Burg l Seit Mitte Dezember gilt im Jerichower Land Stallpflicht für sämtliches gehaltenes Geflügel, wie Hühner, Enten und Wachteln. Sie soll eine Einschleppung der Vogelgrippe verhindern. Seit Ende Oktober waren in Deutschland infizierte Wildvögel, meist tot, gemeldet worden. Die Stallpflicht verhindert zwar eine Ansteckung hat aber auch negative Auswirkungen, auf die Christoph Kaatz (Bündnis 90/Die Grünen) während der Sitzung des Kreistages am Mittwochabend aufmerksam machte.

„Die Rassegeflügelzüchter spielen eine positive, gute Rolle in der Region, aber die ist jetzt gefährdet“, sagte er. Bei den Kreisausstellungen werde sogar das rote Band an Züchter verliehen, die gefährdete Rassen züchten. In den Ställen komme es nun aber zu Kannibalismus, die Tiere würden an sich knabbern. Die Langeweile sei dafür die Ursache.

Züchter gehen verloren

Viele Züchter verlören nunmehr die Lust an ihrem Hobby, das sieht Kaatz als Gefahr für die Artenvielfalt, die Biodiversität. Damit gehe dann ein jahrhundertealtes Erbe verloren, denn wenn eine Rasse erst einmal ausgestorben sei, könne man sie nicht so einfach wiederbekommen. Im Denkmalschutz sei man in Sachen Erhalt schon ein gutes Stück weiter, das müsse auch für Tiere gelten. Das Thema wird nun am Dienstag im Kreis-Umweltausschuss diskutiert.

Maik Tietze, Kreisvorsitzender des Rassegeflügelzuchtverbandes, sieht die Züchter gleich doppelt getroffen. „Wegen Corona konnten im vergangenen Jahr keine Ausstellungen stattfinden“, sagte er am Donnerstag im Gespräch mit der Volksstimme. Die seien für die Züchter aber wichtig, denn schließlich würden so die Tiere vermarktet. Dazu komme, dass auch das Vereinsleben stillstehe. „Im Kreisverband haben wir unsere Frühjahrstagung im Herbst abgehalten, weil es vorher gar nicht ging“, nannte er ein Beispiel. Das führe dazu, dass viele die Lust auf die Zucht und den Verein verlieren. So habe sich im Januar der Verein in Reesdorf aufgelöst. „Die wollten das Spiel nicht mehr mitmachen“, sagte Tietze.

Ställe sind keine Dauerlösung

Bei der Vogelgrippe 2016 sei eine Gesetzesänderung vorgenommen worden, die im Jerichower Land aber keine Berücksichtigung finde. Dort sei die Benetzung als Alternative zum Stall festgeschrieben worden, definitiv eine kostengünstigere Variante. „Die meisten haben keine Ställe, die groß genug sind, dann kommt es zu den Übergriffen“, sagte er. Ställe seien eben für die Unterbringung in der Nacht und nicht als Dauerlösung gedacht. Aktuell komme noch die Brutzeit hinzu, die auch nicht normal verlaufen könne. Das fange schon bei den Enten an: „Wassergeflügel ohne Wasser, das geht nicht, und in den Stall kann man keine Badewanne stellen.“

Seine Forderung und die seiner Züchterkollegen ist klar: Aufheben der Stallpflicht. „Es gab im Jerichower Land noch keinen einzigen Fall“, argumentierte er, „da ist die Verhältnismäßigkeit einfach nicht gegeben.“