Burg l Oben auf dem Burger Bismarckturm hat Hans-Georg Tietze vom Vorstand des Burger Heimatvereins die Stadtflagge gehisst. Es soll ein klares Zeichen sein, dass der Verein lebt und trotz aller Schwierigkeiten zuversichtlich bleibt, sagt die Vorsitzende Karin Zimmer. Ohne Zweifel würde nicht nur der Stadt ein Stück kulturelle Normalität gut tun. Auch das Vereinsleben an sich könnte die Menschen beflügeln und Mut geben. Noch aber ruht das Miteinander. Und auch das traditionelle Hoffest am 1. Mai auf dem Gelände der historischen Gerberei in der Hainstraße fällt dieses Jahr ins Wasser. Den Heimatverein trifft das schmerzlich, weil dadurch wichtige Einnahmen wegfallen. „Mit der Folge, dass auch die Finanzplanung neu geordnet werden muss“, sagt Zimmer. Als Alternative hofft der Vorstand wenigstens auf ein kleines Hoffest Anfang Juni. „Ob das gelingt, hängt von der weiteren Kontaktsperre ab.“

Zumindest könnten auf diese Weise einige Kosten kompensiert werden, denn auch die Anzahl der Stadtführungen ist 2019 zurückgegangen, bilanzierte Zimmer auf der Mitgliederversammlung. Unsere neun Stadtführer haben 2019 insgesamt 64 Führungen durchgeführt, das sind ein Drittel weniger als 2018. Da waren es noch 95, natürlich auch beeinflusst von der Landesgartenschau 2018.“ Insgesamt zählte der Heimatverein 2019 durch Führungen und Sonderveranstaltungen fast 7000 Besucher aus ganz Deutschland, davon rund 900 Kinder. Der Verein bemängelt diesbezüglich „einen Wettbewerb zur Durchführung von Stadtführungen zwischen unserem gemeinnützigen Verein und den Honorarkräften der Tourismus-Info, die gehalten ist, möglichst hohe Einnahmen zu erwirtschaften und ganz andere Mittel der Öffentlichkeitsarbeit hat“.

Finanzieller Zuschuss ist notwendig

Um die Stadt weiterhin präsentieren zu können, sei künftig ein fester finanzieller Zuschuss notwendig. „Wir betreiben als Heimatverein in Form eines Nutzungsvertrages mit der Stadt drei Türme sowie zwei Gebäude in der Hainstraße 11/12 mit historischer Gerberei, Seifenmanufaktur, Schuhherstellung und demnächst Handschuhfertigung. Dazu noch die Ausstellung über 300 Jahre Geschichte der Garnisonsstadt Burg und Sonderausstellungen.“ Dies alles aufrecht zu erhalten, sei mit den 48 Mitgliedern, davon 31 Aktive, nur mit größtem Engagement möglich, wobei Sigrid Schmidt ganz besonders auf den Einsatz von Karin und Harald Zimmer verweist: „Ohne sie wäre der Verein heute nicht so solide aufgestellt und aktiv.“ Solch eine Art Museum, wie es der Verein betreibe, könne nur mit angestelltem Personal geleitet werden, das dann üblicherweise von einem Museumsbeirat unterstützt und das mit einem vereinbarten Budget ausgestattet werde. „Ich wünsche mir, dass dieses Thema von der Stadtverwaltung zeitnah bearbeitet wird“, so Zimmer.

Trotz des schwierigen Fahrwassers soll die heimatgeschichtliche Arbeit fortgesetzt werden. So werden die bestehenden Ausstellungen um eine weitere zur Handschuhherstellung erweitert und möglichst bald der Öffentlichkeit präsentiert. Immerhin ist dieser Handwerkszweig besonders eng mit der Geschichte der Stadt verbunden und sicherte einst Arbeitsplätze. Die Sonderausstellung in der Hainstraße 12 steht unter dem Titel „Arten der Lederherstellung und -verarbeitung/Ehemalige Handschuhfertigung in Burg“. Daneben können sich Interessierte auf eine Sonderausstellung „Burg im Jahr 1945“ freuen. Die ist auch dank privater Spenden ermöglicht worden.