Biederitz/Körbelitz l Zum Gedenken an Gott wird das Lamm im Jerichower Land vermutlich eher selten geschlachtet. Seine Geschichte ist aber Teil des christlichen Osterfestes. Sie ist zurückzuführen auf ein Ritual der Juden zum Passahfest. Das Wort „passah“ steht dabei für „vorübergehen“.

Zeichen des Lebens und Friedens

Und so soll es gewesen sein: Als Gott den Erstgeborenen Ägyptens eine Plage schickte, die ihren Tod bedeutete, verschonte er die Israeliten. „Sie sollen etwas vom Blut nehmen und es auf die beiden Türpfosten und oben an den Türrahmen der Häuser spritzen, in denen sie das Lamm essen“, heißt es im Alten Testament. Das Blut sollte ein sichtbares Zeichen sein, sodass Gottes Plage an diesem Haus vorübergehen konnte. Darauf zurückzuführen wird zum Passahfest ein Lamm geschlachtet und gegessen. Es wird als Zeichen des Lebens verstanden.

Gleichzeitig steht das weiße Fell des Lammes auch sinnbildlich für Reinheit und Frieden. Das Osterlamm wirbt also für ein friedliches Miteinander der Menschen.

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Bei Andreas Karwatt, Schäfer aus Körbelitz, versteht man vor lauter „Mäh“ sein eigenes Wort nicht mehr. Daran haben auch die Lämmer in seiner Herde ihren Anteil. „Geht zu Eurem Kumpel“, ruft er Mutterschafen und Lämmchen zu, die sich zu weit von der Herde entfernt haben. Etwa 40 Lämmer sind es im Moment. Sie sind zwischen einem und zehn Tagen alt.

„Die Lämmerei geht jetzt erst richtig los“, erklärt der Schäfer, denn tatsächlich kommen zu Ostern verhältnismäßig viele Lämmer auf die Welt. Der Grund liegt in der Natur: Im Frühjahr haben sie gute Bedingungen. Die Tage werden länger und wärmer und das Weidefutter sorgt für eine gute Milchleistung der Mutterschafe. Überhaupt sei Freilandhaltung optimal, betont der Schäfer. Viel besser als Stallhaltung.

Von den Lämmchen, die gerade hinter der Ehlebrücke bei Biederitz durch die Gegend „mähen“, kommt kein einziges Ostern als Festmahl auf den Tisch. Dafür sind sie noch zu klein. Ein im Dezember geborenes Lamm kommt da in Frage oder ein einjähriges, empfiehlt Andreas Karwatt. „Das Fleisch von einem einjährigen Lamm ist besser“, weiß er aus langjähriger Erfahrung.

Regionales Fleisch kaufen

Der Schäfer vertritt auch das Prinzip der Regionalität und Nachhaltigkeit: Auch beim Lammfleisch sei es besser, Produkte vom regionalen Fleischer zu kaufen als aus Neuseeland und Australien importiertes Supermarkt-Fleisch. „Außerdem trägt das zum Erhalt der Schäferei bei“, sagt Karwatt. Und das ist insbesondere für Sachsen-Anhalt, als Land mit vielen Deichen wichtig. Denn: Für fast 50 Prozent der Deiche werden von Schäfereien gepflegt. „Für die Deich- und Landschaftspflege sind Schafe unersetzlich“, heißt es in einer Stellungnahme des Landtags. Tatsächlich lebt heute ein großer Teil der Schäfer von der Deichpflege.

Tatsächlich geht aber auch die Zahl der aktiven Schäferei zurück. 70 hat das Statistische Landesamt 2016 gezählt. Im Jerichower Land waren es 21 Betriebe mit insgesamt rund 3500 Schafen, darunter 2300 Mutterschafe, 1102 Tiere waren laut der Statistikbehörde des Landes unter einem Jahr alt.

Das Lieblingsrezept von Schäfer Andreas Karwatt geht übrigens so: Lammfleisch würzen und einen Tag in Buttermilch einlegen. Speck und Wacholder dürfen nicht fehlen. Dann das Fleisch abtropfen lassen und mit etwas Rotwein anbraten. Und schon ist das Festmahl fertig.