Burg l Der Herbstwind pfeift mit kräftigen Böen durch den Goethepark. Es ist nicht der typische Tag für einen ausgiebigen Spaziergang. Burgs neue Parkwächter sind trotzdem draußen und zeigen Präsenz. Mit der Aufschrift „Parkwacht“ auf den Jacken sind Ronald Knappe, Dirk Belitz, Detlef Rothe und Fabienne Greulich unverwechselbar und haben seit August beziehungsweise September jede Menge Leute kennengelernt. „Die Tätigkeit ist wirklich maßgeschneidert für uns“, sagt Detlef Rothe. Da stört auch das Wetter nicht sonderlich.

Papier und Äste auf dem Rasen

Die Runde beginnt ganz normal, als wenn die Sonne scheinen würde. Nach wenigen Metern legen die Vier schon Hand an: Da liegen Papierknäuel auf dem Rasen, zuvor hatte der Sturm dafür gesorgt, dass sogar einige mittelstarke Äste auf dem Weg Richtung Landratsamt liegen. Schnell ist der Durchgang wieder frei. „Dafür sind wir auch da. Die Anlagen sollen schließlich ordentlich aussehen“, sagt Ronald Knappe. Er kommt ein wenig ins Schwärmen: „Wenn man sieht, wieviel Geld in der Stadt investiert wurde, kann man nur sagen, dass Burg richtig schön geworden ist.“

Ein gutes Gefühl

Dass der eine oder andere Zeitgenosse das nicht so recht zu schätzen weiß, haben die Parkwächter auch schon erfahren. „Wir sind nicht die Lehrmeister, sondern suchen in einem vernünftigen Ton das Gespräch, wenn jemand Müll achtlos in die Gegend wirft oder keine Hundetüte benutzt wird.“ Mit dieser Art ins Gespräch zu kommen, haben die vier Burger nach den ersten Wochen gute Erfahrungen gemacht. „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück“, sagt Belitz. Überhaupt vermittle die Anwesenheit der Parkwächter bei vielen Burgern ein gutes Gefühl. „Etliche ermuntern uns“, versichert Rothe. Nicht zuletzt deshalb, weil sie aus früheren Tätigkeiten wissen, wie sie beispielsweise mit Jugendlichen umgehen, die ihr Radio wieder mal zu laut aufdrehen oder die sich nur schreiend unterhalten können.

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Hunde an der Leine

„Wenn man mit denen locker und verbindlich redet, klappt es meistens“, so Rothe, der unbedingt noch in Richtung Panzer gehen will. Das seit Jahrzehnten abseits gelegene Militärgerät ist ein beliebter Treffpunkt. Ganz offensichtlich wurde dort am Abend zuvor etwas ins Glas geschaut. Etliche Flaschen liegen zerstreut auf dem Rasen. Die werden natürlich aufgesammelt. Die Tour geht weiter durch den hinteren Teil des Goetheparkes und im großen Bogen zum Landratsamt. Einige Hundebesitzer gehen mit ihren Vierbeinern eine Gassirunde. Alle Tiere werden an der Leine gehalten. So wie es sein muss. Das sehen die Parkwächter gern. Auf der Rücktour wird noch ein kleinerer Schaden an einem Spielgerät festgestellt, per Handy und schriftlich dokumentiert, damit die Stadt gegebenenfalls eine Reparatur in Auftrag geben kann. Manches erledigen die Parkwächter nach Absprache auch selbst.

Umdenken bei Arbeitgebern

Zurück in der Verwaltung werden die Kontrollen ausgewertet. Sachgebietsleiter Torsten Schulz ist mit dem Engagement der Truppe zufrieden. „Sie sind einsatzbereit und geben sich große Mühe. Eine gute Mannschaft.“ Einen erheblichen Anteil daran habe auch das Jobcenter Jerichower Land, das extra für diese Stellen in Form von 30 Wochenstunden Bewerbertage initiiert hat. Denn die Parkwächter waren zuvor langzeitarbeitslos und werden nun über das neu eingeführte Bundesprogramm „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ gefördert. „Zusätzlich werden alle noch durch den Bildungsträger TÜV Rheinland beschäftigungsbegleitend betreut“, ergänzt Ulrike Mylius, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt im Jobcenter. Die intensive Betreuung von langzeitarbeitslosen Männenr und Frauen könne sich für öffentliche Verwaltungen ebenso lohnen wie für Unternehmen der freien Wirtschaft. „Bei den Arbeitgebern sollte ein Umdenken einsetzen“, sagt Mylius. Das Potenzial müsse oftmals nur gefördert werden.