Burg/Genthin l Erst ein kleiner Schmerz im Gebiss, dann ein Ziehen, Pochen und stechen bis es kaum mehr erträglich scheint. Den heutigen weltweiten Tag der Zahnschmerzen sollten sich all diejenigen rot im Kalender unterstreichen, deren gang zum Zahnarzt unausweichlich ist.

Zahnreport 2018

Dabei sind insbesondere die Menschen im Jerichower Land Zahnarztmuffel, sagt zumindest der Zahnreport 2018 der Barmer-Krankenkasse. Demnach haben 25,3 Prozent der Versicherten ihren Zahnarzt binnen eines Jahres nicht aufgesucht. Die sogenannte Inanspruchnahmequote (74,7 Prozent) ist schlechter als der Durchschnittswert der benachbarten Kreise: Im Landkreis Stendal liegt sie bei 77 Prozent, in Anhalt-Bitterfeld bei 77,3 Prozent und im Landkreis Börde bei 75,7 Prozent. Der häufigste Grund für den Verzicht auf die Behandlung war die Angst vor dem Zahnarzt (Dentalphobie). Laut der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie leiden bundesweit rund fünf Millionen Menschen unter einer solchen Angststörung.

Angst muss nicht sein

„Allein die Behandlungsposition im Zahnarztstuhl – auf dem Rücken liegend, grelles Licht über dem Gesicht, der Bohrer surrt, dazu nicht sehen können, was der Arzt oder die Ärztin macht und nicht sprechen können – das kann bei Patientinnen und Patienten ein Gefühl des Ausgeliefertseins und des Kontrollverlustes auslösen oder sogar zu Panikattacken führen“, sagt Barmer-Regionalgeschäftsführerin Cynthia Pietsch-Stein. Dabei muss die Angst nicht sein. „Wir sollten daran arbeiten, dass bereits von klein auf die Zahnhygiene genau so selbstverständlich wird, wie die Körperhygiene“, sagt die Genthiner Zahnärztin Ilka Gamalski. Der regelmäßige Gang zum Zahnarzt sollte zum Alltag gehören, dann entstünden die Ängste erst gar nicht.

Nicht zu lamge warten

„Doch Eltern warten oft zu lange, bevor sie mit ihrem Kind das erste Mal zum Zahnarzt gehen oder schicken ihren Nachwuchs zu selten zur Kontrolle“, macht Heiderose Potstada vom Serviceteam der KKH Kaufmännische Krankenkasse in Magdeburg auf ein weiteres Dilemma aufmerksam. Dabei haben Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 17 Jahren Anspruch auf Leistungen der zahnmedizinischen Vorsorge.

Eine aktuelle Datenerhebung der Kasse belegt, das im Jahr 2017 rund 76.000 KKH-versicherte Kinder bis zehn Jahre mindestens einmal zur Vorsorge beim Zahnarzt waren. Das hört sich viel an, entspricht aber bloß einem Anteil von 46 Prozent.

Lebenslange Folgen

„Milchzahnkaries kann lebenslange Folgen haben, denn Karies im Kindesalter wirkt sich auch auf die nachwachsenden Zähne aus“, fügt Cynthia Pietsch-Stein hinzu. „Unbehandelter Milchzahnkaries kann den Schmelz der bleibenden Zahnkeime schädigen, zudem können die Zahnlücken Sprachfehler verursachen.“ Begünstigt wird Karies unter anderem durch klebrige und süße Nahrung, zu wenig Speichel, Zahnbelägen oder große Zeitspannen zwischen Essen und Zahnreinigung.

Uneinig sind sich Experten, wie gefährlich bestimmte Mundkeime bei Zahnschäden sind. „Bestimmte Keime sind bei Babys nicht vorhanden und werden erst durch den Speichel der Eltern weitergegeben“, erläutert Ilka Gamalski. Das kann beim gemeinsamen Benutzen von Löffeln oder durch das Ablecken des Schnullers passieren.

Höhere Zahngesundheit

Für manche Experten spielen diese Keime eine untergeordnete Rolle für Zahnschäden, andere halten sie für eine wichtige Ursache. „Es wäre viel geholfen, wenn Erwachsene einmal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung vornehmen lassen“, sagt Gamalski. Das reduziere sowohl der Karies- als auch Parodontitis-Keime und sorge insgesamt für eine höhere Zahngesundheit. Mangelnde Mundhygiene ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch teuer. Allein 1,3 Milliarden Euro werden in Deutschland jährlich für Zahnersatz aufgewendet.

Zuschüsse möglich

Der Zahnarztbesuch lohnt sich doppelt: Um Schmerzen vorzubeugen und um Kosten zu sparen. Wer regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen im Bonusheft beim Zahnarzt nachweisen kann, erhält bei Zahnersatz und Kronen einen Zuschuss. Dieser erhöht sich wenn das Heft fünf oder zehn Jahre lückenlos geführt wurde.