Burg l Stephan Meisel aus Burg freut sich schon auf die kommende Gartensaison in seiner Parzelle am Pulverweg. „Da kann man etwas tun und sich gleichzeitig erholen“, sagt der junge Mann, der mit seinen 36 Jahren zu den Jüngsten im Burger Kreisverband der Gartenfreunde zählt. „Es wäre schön, wenn sich noch mehr für einen Kleingarten interessieren würden“, sagt Meisel – und spricht damit einen wunden Punkt an. Denn der Nachwuchs fehlt. „Junge Familien sind nun einmal die dauerhaften Pächter von morgen. Ansonsten müssen Vereine wegen des fehlenden Nachwuchses aufgelöst werden“, erklärt Bernhard Hechel. Für den neu gewählten Präsidenten des Burger Verbandes steht zwar fest, dass die lange Tradition des Kleingartenwesens auch weiterhin Bestand und somit viele Menschen zusammenführen wird, „nur nicht mehr in den Größenordnungen wie bisher. Dieser Entwicklung müssen wir uns stellen.“

Kooperation soll neu belebt werden

Auch aus diesem Grund soll die Kooperation mit der Stadt, die wegen der Landesgartenschau (Laga) etwas geruht hat, neu belebt werden. Damit die Zukunft der Kleingärtner auf soliden Füßen steht, hatte der Stadtrat erst kürzlich beschlossen, bis 2020 ein Kleingartenentwicklungskonzept auf den Weg zu bringen. Auf diese Weise sollen für jeden Verein konkrete Parameter untersucht werden – wie Altersstrukur, Nachwuchs, Lage zu Wohngebieten, Arbeit der Vorstände, Ausstattung der Parzellen mit Wasser, Elektroleitungen, Lauben oder auch das zwischenmenschliche Klima innerhalb der Anlage. „Nur so können wir eine kurz- bis langfristige Entwicklung festlegen“, begründet Hechel.

Wie notwendig ein solches Gesamtdokument ist, beweisen auch die Zahlen. Im Kreisverband mit seinen 46 Vereinen werden aktuell 1579 Parzellen bewirtschaftet. Dem gegenüber stehen 397 Gärten, die leer stehen – Tendenz steigend. So werden im Verein „Rosenfreunde“ in Burg beispielsweise nur noch zwei von 16 Parzellen gepflegt. Beim Verein „Stadtrand Ost“ ist die Hälfte der Anlage verwaist. Und auch eine strategische Prognose des Burger Verbandes spricht für sich: So könnten aus jetziger Sicht im Jahr 2030 allein in der Stadt Burg rund 400 Kleingärten brach liegen. Das entspräche einer Siedlungsfläche von etwa 16 Hektar. In diesem Zusammenhang könnten Migranten das Problem des Leerstandes „nicht lösen, aber mildern“, sagt der Vorsitzende. In den Vereinen Pietzpuhler Weg, Waisenhausgarten, Lerchengrund und Alte Lehmkuhle seinen einige Parzellen zur Verfügung gestellt worden.

15 Prozent Leerstand

Neben dem Leerstand, der für das Jahr 2017 mit 15 Prozent beziffert wurde, hat der Kreisverband noch mit einem anderen Problem zu kämpfen – der Altersstruktur. Etwa zwei Drittel der Pächter sind älter als 60 Jahre, 20 Prozent der Gartenfreunde über 70 Jahre alt.

„Aus all diesen Gründen werden und müssen wir gemeinsam Lösungen finden, damit die Kleingärtnerdurch den Leerstand nicht zusätzlich finanziell belastet werden“, so Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD). Vor allem deshalb, weil die jeweiligen Vereine bislang auch für nicht genutzte Flächen die vereinbarte Pacht bezahlen müssen. Grundlage dafür sei eine Art Generalpachtvertrag zwischen dem Verband und der Stadt.

Ökologischer Nutzen

Auch Landrat Steffen Burchhardt (SPD) ermunterte ebenso wie der Präsident des Landesverbandes der Gartenfreunde, Jürgen Maßalsky, den Rückbau von Flächen ins Auge zu fassen. „Weniger ist manchmal mehr“, sagte Burchhardt, der auf den hohen ökologischen Nutzen der Gärten verweist. Und: Angesichts der zahlreichen Vereine sei der Burger Verband eine feste Größe im Kreis, der mehr auf sich aufmerksam machen sollte.