Burg l Ungewöhnliche Zeiten setzen oftmals viel Kreativität frei, geben neuen Ideen Raum. So auch bei der evangelischen Gemeinde in der Kreisstadt. Da auf Gottesdienste verzichtet werden musste, feierten die Christen in Burg das Osterfest einmal ganz anders. Kurz nach dem letzten Glockenschlag aus dem Haubenturm der Oberkirche erklangen durch die Fenster der ehemaligen Türmerwohnung ungewöhnliche Klänge: Die Turmbläser um Pfarrer Peter Gümbel spielten den Choral „Christ ist erstanden“. Sowohl am Denkmal „Zum Trommler“ als auch auf dem gesamten Breiten Weg standen in gehörigem Abstand zueinander Burger und sangen mit. Die Oberkirche selbst stand offen und lud die Menschen ein zum stillen Gebet.

Karfreitag und Ostern sind die höchsten Kirchenjahresfesttage“, erklärt Superintendentin Ute Mertens. Auf die Botschaft von Kreuz und Auferstehung begründe sich christlicher Glaube. Dass Jesus Christus für die Menschen am Kreuz gestorben und nach drei Tagen auferstanden sei, „ist das grundlegende Fundament für einen jeden Christen“. Diese Hoffnung verkörperten vor dem Altar aufgestellte Körbe mit Frühlingsblumen, Kreuzen aus Zweigen gebunden und viele andere Symbolen von Wiederkehr und Auferstehung. Hier legten die Besucher der Kirche Gaben aus der Natur ab und verharrten in einem kurzen Gebet. Dazu begleitete Kreiskantorin Cornelia Frenkel an der Orgel die Einkehr.

Neue Medien nutzen

„Wir nutzen die verschiedenen Medien mehr als vorher“, sagte Superintendentin Ute Mertens. Seien es die „Fünf-Minuten-Gottesdienste“ im Internet oder schriftliche Predigten - ebenfalls über das Internet zu erfahren. Briefe wurden an die Gemeindeglieder geschrieben oder Whats-App-Videos mit Andachten versendet, so Mertens. Mit dem Turmblasen erinnerten sich Gümbel und seine Ensemble-Mitglieder an den Auftritt zur Landesgartenschau. „Wir sagten uns, das könnten wir jetzt auch machen – Erfahrung haben wir ja“, so Pfarrer Gümbel. Und mit dem Spielen und Singen des Chorals wollten die Burger Gemeindeglieder den Charakter des Feierlichen, des Ernstes und der Würde des Festes aus der Kirche heraustragen und verbreiten.

Als Choral galt ursprünglich nur frühchristlicher Gesang. Nachdem der protestantische Choral entstanden war, verband man den Begriff mit einem schlichten Kirchengesang, der sowohl einstimmig durch die Gemeinde als auch vom mehrstimmigen Chor gesungen wurde. Luther griff zum Volkslied und unterlegte deren Melodien mit geistlichen Texten.

Anekdoten um Choräle

Manche Choräle, zum Beispiel „Ein‘ feste Burg“, sind jedoch direkt für die Kirche komponiert worden. Der Choralgesang soll Mut machen, Dank sagen und Gemeinschaft stiften. Daher ranken sich um Choräle zahlreiche Anekdoten. Zwei davon sind in die Geschichtsbücher eingegangen: Der Choral „Christ ist erstanden“, gesungen von dem Ordensritterheer in der Schlacht bei Tannenberg (1410) und der „Choral von Leuthen“, bei dem 25 000 Kämpfer der preußischen Armee nach der Schlacht den evangelischen Choral „Nun danket alle Gott“ sangen.