Burg l Es könnte so einfach und noch beruhigend viel Zeit sein, wenn die Natur mathematischen Berechnungen folgen würde. „Wenn man den bisherigen Weg der Seuche zugrunde legt, dauert es bis 2027, ehe die Afrikanische Schweinepest das Jerichower Land erreicht hat“, sagte Beigeordneter Thomas Barz (CDU) am Montag gegenüber der Volksstimme. Das war scherzhaft gemeint, denn diese Rechnung geht eben nicht auf. Deshalb betreibt der Landkreis weiterhin Vorbereitungen für den Zeitpunkt, wenn die ASP abgekürzte Krankheit die Kreisgrenzen überschritten hat. Bis ins benachbarte Brandenburg ist sie immerhin schon gekommen. „Wir müssen jetzt vorbereitet sein“, betonte denn auch Landrat Steffen Burchhardt (SPD).

Schon als sie es erst bis zur deutsch-polnischen Grenze geschafft hatte, wurde die ASP ins Visier genommen. Eine zuständige Arbeitsgruppe, bestehend aus Veterinären, Jägerschaft, Landwirten und Katastro- phenschutz tagt mittlerweile im dreiwöchentlichen Rhythmus. Zwar ist die ASP für den Menschen ungefährlich, aber es wird auch für Menschen Folgen haben, wenn die Krankheit ins Jerichower Land kommt.

Gemeinden müssen mit Steuereinbußen rechnen

295 Schweinehaltungen mit insgesamt rund 115.000 Tieren gibt es im Jerichower Land. 90 Prozent der Tiere sind in zehn Großbetrieben angesiedelt. Wenn es dort Einbußen gibt, haben wiederum die betreffenden Gemeinden wegen der geringeren Steuereinnahmen unter der Situation zu leiden. „Der Preis für Schweinefleisch ist ohnehin schon niedrig“, sagte Barz. Teile von Schweinen wie Kopf oder Füße würden in Deutschland nicht gegessen, konnten auf dem asiatischen Markt abgesetzt werden. China importiert schon seit Wochen kein Schweinefleisch mehr aus Deutschland. Hinzu komme, dass sich auch die deutschen Verbraucher immer mehr vom Schweinefleisch abwenden.

Wenn der Ernstfall eintritt, werden drei Zonen gebildet: das Kerngebiet, der gefährdete Bezirk und die Pufferzone. Es wird von einem Radius von etwa vier Kilometern ausgegangen, der um das Kerngebiet gelegt wird. „Das macht eine Fläche von 5000 Hektar“, rechnete der zuständige Beigeordnete Thomas Barz vor. In diesem Bereich sind positive Wildschweine gefunden worden, das definiert ihn. Er liegt wiederum innerhalb des gefährdeten Bezirks, in dem verhindert werden muss, dass infizierte Tiere aus dem Kerngebiet auswandern und die ASP verbreiten. Er ist bis doppelt so groß wie das Kerngebiet.

Jägerschaft hat viel Verantwortung

Außen herum legt sich eine Pufferzone. Dort ist laut dem Maßnahmenkatalog des Deutschen Jagdverbandes und des Bundesforschungsinstitutes für Tiergesundheit die Reduktion der Wildschweinpopulation das Ziel. Laut Berechnungen ist eine Reduktion von mindestens 70 Prozent nötig, um eine Ausbreitung der ASP zu verhindern.

Der Jägerschaft kommt also eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung der Krankheit zu. Nicht erst, wenn es um das Bejagen der Wildschweine in großem Maßstab geht, sondern bereits jetzt. Rund 30 Jäger hätten sich schon bereit erklärt, beim Abschuss der Tiere und auch bei der Suche nach Kadavern zu helfen. „Je länger die Tiere im Wald liegen, desto größer ist die Verbreitungsgefahr“, sagte Burchhardt. „5000 Hektar sind eine nicht zu unterschätzende Fläche, da ist großer Einsatz gefragt“, ergänzte Barz.

Unterstützung vom Land gefordert

Bereits im April hat der Kreistag beschlossen, die Jägerschaft finanziell bei der Trichinenuntersuchung zu unterstützen. Auch das gehört zur Vorbeugung. Burchhardt sieht allerdings auch das Land in der Pflicht, sich finanziell zu beteiligen. „Wir bereiten uns darauf vor, auch im kommenden Jahr die Trichinuntersuchung zu übernehmen, aber es kann nicht immer von regionalen Politikern abhängen“, meint er.

Nicht unerhebliche Kosten kommen auf den Landkreis auch für den Zaun zu, der das Gebiet abgrenzen und vor Wildschweindurchbrüchen schützen soll. „Wir rechnen mit 250.000 Euro“, meinte Barz.

Autobahn 2 birgt Gefahr

Es gelte, keine Zeit zu verlieren, sind er und der Landrat sich einig. Vorteile in der Infrastruktur könnten sich im Zusammenhang mit der ASP als Nachteil erweisen. So berge die A2 als wichtige Ost-West-Verbindung auch die Gefahr, dass durch Speiseabfälle aus Osteuropa die Krankheit verbreitet wird. „Das Problem ist, dass dort die Hausschlachtungen noch sehr verbreitet sind und nicht einer so strengen Kontrolle unterliegen wie Fleischbetriebe“, erklärte Barz. Zwar würden an der Autobahn besondere Tonnen aufgestellt, die von Tieren nicht so leicht geplündert werden können, würden die Arbeitgeber von osteuropäischen Mitarbeitern auf das Problem aufmerksam gemacht, einen hundertprozentigen Schutz biete das nicht. „Die ASP kann jederzeit kommen“, warnt Burchhardt.