Burg l Für Radfahr-Legende „Täve“ Schur steht fest: „Autofahren ist verlorene Lebenszeit. Es sollten noch viel mehr Leute auf den Sattel umsteigen.“ Nun: Ganz ohne Fahrzeuge funktioniert die Wirtschaftswelt weder im Großen noch im Kleinen, aber Radfahren wird nach Angaben von Tourismusverbänden auf jeden Fall immer beliebter. Diese Erfahrung habe der Landkreis auf der Landesgartenschau (Laga) in Burg nahezu täglich gemacht.

Klasse statt Masse

Im und am Pavillon sei mit mehr als 30.000 Besuchern gesprochen worden. „Und das Thema Radtourismus mit seinen Möglichkeiten bei uns stand ganz oft im Vordergrund“, resümiert Landrat Steffen Burchhardt (SPD). „Das ist für uns ein gewichtiger Grund, den Ausbau des Radwegenetzes in kommenden Jahren zu forcieren“, kündigt der Landrat an. Denn immer mehr Menschen würden Aktiv-Urlaube auch in Sachsen-Anhalt nutzen „und finden auch im Jerichower Land dafür viele Möglichkeiten“. Ob das Kloster Jerichow im Norden, den Fiener Bruch mit dem Trappenschutzgebiet im Osten oder das Wasserstraßenkreuz Magdeburg im Westen – viele Touren seien lohnend und touristisch interessant. Und weil das so ist, will der Landkreis bei künftigen Planungen von Radwegen nicht auf Masse setzen, sondern verstärkt auf Klasse. „Wir wollen dort investieren, wo sich spezielle Touren anbieten, die für Radfahrer erlebbar sind. Das macht den Kreis dann auch insgesamt erkennbarer“, begründet Burchhardt.

Radfahren als Lebenselixier

Worte, die „Täve“ Schur gern hört. Für den 87-Jährigen ist das Radfahren eine Art Lebenselixier. „Ohne geht es nicht“, sagt er kurz und knapp. Touren über Wörmlitz, Möckern und wieder zurück zum Heimatort Heyrothsberge gehören für den ehemaligen Leistungssportler zum Alltag „und halten natürlich auch fit“. Schon deshalb sei es richtig, den Ausbau von Radwegen auf der Vorhaben-Liste des Landkreises ganz nach oben zu setzen. „Jeder Meter Radweg zählt“, versichert Schur – und freut sich gemeinsam mit dem Landrat, wie viele muntere Radler den Radweg an der Trogbrücke bei Hohenwarthe passieren, am Parkplatz eine Rast einlegen und meist mit Handys das gigantische Bauwerk fotografieren. „Damit können wir mehr als punkten“, sagt Burchhardt. Um den Aufenthalt auf der Elbseite des Jerichower Landes noch angenehmer zu gestalten, ist auch eine engere Kooperation mit der Gemeinde Möser geplant. „Zugleich sind wir aber auch mit allen anderen Kommunen im Gespräch, um den Ist-Zustand zu analysieren und Wünsche aufzunehmen.“ Dies sei Voraussetzung für ein schlüssiges Endkonzept, für das dann Fördermittel eingeworben werden sollen.

Bilder

Handliches Reisebuch

Einen Volltreffer habe der Landkreis bereits mit dem kürzlich aufgelegten Reisebuch und einer speziellen Reisekarte gelandet. Allein das 50-seitige Reisebuch – in A5-Form eher eine handliche Broschüre – bietet allein 32 Ausflugsziele von Jerichow bis Leitzkau. Darunter auch lokale Besonderheiten, die oftmals nur wenige Meter abseits von Dörfern zu finden sind, wie das Hühnengrab bei Körbelitz oder der Hochseilgarten Friedensau. Eingebettet mit Hinweisen, wie Touristen dorthin kommen und ob man dort Essen und Trinken könne, kann unkompliziert entschieden werden, ob sich ein Ausflug lohnt. Reiseleiterin Jana Lenz hat in diesem Heftchen die wesentlichsten Merkmale zusammengefasst – prägnant und einprägsam.

QR-Code für die App

Ebenso interessant, nur etwas kompakter ist die Reisekarte durch das Jerichower Land mit zehn Rundtouren, die je nach Interessenlage ausgesucht werden können. In der Faltkarte ist zugleich der so genannte QR-Code für die App „Naturfreude erleben“ enthalten. Somit können per Handy oder Tablet Routen angeschaut und auch zusammengestellt werden. Das ist praktisch, „weil der digitale Trend immer weiter zunimmt. Und darauf müssen wir als Landkreis reagieren“, sagt der Landrat.

Überhaupt könne jeder Interessierte Rundtouren publik machen oder auf Besonderheiten hinweisen. Dafür hat der Landkreis die E-Mailadresse radwege@lkjl.de eingerichtet. „Täve“ Schur jedenfalls könnte als erfahrener Radler viele Touren erläutern. „Ich mache es nur nicht per Internet, sondern bei vielen persönlichen Gesprächen unterwegs“, sagt er – und tritt mit dem Landrat in die Pedalen.