Burg l So richtig kann es Maximilian Maxeiner noch nicht fassen: Sein neues Leben beginnt in Burg. Wie viele Berliner kannte der 35-Jährige Burg bis vor einigen Wochen überhaupt nicht. „Alles hinter der Hauptstadtgrenze ist ja Provinz“, lacht er. Und jetzt steht der junge Mann auf seinem Balkon in der Burger Bruchstraße, schaut auf den Marktbereich und ist von der Kreisstadt tatsächlich begeistert. „Ich habe überhaupt keinen Kulturschock bekommen“, lacht er mit Wobau-Geschäftsführerin Bärbel Michael, die ihm neben einem städtischen Wegweiser noch einige Freizeittipps gibt. „Besser kann es doch zum Anfang nicht laufen“, sagt Maxeiner. Die sanierte Ein-Raum-Wohnung wird nach und nach eingeräumt, auch Internet ist kein Problem. „Ich will jetzt nur noch sehen, dass ich beim BBC mit Fußball spielen kann“, meint der Sportliche Neu-Burger. „Sport ist mir wichtig.“

Der studierte Volkswirtschaftler und Physiker ist auch emotional in der Stadt angekommen. „Berlin war einmal, das ist jetzt hier meine Zukunft“, versichert er. Und offensichtlich trägt seine sympathische und positive Lebenseinstellung auch dazu bei, schnell Kontakte zu knüpfen, die er zudem für einen beruflichen Neustart nutzen will. Zuletzt war er als Controller in einem Großunternehmen tätig. Da in der Region um Burg auch Fachkräfte benötigt werden, ist auch Bärbel Michael nicht bange, dass Max Maxeiner seinen Weg finden wird – und klopft ihm schwungvoll auf die Schulter ...

Bevölkerungsrückgang ist Problem

Mittlerweile telefoniert Michael schon mit einem anderen Mieter, der sich in der Stadt einrichtet und auch von der großen Metropole an der Spree verabschiedet hat. Auch der ist zufrieden. „Dann sind wir es auch“, sagt die Wobau-Chefin, die aktuell auf 14 abgeschlossene Mietverträge mit Berlinern verweist. „Allerdings ist der Weg nach Burg kein Selbstläufer. Der setzt intensive Arbeit, Präsens und Werbung voraus“, sagt sie. Der Grund, weshalb sich die Wobau so für die Stadt und damit auch fürs Jerichower Land ins Zeug liegt, ist eher pragmatischer Natur. „Wir haben immer noch mit einem Bevölkerungsrückgang zu kämpfen. In Berlin herrscht Wohnungsnot und hier bei uns gibt es freien Wohnraum. Außerdem liegen wir verkehrstechnisch an einer zentralen Achse, um immer noch die Verbindung zwischen uns und Berlin halten zu können“, erläutert Michael. Sie ist seit Monaten in der Hauptstadt aktiv, hat beispielsweise bei einem Radiosender über Burg berichtet und spontane Fragen zur Stadt beantwortet, mit Informationsmaterial und Vorträgen bei Vereinen und Institutionen für Burg geworben und baut nach und nach ein Netzwerk auf, „um im Gespräch zu bleiben“. Das kostet Zeit, Geduld und jede Menge Energie, die Bärbel Michael aber gern investiert. „Die Resonanz ist enorm. Viele Leute sind krampfhaft auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung und stoßen zunehmend an ihre Grenzen.“ Ein Umzug sei für den einen oder anderen deshalb eine Alternative. Davon ist auch Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) überzeugt. „Ich bin dankbar, dass die Wobau diesen Weg eingeschlagen hat. Wir müssen viele Möglichkeiten nutzen, um mehr Einwohner zu gewinnen. Immerhin haben wir bereits viel Geld für eine familienfreundliche Stadt investiert und setzen diesen Kurs auch in den kommenden Jahren fort.“ Und attraktive Wohnungen entstünden in Burg derzeit an vielen Stellen.

In Berlin dagegen ist die Lage extrem prekär. Einem Bericht der Berliner Morgenpost zufolge fehlen massiv Wohnungen, die sich Bürger mit einem Haushaltsnettoeinkommen unterhalb des Durchschnitts von 2025 Euro leisten können. Das habe eine neue Studie im Auftrag der Senatsverwaltung ergeben.

Wohnsungssuche ist schwer

Wie schwierig es ist, dort eine Wohnung zu ergattern, weiß auch Maxeiner. „150 oder mehr Interessenten für eine Besichtigung sind manchmal das Minimum.“ Er ist froh, dass er diese Erfahrung nun hinter sich gelassen hat.