Gerwisch l Das Interesse für Natur, Pflanzen, Tiere und auch für nachhaltiges Leben besteht bei Elke Tantzen aus Gerwisch schon lange – besonders wie man darin ohne Supermarkt und Hightech-Küche bestehen kann.

„Ich habe Biologie studiert und dabei großes Interesse daran entwickelt, welche Pflanzen man draußen essen kann oder wie man Feuer macht. So genanntes Trapper-Wissen eben. Während meines Studiums war ich oft lange unterwegs und habe Tiere beobachtet“, berichtet die Biologin. „Und dabei haben mich oft Mücken völlig zerstochen“, lacht sie. „Da habe ich mich natürlich auch gefragt, was ich bei Insektenstichen machen kann. Die Antworten findet man sehr oft direkt in der Natur.“

Und diese Antworten will Elke Tantzen nicht für sich behalten. Sie möchte viele Tipps, mit welchen oft sehr einfachen und überall wachsenden Mitteln das Leben nachhaltiger gestaltbar ist, weitergeben. Deswegen bietet sie unterschiedliche Kurse an. Einer davon ist die Pilzberatung, denn die Biologin ist auch Pilzsachverständige. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass Tiere sich beispielsweise mit Hilfe von Pilzen oder anderen Pflanzen bei den unterschiedlichsten Beschwerden selbst behandeln“, erklärt sie.

Beschwerden selbst behandeln

Pilze leben in Symbiose mit anderen Pflanzen und Lebewesen. „Deswegen ist hier die andauernde Trockenheit auch zu spüren“, gibt sie zu bedenken. Die Geflechte der Pilze ziehen sich zurück, und darunter leiden letztendlich auch die Bäume. „Die Schäden sind dann allerdings erst oft Jahre später zu sehen.“

Damit in den eigenen Gärten solche Schäden nicht vorkommen, berät Elke Tantzen auch Gartenbesitzer bei der Gestaltung und Bepflanzung. Von strikten Reglementierungen hält sie allerdings nichts, denn letztlich muss den Besitzern der Garten ja auch gefallen. „Sicherlich sind Kies- und Schottergärten für Flora und Fauna nicht besonders gut, aber in die Entscheidungen der Besitzer will ich nicht eingreifen, das Umdenken muss von selber kommen, und dann kann ich gern beratend zur Seite stehen.“

Denn gerade ein Garten bietet den Spielraum, die geheimen Kräfte der Natur pflückbereit vor dem eigenen Haus anzusiedeln. Elke Tantzen hilft, den Speiseplan mit Pflanzen zu bereichern, die nicht in dem Ruf stehen, verwertbar zu sein: „Viele Menschen halten diese Pflanzen für Unkraut und wollen nicht, dass sie auf ihrem Rasen wachsen. Aber dieses vermeintliche Unkraut hat Sinn und Nutzen. Es ist gesund und ökologisch wichtig. Man muss diese Pflanzen nicht immer abmähen oder sie gar vernichten. Wenn die Leute erst wissen, wie lecker diese Pflanzen schmecken, sind sie richtig begeistert, was bei ihnen alles vor der Tür wächst“, berichtet sie.

Kräuter und Pflanzen im Garten

Doch natürlich sollte man nicht einfach alles einsammeln und aufessen, denn es erfordert schon ein wenig Übung, bis eine leckere Variante für den Salat von einer Giftpflanze unterschieden werden kann. Damit der Blick über den kulinarischen Tellerrand nicht beim Arzt endet, gibt Elke Tantzen Kurse, um Kräuter und Pflanzen im Garten und in der umliegenden Natur zu identifizieren und passend einzusetzen.

Wegen des Coronavirus fallen diese allerdings etwas theoretischer aus als sonst. „Monatelang konnte ich in dem Bereich gar nichts machen, aber nun kann man an der frischen Luft und mit Abstand ja zumindest wieder losziehen“, meint sie.

Kochen, was gepflückt wurde

Das gemeinsame Kochen am Ende des Kurses muss derzeit allerdings noch ausbleiben. Unterwegs entdecken die Teilnehmer unter anderem Pflanzen wie den schmalblättrigen Doppelsame. „Sogar die Blüten sind essbar und sehen im Essen dann auch noch sehr hübsch aus“, so Tantzen. Die Blätter der Pflanze schmecken nahezu wie Rucola. „Wenn man ein paar von diesen Pflanzen im Garten hat, kann man sich das Kaufen von Rucola im Supermarkt sparen“, empfiehlt die Biologin. Den Salat vor der eigenen Haustür zu pflücken, spart die Fahrt zum Einkaufen und auch Verpackung und ist damit ein Schritt in ein nachhaltiges Leben.

Elke Tantzen ist wichtig, dass die Tipps aus ihren Kursen für alle leicht umsetzbar sind. „Die Pflanzen sollen überall auffindbar sein und die Lebensmittel, mit denen man sie kombinieren kann, sollten in jedem Haushalt vorhanden sein“, erklärt sie.

Während sie zahlreiche Ratschläge in ihren Kursen an Erwachsene weitergeben kann, hat sie allerdings auch noch eine jüngere Zielgruppe, der sie Tipps für ein nachhaltiges Leben in Einklang mit der Umgebung mit auf den Weg gibt. „Ich arbeite oft mit Kindern zusammen, mit Kindergärten und Schulen oder auch für private Feste wie Geburtstage“, erzählt sie. In den vergangenen Monaten war dies wegen Corona auch kaum möglich. „Normalerweise bin ich in den Sommermonaten nahezu ausgebucht, sowohl unter der Woche als auch an den Wochenenden, aber dieses Jahr ist eben vieles anders.“

Die Wanderungen mit Kindern sind ähnlich vielfältig wie die Veranstaltungen für Erwachsene. Es gibt Spaziergänge durch den Wald, auf denen die Kinder nach Spuren unterschiedlicher Tiere suchen und Zusammenhänge und Veränderungen bei Tieren und Pflanzen hautnah kennenlernen. Eine Variante der Kurse mit Kindern sind auch die Bastelkurse, bei denen aus Materialien, die jeder zu Hause hat oder die man sonst gar wegwerfen würde, unterhaltsame Spielzeuge erstellt werden. So können die Kinder lernen, wie sie aus einer Socke einen niedlichen Hasen basteln oder mit Hilfe einer Papprolle und etwas Wolle ein Steckenpferd. „Aus Zeitungspapier kann man auch hübsche Tierfiguren basteln oder vieles mehr. Kinder sind beim Basteln und Entdecken so unheimlich kreativ, da muss es nicht immer ein teures, gekauftes Spielzeug sein, oft haben sie mit etwas selbst Gebasteltem viel mehr Freude. Manchmal wollen die Kinder gar nicht mehr nach Hause, wenn wir zusammen basteln“, freut sie sich über die positive Rückmeldung.

Das Angebot der Biologin wird ergänzt durch Führungen durch den Magdeburger Zoo oder Projekte wie die Renaturierung eines Feuchtbiotops, den Bau eines Insektenhotels oder das Herstellen von Kosmetik aus Pflanzen. Auch individuelle Anfragen zu unterschiedlichen Pflanzen-, Natur- oder Nachhaltigkeitsthemen kann sie umsetzen. „Die Natur bietet uns so unendlich viele Möglichkeiten, wir müssen sie eben nur kennenlernen.“