Impfneid

Vollständig Geimpfte dürfen ohne Test einkaufen und zum Friseur gehen

Impfwillige stehen vor dem Impfzentrum in Burg an, um endlich die ersehnte Sprite zu erhalten, die neben Schutz auch mehr Freiheiten ermöglichen soll. Foto: Nicole Grandt

Nicole Grandt

Burg

Lange Schlangen vor dem Impfzentrum in Burg sind derzeit kein seltener Anblick. In der Regel stehen Menschen nicht gern in Warteschlangen, aber in diesem Fall wird das doch gern in Kauf genommen. „Ich bin sehr froh, dass ich heute geimpft werde“, freut sich Helga Lorenz, während sie wartet. Sie ist 72, und viele ihrer Bekannten sind schon mindestens einmal geimpft. „Ich werde mich sehr viel sicherer fühlen und hoffentlich dann bald auch wieder einen Kaffee trinken gehen können oder ein Eis essen. Wenn die Läden dann wieder geöffnet sind.“ Ihr ist auch aufgefallen, dass es manche Menschen gibt, die neidisch sind auf Personen, die bereits geimpft sind. „Ich verstehe das einerseits, aber ich finde es auch ein wenig schade. Denn es geht ja anderen nicht dadurch schlechter, weil ich mich dann mit meinen Enkeln treffen kann. Ich gönne es jedenfalls jedem geimpft zu werden, egal warum oder in welchem Alter. Je mehr Leute geimpft sind, desto besser ist es doch für uns alle.“  

Bald sind 30 Prozent geimpft

Im Jerichower Land sind schon mehr als ein Viertel der Bewohner geimpft. „Zeitnah werden wir die 30 Prozent erreichen“, kündigt Thomas Barz (CDU), Leiter des Impfzentrums und stellvertretender Landrat an. Damit ist das Jerichower Land einer der Landkreise mit der höchsten Impfquote. Ein Thema, das mit der Impfung  gegen das Coronavirus in den vergangenen Tagen immer wieder aufkommt, sind die Grundrechte, die zweifach Geimpfte zurück erhalten sollen. „Das ist wirklich kein einfaches Thema“, merkt Landrat Steffen Burchhardt (SPD) an. „Eigentlich ist das eine Gerechtigkeitsfrage, bei der es kein eindeutiges richtig oder falsch gibt.“ In Sachsen-Anhalt gilt inzwischen die Regel, dass Personen, die schon beide Corona-Impfungen erhalten haben, mit Menschen gleichgestellt sind, die einen negativen Test vorweisen können. Dies gab Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne in einer Pressemitteilung bekannt. Diese Regelung  gilt dort, wo eine Testpflicht angeordnet sei, beispielsweise in Geschäften oder bei Anbietern von körpernahen Dienstleistungen. Die Regelung gilt aber auch für Menschen, die im Beruf einer regelmäßigen Testpflicht unterliegen. Dazu gehören Erzieher, Lehrkräfte, Pflegekräfte sowie Mitarbeiter in Altenpflegeheimen. Die Befreiung von der Testpflicht gilt laut der Gesundheitsministerin auch für vollständig geimpfte Besucher in Pflegeeinrichtungen. Ein vollständiger Impfschutz liegt nach Ablauf von 14 Tagen nach der zweiten Impfung vor.

Freies Angebot ist bald wahrscheinlich

Dies bedeutet, dass Personen, die diese Impfungen nachweisen können, Geschäfte besuchen können oder einen Friseurtermin wahrnehmen können, für den Ungeimpfte einen tagesaktuellen negativen Test vorweisen müssen. Bei manchen Menschen sorgt dies für Unzufriedenheit, denn sie würden sich gern impfen lassen, können es aber noch nicht. „Es ist hier eine Frage der Perspektive. Aus Perspektive der Wirtschaft ist eine solche Regelung natürlich vorteilhaft, da nun eventuell mehr Kunden kommen können und das kann ihnen helfen, die Pandemie zu überstehen.“ Er kann aber auch verstehen, dass wiederum andere Menschen über diese Regelung nicht erfreut sind: „Viele Menschen wären jetzt schon gern geimpft und würden gern den Vorteil nutzen, ohne Test einkaufen gehen zu können. Ich verstehe den Unmut, den das auslöst. Aber solange noch nicht alle geimpft werden können, gibt es die Möglichkeit, mit Tests trotzdem Erledigungen zu machen“, so der Landrat. „Und ich bin mir sicher, dass es jetzt nicht mehr lange dauern wird, bis es ein freies Impfangebot geben wird.“

Der Landrat gibt zudem bekannt, dass sich Regelungen im Landkreis künftig an den Zahlen es RKI orientieren werden. „Viele Entscheidungen fußen ja auf dem Inzidenzwert. Es gab immer mal wieder Abweichungen zwischen eigenen Erhebungen von Gesundheitsämtern und den Werten des RKI. Das fanden einige Menschen verwirrend, dass es unterschiedliche Zahlen gab. Deswegen verlassen wir uns im Kreis jetzt auf die Zahlen des RKI.“ Eine Regelung, die an den Inzidenzwert geknüpft ist, ist die nächtliche Ausgangssperre. Wie wurde diese bisher im Jerichower Land aufgenommen? „Größtenteils halten sich die Leute daran“, erklärt Thomas Barz. „Mir ist nur bekannt, dass es einige wenige Geburtstagsfeiern oder ähnliches gab.“ Kontrolliert wird die Ausgangssperre von Polizei und Ordnungsamt.