesamt eine sehr gute Quote“, findet Finger. Das Tierheim sei auch immer wieder mal im Ausland im Einsatz.