Ladeburg l „Das vergangene Jahr war ein sehr gutes Jahr für Birnen, dafür sah es bei den Äpfeln nicht so gut aus. Deswegen ist es ziemlich wahrscheinlich, dass wir dieses Jahr eine gute Zeit für Äpfel haben“, schätzt die Pächterin der Streuobstwiese ein. Auf dem ein Hektar großen Gelände am Ortsrand von Ladeburg wachsen einige alte Apfelsorten. „Mir ist es besonders wichtig, diese Sorten zu erhalten.“

Heute ist zudem Tag des deutschen Apfels, der 2010 von der Initiative Deutschland – Mein Garten ins Leben gerufen wurde. Ziel der Initiative ist es, dass heimische Apfelsorten ins Bewusstsein der Menschen rücken, damit diese nicht nach und nach verschwinden.Dieses Ziel hat auch Ramona Schmied-Hoboy vor Augen, neben einigen anderen, die sie mit der Streuobstwiese gern erreichen will. „Ich bewirtschafte jetzt im dritten Jahr das Gelände. Dessen Besitzerin konnte sich nicht mehr selbst darum kümmern und so hat sie es zur Pacht zur Verfügung gestellt“, erklärt sie. „Sie hat mir verraten, dass ich ihre Wunsch-Pächterin war. Denn ich bin hier im Ort schon als grüne Baumretterin bekannt.“

Trockenheit ist ein Problem

Derzeit wachsen auf den Bäumen der Streuobstwiese neben Äpfeln auch Birnen, Kirschen, Pflaumen und Mirabellen. „Im vergangenen Jahr sind fünf neue Bäume hinzugekommen. Allerdings pflanze ich nur dort welche an, wo sich auch eine Wasserader befindet. Die Trockenheit ist auch hier ein großes Problem“, berichtet sie. Das fehlende Wasser und Wühlmäuse seien die größten Probleme, mit denen sie sich arrangieren muss. Die neuen Bäume haben jeweils einen Paten. „Ich biete hier Baumpatenschaften an.

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Die Menschen, die die Patenschaft für einen Baum übernehmen, sind hier auf dem Gelände dann auch willkommen, sie können hier Obst sammeln oder, wenn es möglich ist, können wir hier zusammen auch Saft herstellen oder Heu machen“, berichtet die Pächterin von den gemeinsamen Aktionen. Im vergangenen Jahr wurde zusammen mit mehreren Gästen Apfelsaft gepresst. „Rund drei bis fünf Liter hatten wir am Ende. Gar nicht so viel, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit wir da rein gesteckt haben.

Studierende waren zu Gast

Ein Gast meinte dann auch, dass er es sehr bedenklich finde, dass Apfelsaft im Supermarkt für sehr wenig Geld verkauft werde. Ich finde es schön, wenn die Menschen zu solchen Erkenntnissen kommen und dass sie wertschätzen, was sie selber gemacht haben.“ Auch Studierende der Fachhochschule Magdeburg habe sie schon zur Gast gehabt, um mit ihnen zusammen Heu herzustellen. „Auch mit dem örtlichen Kindergarten habe ich Blumen ausgesät“, erinnert sie sich. Wie viele Streuobstwiesen es in der Region gebe, wisse sie nicht genau. „Es gibt einige, die als Ausgleichsmaßnahmen angelegt wurden, aber private Gelände dieser Art gibt es sehr wenige.“

Auch wenn sie bei solchen Treffen die Gastgeberin ist, sieht sie sich auf dem Gelände eher als Gast. „Den Bäumen und den Tieren, die hier leben, gehört das Gelände eigentlich.“ Obwohl die Idee der Streuobstwiese beispielsweise von den Baum-Paten gelobt wird, gibt es auch kritische Stimmen. „Manche Leute finden es nicht gut, dass die Hecke wild wächst oder dass auch tote Bäume auf dem Gelände verbleiben. Das sieht natürlich anders aus als ein Garten, in dem regelmäßig alles zurückgeschnitten wird, aber das ist nun mal die Idee der Streuobstwiese, dass auch abgestorbenes Holz Tieren einen Lebensraum bietet und dass sie sich in der Hecke verstecken und dort Futter finden können.“

Ein bisschen Hilfe für die Natur

Manchen Menschen falle es schwer, dass sie einfach mal nichts machen und nicht in die Natur eingreifen. „Die Natur macht das schon selbst“, ergänzt sie. Ein bisschen Hilfe kann aber auch die Natur gebrauchen. Derzeit kontrolliert Ramona Schmied-Hoboy zusammen mit ihrer Tochter Maxi die Nistkästen an den Bäumen. Diese müssen gesäubert werden, damit die Vögel sie wieder als Unterschlupf nutzen können. Zudem werden einige Meisenknödel aufgehängt, damit die Tiere im Winter etwas zusätzliches Futter haben. So haben sich in den vergangenen zwei Jahren schon zahlreiche Tiere und Insekten auf der Streuobstwiese angesiedelt.

„Die Blaue Holzbiene lebt beispielsweise hier, hinzu kommen alle möglichen Arten von Bienen und bestäubenden Insekten.“ Im Frühling wird sie wieder zwei Bienenvölker auf das Gelände bringen. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass wilde Bienenarten oft gar nicht in Völkern leben, wie wir es von den Honigbienen kennen. Die wilden Bienen leben meist allein. Aber sie sind auch nicht so verwöhnt, was das Wetter angeht. Die Honigbienen wollen bei schlechtem Wetter eher ungern aus ihrem schützenden Heim. Dann übernehmen die wilden Bienen das Bestäuben“, erläutert die Gartenbauingenieurin.

Die Streuobstwiese ist für sie kein Garten, in dem man ständig aufräumen muss. Sie unterstützt Tiere und Pflanzen in ihren natürlichen Abläufen. „So gesehen sie die Bäume hier alles meine Kinder.“ Oft tue es ihr in der Seele weh, wenn sie sieht, dass Bäume zu sehr zurückgeschnitten oder gar gefällt werden. „Mir fällt dann immer das Gedicht ‚Der Baum‘ von Eugen Roth ein, in dem es heißt: ‚Zu fällen einen schönen Baum, braucht’s eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenk’ es, ein Jahrhundert‘.“