Gesundheitsprojekt soll langen Einsatz der Forstwirte garantieren

Waldarbeiter nehmen es künftig sportlich

Von Anja Guse

Die Waldarbeiter im Jerichower Land werden für ihre körperlich schwere Arbeit fit gemacht. In einem zweijährigen Projekt wird erforscht, mit welchen sportliche Übungen die Frauen und Männer ihre Gesundheit stärken und das Wohlbefinden verbessern können.

Burg l Fast 30 Prozent der Waldarbeiter des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt ist nur bedingt einsatzfähig, Tendenz steigend. Entweder schmerzen Rücken und Schultern oder die Knie spielen einfach nicht mehr mit. Forstarbeit ist körperlich anstrengende Arbeit. Heben, rücken und bücken - bei Sonne, Regen und Schnee.

Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt derzeit bei 50,5 Jahren, ohne die Auszubildenden. "In weniger als zehn Jahren werden rund 85 Prozent unserer Waldarbeiter älter als 50 Jahre sein", berichtet Forstdirektor Rainer Aumann. Das alles führe zu hohem Krankenstand oder gar Frühverrentung.

Doch damit soll nun Schluss sein. Jetzt werden die Forstwirte für ihre vielfältigen Aufgaben mit einem Gesundheitsprojekt fit gemacht. In Kooperation mit dem Lehrstuhl Training und Gesundheit am Institut für Sportwissenschaft der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg werden Übungen erlernt, die der körperlichen Vitalität und Leistungsfähigkeit zugute kommen. Zugleich wird erforscht, mit welchen Übungen das Ziel erreicht werden kann und welche Handlungsempfehlungen sich daraus für andere Bereiche formulieren lassen.

Praktisch bedeutet dies: Die Waldarbeiter treiben jede Woche unter Anleitung Sport. Später allein. Nach 20 Wochen wird Zwischenbilanz gezogen. Ziel ist, Kraft und Kraftausdauer zu stärken, Gelenke zu stabilisieren sowie koordinative Fähigkeiten zu schulen.

Begleitend werden Mitarbeiterbefragungen, Gesundheitszirkel und Beratungen angeboten. "Wir wollen das gesamtheitliche Verständnis für diese Maßnahmen fördern", meint Aumann, der ebenfalls am Sporttraining teil- nimmt.

Eine Gruppe übt in Burg in der Turnhalle der Clausewitz-Kaserne. Gestern standen Erwärmungen mit einem großen Gymnastikball auf dem Programm. Was nach leichtem Spiel aussah, entpuppte sich als schweißtreibende Übung. Rücken an Rücken, der Ball dazwischen, versuchten die Forstwirte in die Hocke zu gehen und wieder aufzustehen. Das schult die Koordination.

Dieter Hannemann (58), Arbeiter im Forstrevier Stegelitz und Wörmlitz, kommen diese Übungen sehr entgegen. "Ich treibe sonst keinen Sport. Und das ist jetzt eine tolle Abwechslung zum Alltag. Mal schauen, was es bringt", sagt er. Bis zum 63. Lebensjahr will er körperlich im Job durchhalten. "Dann war ich 43 Jahre im Wald beschäftigt", erzählt er, während ihm der Schweiß von der Stirn rinnt.

Auch für seinen deutlich jüngeren Kollegen Julian Stötzer (26) entpuppen sich die Übungen durchaus als anstrengend. "Ich treibe fünf, sechs Mal pro Woche Sport, meist Krafttraining. Zudem jogge ich viel. Aber auch hier komme ich ins Schwitzen", erzählt er.

Forstdirektor Aumann hofft, durch das Projekt seine Mitarbeiter länger gesund im Betrieb halten zu können. Immerhin lässt sich die Bundesforst das Vorhaben mehrere tausend Euro kosten.