Burg/Genthin l „Die Laga hat bei uns eingeschlagen wie eine Bombe“ – Mirko Wittstock ist seit 1991 Leiter des Hotels „Villa Wittstock“ in Burg. Durchschnittlich 20 Gäste pro Tag habe er im Verlauf dieser Zeit gehabt – komplett ausgebucht von April bis Oktober.

Anstieg von acht Prozent

Die Landesgartenschau hat Burg viele neue Besucher gebracht – und die blieben häufig über Nacht. Das zeigen die Zahlen des Statistischen Landesamts Sachsen-Anhalt. Mit rund 137.000 Übernachtungen verzeichnet der Landkreis einen Anstieg von etwa acht Prozent im Gegensatz zum Vorjahr. Durchschnittlich zwei Tage blieben die Gäste in der Region.

Auch in Genthin zeigte sich der Einfluss der Landesgartenschau, wenn auch verhaltener, wie Helmut Müller vom Hotel & Restaurant Müller in Genthin weiß. „Von unseren Gästen haben wir insgesamt 30 bis 40 Pärchen zur Laga geschickt“, erklärt der 64-Jährige.

Laga-Effekt

Was aus seiner Sicht in Genthin eine weitaus größeren Einfluss auf die Zahl der Übernachtungen hatte – der Ausbau der Fahrradwege, besonders die Strecke zwischen Genthin und Jerichow. „Viele Gäste fahren jetzt nicht mehr über Tangermünde, sondern kommen auch zu uns in die Stadt“, so Müller.

Das bestätigt auch Marina Conradi, Leiterin der Tourist-information Genthin: „Im letzten Jahr hatten wir viele Anfragen aus dem Bereich Fahrradtourismus für Touren durch das Jerichower Land und im Bereich Genthin.“ Gerade für die Region Jerichow mit ihrem Kloster sei dieser Radweg ein wichtiger touristischer Knotenpunkt. Grundsätzlich sei Kartenmaterial nach wie vor gefragt, nicht nur bei den älteren Touristen. „Auch jüngere, eher Smartphone-affine Besucher fragen nach Karten“, so Conradi. Diese seien jedoch aus dem Jahr 2006, die neuen Wege also nicht verzeichnet. „Wir hoffen, dass hier bald nachgelegt wird“, so die Leiterin der Tourist-Info.

Zumindest die Smartphone-freudigen Radler sind vorerst versorgt. „Schon jetzt kann man Radtouren im Jerichower Land mit der App ‚Naturfreude erleben‘ planen und abfahren – inklusive Höhenprofil, Schwierigkeitsgrad, Weglänge und Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke“, erklärt Claudia Hopf-Koßmann, Pressesprecherin des Landkreises. Sie sieht in den Radwegen auch „Brücken“ zwischen den Gemeinden und Sehenswürdigkeiten des Jerichower Lands.

Flair fehlt

Helmut Müller sieht hier noch Verbesserungsbedarf. „Viele Gäste sind enttäuscht, wenn sie am Kanal entlang gehen und wenige Möglichkeiten zu Kaffee und Kuchen haben“, moniert der Genthiner. Auch im nahen Volkspark fehle das Flair.

Welche Anziehungskraft blühende Anlagen besitzen, habe die Landesgartenschau in Burg bewiesen, findet Mirko Wittstock. „Die Laga hat mit ihren umfangreichen Sanierungsarbeiten die Stadtstruktur nachhaltig aufgewertet“, betont der Hotelier. Viele Burger, die der Laga zunächst abwehrend gegenüber standen, hätten sich nach Höhepunkten wie dem Lichterfest offener für die Veranstaltung gezeigt, ist sich der 46-Jährige sicher.

Touristisches Potenzial

Für Vasileios Karagiannidis ist ein Ereignis wie die Laga eine Ausnahmeerscheinung. „Wir haben hier weniger Touristen, sondern eher Gäste, die aus geschäftlichen Gründen in der Region oder Stadt zu tun haben“, so der 49-Jährige. Er betreibt seit 2014 das Hotel Carl von Clausewitz. Allein die Sparte Fahrradtourismus blühe weiter auf. „Gerade am Wochenende finden viele dann ihren Weg in die Stadt, da haben wir immer gut zu tun“, so Karagiannidis. Einen Klebeeffekt durch die Landesgartenschau sieht er weniger.

Mirko Wittstock ist jedoch überzeugt, dass einige Gäste wieder den Weg in die Region finden werden. „Einige haben für 2019 schon angefragt“, so der 46-Jährige. Was er sich wünscht für die Region: Bewährtes behalten. „Die Tourist-Info muss weiter betrieben werden“, fordert Wittstock.