Möser l Eine große Eiche wiegt sich sanft im Wind. Den Baum würden die meisten Menschen wohl nur kurz oder gar nicht bemerken, aber er weckt die Aufmerksamkeit von Wolfgang Rost, Lisa Schmidt und Marvin Uhrhan. Die drei sind zuständig für den Naturschutz im Bundesforst nördliches Sachsen-Anhalt und haben fundierte Kenntnisse über den Wald und die Tier- und Pflanzenarten, die dort leben. Die besagte Eiche bietet einen umfangreichen Lebensraum. Beispielsweise für den Hirschkäfer. Die Männchen dieser Käferart können bis zu acht Zentimeter groß werden. Den Großteil ihres Lebens, das zwischen drei und acht Jahren andauert, verbringen sie als Larven unter der Erde. Doch diese Käfer sind stark gefährdet. Deswegen sollen sie besonders geschützt werden. Wie viele Käfer es noch gibt, kann man schlecht sagen, da sie nur wenige Wochen ihres Lebens außerhalb der Erde verbringen. Wenn sich die Lebensbedingungen für die Käfer beispielsweise durch die Abfuhr von Totholz verschlechtern, können sich die Käfer oft nicht gut an die veränderten Bedingungen anpassen, da viele nur einige hundert Meter von ihrer Schlüpfstätte nach Nahrung und Partnern suchen, ehe sie sterben.

„Der Hirschkäfer steht stellvertretend für viele Arten, die bedroht sind. Es gibt auch andere Käfer wie den Heldbock, dem Lebensraum eingeräumt werden muss“, erklärt Wolfgang Rost. Das Gleichgewicht finden zwischen wirtschaftlicher Nutzung des Waldes und dem Erhalt von Lebensräumen für Tiere ist eine wichtige Aufgabe der drei Mitarbeiter des Bundesforstes. „Was den Naturschutz angeht, spielen wir beim Bundesforst in der Championsleague“, erläutert Rainer Aumann, der Leiter des Bundesforstbetriebs Nördliches Sachsen-Anhalt.

Drei Mitarbeiter

Das Volumen der Aufgaben des Naturschutzes ist so groß, dass sich drei Mitarbeiter ausschließlich darum kümmern. „Da brauchen wir einfach Spezialisten.“ Und dieses Spezialwissen können die drei Mitarbeiter vorweisen. Erst seit rund drei Wochen ist Lisa Schmidt im Team. Obwohl sie sich gerade noch beim Bundesforst einlebt, konnte sie schon einige Eindrücke sammeln. „Ich habe mich bisher hauptsächlich damit beschäftigt, welche Maßnahmen auf welchen Waldflächen und Biotopen eingesetzt werden sollen“, berichtet sie. Mit dem Bundesforst kam sie schon früh in Berührung. „Als das Abitur anstand, habe ich einen Tag der offenen Tür des Bundesforstes besucht, dann habe ich ein Praktikum dort gemacht und mich schließlich für ein Studium der Forstwissenschaft entschieden. Der Beruf hat einfach mit meinen Interessen zusammengepasst und jetzt kann ich tatsächlich behaupten, dass ich meinen Traumjob gefunden habe“, freut sich die junge Frau. Schon in der Schule mochte sie das Fach Biologie. „Allerdings wurde das Fach in der Oberstufe immer stärker wie Chemie. Mich haben die Zusammenhänge in der Natur mehr interessiert, aber die konnte ich im Studium dann vertiefen.“

Bilder

Auch Marvin Uhrhan konnte sozusagen sein Hobby zum Beruf machen. „Ich beschäftige mich privat mit der Jagd, mit Hunden und Naturschutz. In meinem Beruf kann ich jetzt meine privaten Interessen und meine Qualifikation verbinden.“ Er arbeitet seit rund einem halben Jahr beim Bundesforst. Dabei konnte er bereits einen Einblick in zahlreiche Maßnahmen des Bundesforsts erhalten und sich dort auch einbringen. „Ein interessantes Projekt ist das Blaue Band. Dabei geht es unter anderem um die Renaturierung der Auen. Nur drei Prozent von Auenlandschaften sind in einem guten ökologischen Zustand. Das muss nicht nur erhalten, sondern auch verbessert werden, damit die Arten, die dort leben, nicht verloren gehen.“

Das Revier ist ihr Wohnzimmer

Der dritte im Bunde ist Wolfgang Rost. Er ist der Dienstälteste im Team, er arbeitet seit 13 Jahren in dieser Abteilung des Bundesforstes. „Es ist eine sehr komplexe Aufgabe, militärisch genutzte Flächen mit Artenschutz zu vereinbaren. Auch wenn das vielleicht erstmal paradox klingt, aber wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder festgestellt, dass militärische Nutzung von Flächen und Naturschutz sehr gut zusammen passen“, erklärt er. An diese Aufgabe erinnert er auch alle anderen Mitarbeiter des Bundesforstes: „Euer Revier ist euer Wohnzimmer.“

Das Naturschutz-Team kümmert sich aber nicht nur um eine Vielzahl an Maßnahmen innerhalb des Bundesforstes, sondern hat auch eine Beratungsfunktion nach außen. „Wir zeigen dann, dass es so wichtig ist, Arten zu schützen und Lebensräume zu erhalten.“ So sorgen die drei Mitarbeiter dafür, dass es auf den Flächen des Bundesforstes Bereiche, Baumgruppen oder einzelne Bäume gibt, die nicht wirtschaftlich genutzt werden, sondern Rückzugsräume für Tiere sind. „Diese Bäume bleiben dann einfach stehen, bis sie das Ende ihrer natürlichen Lebensdauer erreicht haben. Und auch dann nutzt das Totholz beispielsweise den Hirschkäferlarven als Lebensraum“, erläutert Wolfgang Rost. Er und sein Team achten darauf, dass diese Rückzugsräume sicher sind für Tiere und Menschen. „Die Bäume sollen dann beispielsweise nicht direkt an der Straße stehen.“

Hirschkäfer-Populationen vermehren

Auf dem Truppenübungsplatz in Altengrabow sind inzwischen in drei Bereichen Hirschkäfer-Populationen nachgewiesen worden. Mit der intensiven Unterstützung der Fachbereichs Naturschutz könnten es auch bald mehr werden.