Altengrabow l Der Vorname von Ferry Behrens vom Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt ist durchaus wörtlich zu nehmen: „Ferry bedeutet aus dem Englischen übersetzt Fähre. Und ich bin ja auch eine Person, die verbindet“, erklärt er. Er verbindet sozusagen den Wald mit den Interessen und Arbeiten des Bundesforstes, indem er die Bestände der Bäume erfasst und somit ermitteln kann, wie sich Wälder und Bäume entwickeln. „Die Arbeit von Ferry Behrens ist der Inbegriff der Nachhaltigkeit“, beschreibt Forstdirektor Rainer Aumannn. „Der Begriff der Nachhaltigkeit stammt aus dem Bergbau- und Forstbereich und wurde vor über 300 Jahren erstmalig von dem sächsischen Oberbergmann Hans Carl von Carlowitz geprägt“, führt er weiter aus.

Doch was genau macht Ferry Behrens bei seiner Tätigkeit, die für Nachhaltigkeit sorgt? „Zunächst einmal ist das bestimmt kein Job für jedermann“, erklärt er. Er sei dabei viel alleine, wenn er durch den Wald zieht und erfasst, welche Bäume wo wachsen. „Einige Kollegen meinten schon zu mir, dass sie das nicht könnten, das wäre ihnen zu einsam, aber ich komme gut damit klar“, meint er fröhlich. Zu seiner positiven Einstellung zu seiner Arbeit gehört mit Sicherheit auch die Überzeugung, eine sinnhafte Tätigkeit auszuüben. Ein stetiger Begleiter ist das Spiegelrelaskop, ein Messgerät, das bei den Bäumen zum Einsatz kommt. „Das ist sozusagen das Lichtschwert des Wald-Einrichters“, erklärt er schmunzelnd mit einem Verweis auf Star Wars. Ähnlich wie die Jedi in diesen Filmen die Macht nutzen, um für das Gute zu kämpfen, kämpft Ferry Behrens für den Erhalt und die Mehrung des Waldes. Und dies ist eine regelrechte Mammut-Aufgabe. Allein für die Überprüfung der Waldflächen des Truppenübungsplatzes Altengrabow benötigt er rund zwei Jahre. Er vermisst die Bäume, erfasst ihren Durchmesser und führt Zählungen durch, welche Baumarten wo in wie großer Zahl wachsen. „Dadurch erhalten wir beim Bundesforst fundierte und zutreffende Werte über den Status Quo des Waldes“, erläutert Aumann.

Die Arbeit von Ferry Behrens ist eine generationsübergreifende. Die Bäume, die er jetzt begutachtet, wurden oft in den vergangenen Jahrzehnten gepflanzt und gehegt. Er hat also die Arbeit der vergangenen Förster-Generationen vor sich. „Und die Arbeit, die wir jetzt im Wald erledigen, wird sich für die kommenden Generationen auswirken.“ Deswegen müssen die Maßnahmen mit Bedacht gewählt werden. Denn ein Aspekt, denn Behrens bei seiner Arbeit immer im Hinterkopf behalten muss, ist der Klimawandel. Durch die veränderten klimatischen Bedingungen werden auch die Bäume beeinflusst. Die trockenen Sommer waren beispielsweise regelrecht tödlich für die Lärche und die Fichte. „Eichen und Birken kommen besser mit klimatischen Extrembedingungen zurecht“, so Behrens. „Der Klimawandel geht auch am Bundesforst nicht vorbei. Wir müssen uns anpassen und vermehrt auf Bäume setzen, die auch in Zukunft hier gut wachsen können“, fügt Aumann hinzu.

Wald muss weiterhin gemehrt werden

Deswegen ist der Bundesforst auf die Daten von Behrens angewiesen, um zu wissen, welche Bäume aktuell den Wald bilden. Aus diesen Daten ergibt sich auch, wo welche Bäume gerodet werden können, um das Holz wirtschaftlich zu nutzen oder auch verbleidenden Bäumen mehr Licht und Platz zum Wachsen einzuräumen. „Der Truppenübungsplatz ist ein Gebiet, in dem der Wald in den vergangenen Jahrzehnten stark gemehrt wurde, aber noch weiterhin gemehrt werden muss“, verweist Aumann auf die Geschichte des Platzes. Dieser wurde schon seit 1894 militärisch genutzt, hatte aber besonders unter der Nutzung der Russen gelitten. In den Jahren vor der deutschen Einheit hatten sich die russischen Soldaten nicht um Feuer gekümmert, fanden diese sogar eher nützlich, da die niedergebrannten Waldflächen besser für Schießübungen genutzt werden konnten. Diese Schäden versuchen Bundeswehr und Bundesforst nun zu beheben. Das ist allerdings kein leichtes Unterfangen, das inzwischen fast 30 Jahre in Anspruch genommen hat und noch weitere Jahre oder Jahrzehnte andauern wird. „Wald zu roden, geht schnell, aber ihn dauerhaft zu nutzen und ihn zu erhalten, ist eine umfangreiche Aufgabe“, erklärt Aumann und verweist noch einmal auf den von Hans Carl von Carlowitz geprägte Bild der Nachhaltigkeit. „Als Leiter des sächsischen Oberbergamtes Freiberg im Erzgbirge war von Carlowitz unter anderem für die Holzversorgung des damals sehr aktiven kursächsischen Berg- und Hüttenwesen zuständig.“ Der Holzbedarf als Bauholz, Grubenholz, Brennstoff und zur Verhüttung sei damals enorm gewesen. „Und auch das Bevölkerungs- und Städtewachstum trug stark zur Holznot bei. Zudem gab es auch schon zur damaligen Zeit schwerwiegende Naturkatastrophen wie extrem niederschlagsarme Sommer, Stürme und Borkenkäferbefall, die den Wäldern großen Schäden zufügten. In der Konsequenz wurde weitaus mehr Holz eingeschlagen und verbraucht als nachwuchs“, so Aumann weiter. Von Carlowitz habe erkannte, dass die die absehbare Holzverknappung den schleichenden Niedergang des bedeutenden Berg- und Hüttenwesens zur Folge haben würde und forderte, dass im Sinne der Nachhaltigkeit nur so viel Holz eingeschlagen werden darf, wie auch nachwächst. Der Gedanke der Nachhaltigkeit war somit geboren. „Dieser Nachhaltigkeitsgrundsatz wurde in die damaligen Forstordnungen übernommen und ist auch heute wesentlicher Bestandteil der Forstgesetze. Seitdem ist der Waldanteil in Deutschland konstant beziehungsweise wächst sogar und die Holzvorräte in deutschen Wäldern erreichen Spitzenwerte im europäischen Vergleich“, erläutert Aumann.

Die Arbeit von Ferry Behrens ist ein elementarer Bestandteil davon, dass der Bestand der Wälder des Bundesforstes gesund bleibt, wächst und für die kommenden Generationen zur Verfügung steht.